Ausstellung Suggestive Kräfte

Ein Modell sagt mehr als tausend Bilder. Dem Architekten dient es zum Entwickeln seiner Idee, dem Bauherrn macht es das Projekt erlebbar. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Eine Ausstellung zeigt Meisterwerke der Miniatur-Baukunst.

Solche Effekte sollen gerade für Ausstellungen und Wettbewerbe gefertigte Modelle auch erzielen. „Sie sind ein Versprechen auf etwas, was es vielleicht niemals geben wird“, ordnet Kurator Oliver Elser die Bedeutung der Mini-Architekturen ein. Manche sollen durch ihre suggestive Kraft Aufträge ermöglichen, manche sind in erster Linie auf Förderung von Image und Prestige ausgelegt. Meist haben sie aber praktische und pragmatische Funktionen. Pritzker-Preisträger Gottfried Böhm hat ein Wettbewerbsmodell für Bundesbauten in Bonn eigenhändig aus Plastilin geformt.

Das Material ist sehr beliebt, weil es elastisch bleibt und immer wieder verändert werden kann. Allerdings bleibt auch jede Berührung sichtbar. Was zur Folge hatte, dass Jünger des Anthroposophen Rudolf Steiner bei manchen Modellen diskutierten, ob der Daumenabdruck des Meisters Absicht sei und deshalb auch in dem realen Bauwerk erscheinen müsse.

Einige Modelle sind auch verräterisch: Die Vision des Japaners Arata Isozaki „Cluster in the Sky“, eine baumartige Überbauung von Städten, war ein Vorpreschen in die Zukunft, aber gleichzeitig ein erstaunliches Verhaften in Traditionen, was Material (Holz) und Formen (Pagoden, Bäume, Zapfen) angeht.

Nicht gezeigt werden kann in der Ausstellung ein Modell für den deutschen Pavillon der Weltausstellung 1967 in Montreal. Frei Otto schuf dafür ein ganz besonders realistisches Objekt. Als Beweis, dass sein Entwurf möglich ist, errichtete er die Zeltkonstruktion im Maßstab 1:1. Sie kann nicht im DAM, aber immer noch auf dem Campus der Stuttgarter Universität besichtigt werden.

DAM, Das Architekturmodell – Werkzeug, Fetisch, kleine Utopie; 25.5.–16.9.2012

Weitere Infos unter www.dam-online.de

Autor:
Jan van Rossem
Fotograf:
Kai-Uwe Gundlach