Kultbauten im Ausverkauf Architektur-Ikonen

Ein Haus von Frank Lloyd Wright gefällig? Von John Lautner oder Craig Ellwood? Seit der Krise suchen in Kalifornien Dutzende Baudenkmäler der Moderne neue Besitzer – zu Dumpingpreisen.

Heute ist der 5580-Quadratmeter-Bau für sieben Millionen zu haben – plus rund zehn Millionen für weitere Renovierungen. Vor wenigen Jahren noch, als günstige Eigenheimkredite die Immobilienpreise aufpumpten, galt der trügerische Wertzuwachs vor allem für architekturhistorisch bedeutende Gebäude: Pierre Koenigs 1959 erbautes „Case Study House Nr. 21“ wurde 2006 von dem Auktionshaus Wright an eine japanische Kunstsammlerin für 3,2 Millionen Dollar verkauft – der zweithöchste Preis für eine versteigerte Architektur- Ikone. Teurer war nur Mies van der Rohes „Farnsworth House“, das 2003 bei Sothebys für 7,5 Millionen Dollar den Besitzer wechselte. Dann kam die Krise: Die luftige „Schaeffer Residence“ aus Rotholz und Glas, die John Lautner, bekannt vor allem durch sein ufoartiges „Chemosphere-House“, 1949 in einen Eichenwald in den Verdugo Mountains platzierte, sucht seit zwei Jahren einen Käufer – für nur 1,5 statt ursprünglich zwei Millionen Dollar. Noch vor drei Jahren riefen ihn Kunden aus aller Welt an, weil sie einen Lautner wollten – „but there wasn’t any!“, sagt der Makler Crosby Doe aus Beverly Hills, der 1974 sein erstes Neutra-Haus verkaufte.

„Heute verkaufen wir unbezahlbare Schätze zu Dumpingpreisen. Die Auswahl ist so groß wie in den 70er- Jahren.“ Auch Craig Ellwoods „Johnson Residence“ tauchte 2008 auf dem Markt auf, für 3,7 Millionen Dollar. Der Architekt hatte den lang gestreckten Bau 1953 in den Santa-Monica-Bergen mit grandioser Aussicht auf Los Angeles und das Meer errichtet. Heute soll er gerade mal 1,9 Millionen Dollar kosten. Selbst das sorgfältig restaurierte „How House“, das der Wiener Rudolph Schindler 1925 in dem Wohnviertel Silver Lake erbaute, traf ein radikaler Preissturz. Es fiel von fünf auf 1,5 Millionen Dollar. In der Rezession scheint der Wunsch nach einer soliden Investition größer als der nach einem bewohnbaren Kunstwerk. Wer dennoch mit dem Kauf einer Architektur-Preziose liebäugelt, sollte Geduld haben: Immobilienprofi Brian Linder schätzt, dass die Preise noch ein bis zwei Jahre weiter fallen – wie auch die Renovierungskosten. „Architekten und Designer gieren geradezu nach solchen Aufträgen und gewähren großzügige Rabatte.“

Info: thevalueofarchitecture.net, christiesgreatestates.com, crosbydoe.com, hiltonhyland.com. Ennis House: ennishouse.org

Autor:
Camilla Péus