Stadtplanung Buell-Hypothese

Die Immobilienkrise hat schwere Architekturprobleme sichtbar gemacht – ein Thema für Barry Bergdoll. Wir sprachen mit dem investigativen Chefkurator am New Yorker MoMA über City, Suburb und Stararchitekten.

City of Orange

In der City of Orange in New Jersey, ein Vorort von New York, machen Straßen ein Viertel der Stadtfläche aus. Michael Meredith und Hilary Sample von MOS füllen den Straßenraum mit Apartmenthäusern.

Die Konzepte der Forschungsteams für Randregionen der Metropolen in New Jersey, Kalifornien oder Florida nutzen die Buell-Hypothese der Columbia University, einer Untersuchung all der kulturellen Annahmen, auf denen der amerikanische Traum beruhte ... Ein komplexes Dokument mit zwei Hauptthesen. Erstens: Die große Herausforderung für Städteplaner ist nicht mehr wie in den 40er- und 50er-Jahren die Metropole mit ihren Slums. Deren Probleme, die Kriminalität, der Drogenkonsum, die Gewalt finden sich heute nicht weniger dramatisch ausgebildet in den Suburbs. Trotzdem beschäftigt sich kein politisches oder akademisches Programm damit. Noch vor Kurzem war es unvorstellbar, dass Rentner in die Metropolen zurück ziehen, heute ist es normal. Damit geht den Suburbs, so wie früher den Städten, Kapital verloren. Zweitens: Das amerikanische Expansionsmodell ist an seine Grenzen gestoßen. Bis ins 20. Jahrhundert hinein hat man Leuten im Westen Land zum Besiedeln gegeben. Dieser Pioniergeist bestimmt noch heute das Denken. Immer neue Autobahnen stoßen in unberührte Natur vor. Und wie bei einem Baum legt jede Generation einen neuen Wachstumsring um das urbane Zentrum. Die Megaregion zwischen der City und „Exurb“, dem letzten Ring, ist die Problemzone.

Wie verändert man einen Traum, der so sehr Teil der nationalen Identität ist? Bauunternehmer sprechen nicht von Häusern, sondern von Wohnprodukten. Ihr bestes Werbemittel ist das Einfamilienhaus mit Spitzdach auf sattem grünem Rasen. Geschäfte sind von Wohngebieten strikt getrennt, selbst wenn man als Folge davon eine Meile für einen Liter Milch fahren muss. Mit realen Bedürfnissen hat das wenig zu tun. Schon deshalb wird den Besuchern von „Foreclosed“ das eine oder andere Wohnmodell gefallen und damit ein Anfang gemacht.

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Autor:
Claudia Steinberg
Fotograf:
James Ewing, MOS Architects, Robin Holland, Studio Gang Architects, WORKac