USM-Mentorpreis für Architektur by A&W Natürliche Künstlichkeit

Das Rotterdamer Büro MVRDV, „A&W-Architekt des Jahres 2012“, hat die Landschaftsarchitektin Anouk Vogel für den „USM-Mentorpreis für Architektur by A&W“ nominiert. Die gebürtige Genferin entwirft in ihrem Amsterdamer Büro poetische und dabei grafisch klar gegliederte Gartenlandschaften. Gern mit einer kleinen rebellischen Note.


Twin Bridges

Twin Bridges

Einen Rotterdamer Park schmücken jetzt zwei Brücken, eine mit einem Geländerdekor aus winterlichen Blattskeletten (Foto) und eine Sommerversion mit üppigem Wuchs.

Ebenfalls Teamarbeit sind die beiden jüngsten Arbeiten. Der „Mirror Tree“ ist ein aus Spiegelpunkten gepixelter, riesiger Apfelbaum auf der Eingangsglasfront des St. Nicolaaslyceums. Er soll einerseits den Kindern Forschung und Lehre symbolisieren, weil es sich um den berühmten Baum aus Isaac Newtons Garten handelt, unter dem er saß, als er beim Fall eines Apfels dem Kern des Gravitationsgesetzes nähergekommen sein soll. Andererseits sorgt er im Sommer ganz pragmatisch für eine angenehme Verschattung der Eingangshalle. In Rotterdam konzipierte Anouk Vogel mit Johan Selbing die „Twin Bridges“ in einem Park nahe des kleinen Flughafens. Gestützt von jeweils einem künstlichen Felsen im Wasserlauf, gibt es eine Sommer- und eine Wintervariante der Balustrade – einmal mit dem Muster fragiler Blattskelette und einmal geschmückt von üppigem Blattwerk. Für Anouk Vogel bedeutet die internationale Aufmerksamkeit, die ihr zuteilwird, auch permanentes Reisen.

„Ich sollte mein Büro in Schiphol einrichten“, scherzt sie halb ernst, den internationalen Flughafen von Amsterdam sieht sie in letzter Zeit tatsächlich öfter als ihr Studio im Westhafen, übrigens ganz in der Nähe des „Silodam“ von MVRDV. In Stockholm entwirft sie ein Konzept für eine künstlerisch ausgestaltete Metrostation nahe des Hauptbahnhofes, und in London arbeitet sie gerade am privaten Dachgarten von einem der Gesellschafter des Design Museums. Man wird noch viel von ihr hören. Ganz egal, wie leise sie spricht.

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Autor:
Jan van Rossem
Fotograf:
Jan Kopetzky