Ein fabelhafter Stilmix und orgiastisches Gesamtkunstwerk Gino Coppedè

Abseits der Trampelpfade bildungshungriger Touristen versteckt Rom ein architektonisches Kleinod, das man in der Stadt der Antike und des Barock nicht vermuten würde: das „Quartiere Coppedè“ – fabelhafter Stilmix und orgiastisches Gesamtkunstwerk des Baumeisters, nach dem das Viertel benannt wurde.
Gino Coppedè

Deren Schöpfer Gino Coppedè wird 1866 geboren in Florenz, lernt in der Werkstatt seines Vaters Möbeldesign, später studiert er Architektur. Mit 31 wird er von dem wohlhabenden Schotten Evan MacKenzie beauftragt, seine Villa auf den Hügeln bei Genua zu restaurieren und möblieren. Gino Coppedè nutzt die exponierte Lage der Villa, und gestaltet sie während der folgenden zehn Jahre mit allerlei Seitenflügeln, Loggias, Türmen, Türmchen, Zinnen, Mauern, Grotten und Zugbrücken und einem umlaufenden Festungswall zu einem gleichzeitig lächerlich miniaturisiertem und grotesk gigantischen Schlösschen um – ein Disneyland, schon vor hundert Jahren. Coppedè selbst zieht mit Familie nach Genua. Dort entstehen Kontakte zu einer ligurischen Bau- und Finanzgesellschaft, die ihn 1915 engagiert, das 31 000 Quadratmeter große Areal im Nordwesten Roms nach eigenen Vorstellungen zu bebauen. Eine Carte blanche für den Architekten. 18 luxuriöse Palazzi und 27 Villen sind geplant, etwa die Hälfte wird bis 1926 realisiert. Residenzen für Botschafter und die feine römische Gesellschaft (und den Architekten samt Familie). 1927, ein Jahr nach Vollendung seines Hauptwerks, stirbt Gino Coppedè im Alter von 61 Jahren.

Schlagworte:
Autor:
Jan van Rossem
Fotograf:
Robert Fischer