Architekten SoHo Architektur – Tradition und Moderne

Die jungen deutschen Architekten machen verstärkt auf sich aufmerksam durch intelligente Entwürfe von Lowtech-Bauten mit ästhetisch hervorragenden Ergebnissen.
Haus mit schwarz lasierter Fassade

SoHo Architektur

SoHo Architektur
Das Logo von SoHo Architektur zeigt eine Wildsau, die durchs Bild springt. Der Slogan dazu: „frei wild jung“. SoHo arbeitet nicht in Hamburg oder Düsseldorf, sondern in Memmingen, einer 40 000-Seelen-Gemeinde in der Nähe von Ulm. Hinter der Marke SoHo steckt Alexander Nägele. Zu seinem Werk gehören Einfamilienhäuser mit Fassaden aus Plexiglas, Eternit oder schwarz gefärbtem Holz, er belässt Wände und Treppen in rohem Beton und bevorzugt insgesamt eine klare bis archaische Formensprache. Das sieht entschlossen modern aus und teilweise irritierend. „Dass manche meiner frühen Häuser so radikal aussehen, hängt mit meiner Arbeitsweise zusammen“, erklärt er. „Ich plane von innen nach außen. Wie funktionieren die Räume? Wie sind die Bewegungsabläufe im Haus?“ Ist dort alles durchdacht, reicht es außen zuweilen nur noch für preiswerte Materialien.

Den Bauherren, sagt Nägele, sei das recht, wenn sie dafür ein funktionierendes Haus bekämen. Die Häuser der Region seien schon immer aufs Notwendigste reduziert worden, seine Entwürfe werden schnell verstanden. „Memmingen ist meine Heimatstadt, und in Augsburg habe ich studiert. Ich habe noch nie einen Auftraggeber mit Designinteresse gehabt“, sagt er. Sogar die Freunde, die ihn direkt nach dem Studium ansprachen, wollten nur günstig an einen Entwurf kommen: „Da stand ich in Konkurrenz zu Fertighausanbietern und Bauträgern und musste mir etwas einfallen lassen.“ Die Inspiration erhält Alexander Nägele vor allem im Dialog. „Meine Bauherren müssen sich nicht vorgefertigten Bildern unterwerfen. Es ist ein Prozess. Sie wissen oft nicht, wie es am Ende aussehen soll, und wir wissen es auch nicht.“ Am Anfang seines Weges stand ein kubisches Einfamilienhaus mit Plexiglasfassade. Es folgte ein vielfach ausgezeichnetes Haus, das trotz geringen Budgets spannungsvolle Innenräume aufweist. Obwohl es mit Dach und Fassade aus rotem Welleternit in einem Siedlungsgebiet aus der Reihe fällt, wurde auch dieses Haus gut aufgenommen: „Da kommt schon mal ein Spruch, aber es wurde zu einem Wahrzeichen und einer Wegmarke.“

Den Durchbruch schaffte Nägele dann mit einem gänzlich schwarzen Haus in der Innenstadt von Memmingen. Der Umbau überführte das Bestandsgebäude in die Gegenwart und schaffte eine Balance zwischen historischen Bezügen und moderner Formensprache. Am deutlichsten ist das ablesbar an der monolithischen Fassade, die mit schwarz lasiertem Holz Anleihen bei traditionellen Bauten des Viertels macht. Ein erstes Großprojekt hat SoHo mit dem Donaupark Memmingen realisiert, einem 7500 Quadratmeter großen Areal mit Büros und Lofts. Die Bodenhaftung hat Alexander Nägele darüber nicht verloren: „In der Schweiz oder in Vorarlberg wäre dieses Projekt Standard und nicht weiter auffällig. Im Allgäu ist es eine Sensation.“

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Autor:
Christian Tröster
Fotograf:
Jan Kopetzky