Pritzker-Preisträger Wang Shu´s Biografie

Der Pritzker-Preis geht 2012 erstmals nach China. Preisträger Wang Shu schwört, ganz gegen den Mainstream, auf traditionelle Tugenden, auf Handwerk, Material-Wiederverwendung und liebevollen Umgang mit der Natur. Ohne jemals konservativ oder langweilig zu werden.

Scattered Houses

Eins der „Scattered Houses“ (2006) in Ningbo zitiert die geschweifte Form traditioneller Dächer. Die Steine der Mauern stammen aus abgebrochenen Häusern.

Wang, stets in Schwarz, randlose Brille, geläufiges Englisch, gestikuliert, während er redet, und unterbricht sich selbst gern mit kleinen Lachern. Weite Distanzen zu überwinden gehört zu seiner Biografie. Geboren wurde er 1963 in der Stadt Urumqi, Xinjiang, ganz oben im Nordwesten der Volksrepublik. Als Jugendlicher fuhr er häufig nach Peking – vier Tage und vier Nächte Zugfahrt. „Als ich 1981 mein Studium begann“, erzählt er, „wusste in China kein Mensch, was Architektur ist.“ Kunst wollte er studieren, aber die Eltern wünschten etwas Solideres, etwas Technisches. „Und da habe ich es gefunden: Architektur – das war in der Technik-Abteilung. Aber man konnte da auch zeichnen.“ In Nanjing machte Wang 1988 seinen Abschluss.

Neben und nach dem Studium, das ihn langweilte, widmete er sich eigenen Studien – auf Reisen durch Indien, Afrika, Europa und Amerika, vor allem aber praktisch und direkt: Fast zehn Jahre arbeitete er mit und unter Handwerkern bei der Renovierung alter Bauten. Die faszinieren ihn bis heute. „Ich finde, Handwerker arbeiten besser als Architekten. Und ihr Know-how ist mehr wert, als moderne Technologie.“ Denn er hat ihnen so viel zu verdanken: seine Liebe zum Material, sein Verständnis überlieferter Techniken – die eilig aufgeführten Mauern aus Trümmersteinen, die er so schätzt, zum Beispiel sind typisch für Gegenden, in denen Häuser sehr häufig von Taifunen eingerissen werden und dann schnellstens in Stand gesetzt werden müssen. Und den Respekt vor alten Steinen und das Bewusstsein, mit ihrer Wiederverwendung den Einheimischen Erinnerungen zu vermitteln.

Autor:
Heiner Scharfenorth
Fotograf:
Fu Xing, Lang Shuilong, Lu Wengu, Lv Hengzhong