Architekten Zanderroth Architekten – Blick aufs Gesamte

Die jungen deutschen Architekten machen verstärkt auf sich aufmerksam durch intelligente Entwürfe von Lowtech-Bauten mit ästhetisch hervorragenden Ergebnissen.
Reihenhäuser am Prenzlauer Berg, Berlin

Zanderroth Architekten

Zanderroth Architekten
Einen Klienten finden und dann bauen – so einfach ist das heute für keinen Architekten mehr und schon gar nicht für einen jungen. Man muss sich auch mit den ökonomischen und organisatorischen Gegebenheiten seines Berufes auseinandersetzen. Einen ziemlich cleveren Weg, an Aufträge zu kommen, fanden Sascha Zander und Christian Roth in Berlin. Sie arbeiten vor allem für Baugruppen und entwickeln Lösungen für deren Grundproblem: die Koordination sehr vieler unterschiedlicher Interessen. In den Baugruppen tun sich Privatleute zusammen, um ohne Bauträger zu bauen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Wohnungen sind deutlich preiswerter, weil der Gewinn des Bauträgers entfällt. Die Nachteile auch: In den Baugruppen müssen Ansprüche vieler Menschen, architektonischer Laien zudem, unter einen Hut gebracht werden. Baugruppen sind langsame Bauherren und bleiben oft auch nicht in der Formation zusammen, in der sie einmal gestartet sind.

Zander und Roth haben das als Managementaufgabe aufgefasst und führen ihre Gruppen an der kurzen Leine. „Bei uns gibt es keine ausufernden Diskussionen“, sagt Sascha Zander, „wir haben das Gesamte im Auge. Die Einzelnen nur ihre Wohnung.“ Also: Innerhalb der Wohnung plant der Einzelne, außerhalb planen die Architekten. Dass das zu exzellenten Ergebnissen führen kann, haben Zander und Roth in zahlreichen Projekten bewiesen. Vor allem deshalb, weil ihr Fokus auf guter Architektur liegt. Auf diese Weise entstehen zeitgenössische Häuser, die konventionelle Bauträger so nie bauen würden. Es sind zudem Häuser, für die auch bei schwierigen Grundstücken Lösungen gefunden werden. So bebaute Zanderroth für eine Baugruppe am Prenzlauer Berg ein 100 Meter langes und 35 Meter tiefes Grundstück, das auffällig schlechte Lichtverhältnisse aufweist. Es ist zur Straße hin nach Norden ausgerichtet und im Süden durch eine Brandmauer abgeschattet. Statt eines konventionellen Wohnblocks errichteten die Architekten hier lieber 23 schmale und hohe Reihenhäuser.

Der Lebensraum darin ist vertikal organisiert, die Lichtausbeute demokratisch verteilt: Jeder Bewohner hat gleichermaßen untere (dunkle) und obere (helle) Zimmer und jeder einen Dachgarten. Dahinter, in zweiter Reihe, stellten die Architekten noch zehn Gartenhäuser, denen wiederum zwölf Penthäuser aufgesetzt sind, sodass trotz schwieriger Lichtverhältnisse 45 moderne, interessant geschnittene Wohnungen für Familien entstanden. Gefragt nach ihren ästhetischen und architektonischen Grundsätzen, erklärt Sascha Zander: „Wir entwerfen ortsspezifisch, also ist jedes Haus anders. Aber gewisse Ähnlichkeiten gibt es doch. Sie haben innen liegende und fensterlose Treppenhäuser, damit die Wohnungen mehr Tageslicht bekommen können. Die Grundrisse sind klar und wenig expressiv.“

Autor:
Christian Tröster
Fotograf:
Jan Kopetzky