Poesie in Beton Wiederkehrendes Muster

Die Witwe von Giuseppe Brion, dem Gründer der Kult-Elektronikfirma Brionvega, beauftragte den venezianischen Stararchitekten Carlo Scarpa, eine Gruft für ihren verstorbenen Gatten zu entwerfen. Daraus wurde ein umfangreiches Ensemble mystischer Bauwerke - und eine Pilgerstätte für Architekturfans.

Aufgeweichte Brötchen schwimmen in einem quadratischen Bassin, träge drehen rot-weiß und silbrig schimmernde Fische ihre Runden darunter. Die Brötchen rühren sie nicht an. Futter haben sie wohl im Überfluss, ihrer Figur nach zu urteilen. Die Gemeindemitglieder scheinen sich auch um diesen Teil der Tomba Brion zu kümmern. Wofür die Fische ebenfalls blind sind, ist der besondere Uferrand – auch unter Wasser hat Scarpa ein immer wiederkehrendes Gestaltungsprinzip fortgeführt. Im gleichschenkligen Maß wird die Ufermauer bis auf den Grund des Bassins abgestuft. Ein Detail, das gleichzeitig dekorativ und konstruktiv ist.

Carlo Scarpa, 1906 in Venedig geboren, wurde an der dortigen Kunstakademie im Fach Architekturzeichnen ausgebildet, was an vielen seiner Arbeiten sichtbar wird. Bevor er sich als Baumeister hervortat, beschäftigte er sich intensiv mit der Glaskunst und schuf zahlreiche einzigartige Vasenentwürfe für Venini. Scarpa verbindet in seinen Bauwerken (darunter der Olivetti-Shop in Venedig, das Museum di Castelvecchio und die Banca Popolare in Verona) Tradition und Moderne, zitiert Elemente aus der Inka-Architektur und ägyptischer Formensprache. Seine Architektur ist stilistisch sehr von seinem großen Vorbild Frank Lloyd Wright inspiriert.

Schlagworte:
Autor:
Jan van Rossem
Fotograf:
Kai-Uwe Gundlach