Daniel Libeskind Verwinkelte Räume

Der Amerikanische Architekt Daniel Libeskind hat den Dresdnern ein neues Militärmuseum gebaut. Wie es seine Art ist: Mit schiefen Ebenen und kippenden Wänden stellt er Gewissheiten infrage und regt zu bewusster Betrachtung an.

 

Dafür hat der Architekt die für ihn typischen (Ausstellungs-)Räume entworfen: ohne Mittelpunkt, ohne zentrale Fläche, um die sich alles gruppiert. Stattdessen findet man Verwinkelungen, asymmetrische Fensterfronten. Hinter jeder Wand eröffnet sich eine neue Perspektive. Steinsäulen und wuchtige Gewölbe prallen auf schräge Betonwände, stumpfe Winkel und gekippte Böden, auf denen man das Gefühl hat umzustürzen. Libeskinds dekonstruktivistische Architektur entwickelt auch in Dresden ihre Suggestionskraft.

Am höchsten Punkt des gläsernen Keils gibt eine Besucher terrasse den Blick auf die berühmte Frauenkirche, den Zwinger und die Semperoper frei. Nachts wird das Museum durch eine spektakuläre Illumination in Szene gesetzt. Am Tag überlagern Metalllamellen die transparente Glasfassade. Mit seinem Entwurf spielt Libeskind auf die Brüchigkeit der Welt an. Man könnte auch sagen: Ein Blitz ist in das Museum eingeschlagen. Der Vförmige Neubau („LibeskindKeil“) weist in die Dresdner Innenstadt. Dorthin, wo alliierte Bomber Anfang 1945 ihr Zerstörungswerk angerichtet hatten. Etwa 650000 Brandbomben wurden damals auf Dresden abgeworfen.

Daniel Libeskind gilt als schillernde Figur der internationalen Architekturszene. Seine Bauten faszinieren und polarisieren zugleich, unberührt bleibt niemand. Zickzackförmige Grundrisse mit labyrinthischen Räumen, schiefen Ebenen und spitzwinklig zulaufenden Wänden, die oftmals ein beklemmendes Gefühl der Enge und Leere beim Betrachter hinterlassen. Kürzlich hat Libeskind sogar seine Version einer luxuriösen Serienvilla vorgelegt. Der Prototyp steht in Datteln, 30 Kilometer nördlich von Dortmund. Er besteht aus überund ineinander geschachtelten Boxen, die mit einer silbern schimmernden Fassade aus Zink überzogen sind.

 

Autor:
Michael Marek
Fotograf:
Wolfgang Zlodej