Die modernsten Konzepte im ökologischen Bauen Globales Vorbild

Der Trend in der Baubranche heißt Nachhaltigkeit. Kaum ein Architekt, Konzernlenker oder Bürgermeister bringt mehr ein Projekt ohne Öko-Konzept auf die Schiene.

Was die westlichen Länder vormachen, wird sogar in Staaten imitiert, die bislang als die größten Umweltsünder verschrien waren. So verordnete Scheich Mohammed bin Rashid al Maktoum von Dubai seinem Land kurzerhand Bauvorschriften, die am amerikanischen LEEDSystem orientiert sind. In Bahrain wurde jüngst – eine Weltpremiere – ein Doppelhochhaus mit drei Windrotoren à 29 Meter Durchmesser eröffnet. Der Luftzug zwischen den Türmen soll die Turbinen antreiben. In Abu Dhabi schließlich soll sogar eine ganze CO2-neutrale Millionenstadt entstehen, geplant vom Londoner Büro Foster and Partners. Bei so viel Aktionismus bleibt der Vorwurf der Symbolpolitik nicht aus. Es gäbe, so lästert etwa der deutsche Architekt Christoph Ingenhoven, selber ein Propagandist nachhaltigen Bauens, nun wirklich bessere Orte für eine CO2-neutrale Großstadt als ausgerechnet die Wüste. Der Begriff der Nachhaltigkeit, so zeigt sich an solchen Fällen, ist dehnbar wie der der Schönheit: Jeder stellt sich etwas anderes darunter vor, schmücken aber wollen sich alle damit. Denn die Resonanz für derartige Projekte im Publikum ist so groß, dass in der Immobilienbranche Grün schon als neues Gold gilt: Bauten mit Öko-Label lassen sich besser vermieten und sind gut fürs Image.

Ursprünglich aus der Forstwirtschaft stammend, bezeichnet das Wort Nachhaltigkeit eine systemerhaltende Wirtschaftsweise. Doch seit das System nicht mehr nur Bäume meint, wirft jeder Eingriff Fragen auf. Ist etwa die Verwendung von Aluminium eine Umweltsauerei, weil zu seiner Herstellung enorm viel Energie aufgewendet wird? Oder ist sie zu loben, weil das Metall problemlos recycelt werden kann? Sind Wärmedämmverbundsysteme an den Fassaden von Wohnhäusern positiv zu bewerten, weil sie Energie sparen helfen? Oder negativ, weil sie aus bis zu zwanzig verschiedenen Materialien zusammengeklebt sind? Das nämlich hat katastrophale Folgen bei der späteren Entsorgung, und der Umfang des Problems ist in der öffentlichen Wahrnehmung kaum angekommen: Die Bauwirtschaft in Deutschland ist für die Hälfte aller Massenabfälle im Land verantwortlich. Alle Gebäude, das ergibt sich aus solchen Fragestellungen, müssten in einem komplizierten Prozess des Abwägens nicht nur auf Wärmedämmung, Energieverbrauch und Wohngifte geprüft werden, sondern auf den ökologischen Fußabdruck im Laufe ihres Lebenszyklus, inklusive des CO2- Ausstoßes bei Produktion, Transport und Entsorgung.

Autor:
Christian Tröster