Architekten LAVA – Formen von übermorgen

Die jungen deutschen Architekten machen verstärkt auf sich aufmerksam durch intelligente Entwürfe von Lowtech-Bauten mit ästhetisch hervorragenden Ergebnissen.
LAVA

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Laboratory for Visionary Achitecture – kurz LAVA – haben Tobias Wallisser, Alexander Rieck und Chris Bosse ihr Unternehmen 2007 genannt – und nicht Studio oder Architekturbüro. Auch wenn Visionen in Deutschland nicht unbedingt gut ankommen. „Uns traut man hier nichts Großes zu“, stellt Alexander Rieck nüchtern fest, und das, obwohl sie erstklassige Referenzen vorweisen konnten. Tobias Wallisser war als Partner bei UNStudio in Amsterdam für das Mercedes-Benz Museum in Stuttgart zuständig. Alexander Rieck hatte am Fraunhofer-Institut über Raumorganisation und Atmosphäre im Büro der Zukunft geforscht. Und Chris Bosse hatte von Sydney aus an der Olympiaschwimmhalle in Peking mitgebaut – einem Bau mit folienbespannter Fassade. Doch weil der Einstieg selbst mit so einer Expertise in Deutschland mühsam ist, orientierte sich LAVA Richtung Mittlerer Osten. 2007 hatten sie den Auftrag für eine Skihalle in der Wüste gewonnen, Baubudget: eine Milliarde Dollar.

LAVA konnte von der ersten Honorarzahlung ein paar Computer kaufen und Mitarbeiter anheuern, bevor das Großvorhaben in der Finanzkrise zusammenschmolz wie ein Schneemann in der Wüste. So ähnlich erging es LAVA auch mit ihrem zweiten Prestigeprojekt, dem Stadtzentrum von Masdar – der viel gefeierten CO²-neutralen Stadt, die vor den Toren von Abu Dhabi errichtet wird. Hier planten Bosse, Rieck und Wallisser einen Platz mit riesigen Sonnenschirmen. Auch dieses Vorhaben wurde inzwischen bis zur Unkenntlichkeit zusammengeschrumpft, doch LAVA überlebte und plant nun ein Forschungsinstitut für 10 000 Mitarbeiter in Saudi-Arabien. Das Bewerbungsverfahren dazu gewannen sie gegen internationale Größen wie Norman Foster. „Die hatten fertige Konzepte“, erinnert sich Alexander Rieck, „wir haben gefragt: Was ist euer Bedarf?“

Es begann ein jahrelanger Analyse- und Planungsprozess, bei dem erst am Ende Gestalt- und Raumfragen standen. Jetzt entsteht auf dem Saudi-Campus ein Hochhaus, das klimatisch auf den Ort und kommunikativ auf die Bedürfnisse der Forscher ausgerichtet ist. Geplant wird das Gebäude mithilfe allerneuester Technik, des parametrischen CAD. Die Software stammt aus der Autoindustrie und ermöglicht das zügige Umplanen von Bauteilen, die voneinander abhängig sind. „Damit können wir uns Freiräume erarbeiten und darlegen, dass formaler Reichtum nicht so teuer ist, wie viele meinen“, resümiert Tobias Wallisser. Bevor dies auch in Deutschland einmal der Fall ist, backt LAVA kleinere Brötchen – die nicht weniger komplex sind. In Arbeit ist eine Solartankstelle, deren Dach ein zweifach gekrümmtes Flächentragwerk ist. Dessen Einzelteile werden nach 3-D-Datensätzen mit Laserschneider produziert. Das Dach kann verschiedenen Gegebenheiten angepasst werden, ist einfach zu montieren, zu demontieren und zu recyceln.

Autor:
Christian Tröster
Fotograf:
Jan Kopetzky