Casa C: Neues Wohnen, maximaler Süden

Es ist eine minimalistische Architektur, die mit der Sonne und wilden Natur im Südosten Italiens ihre große Wirkung erzielt –das Casa C im Salento.

Das Meer ist immer anwesend. Auch wenn die Küste ein paar Kilometer entfernt liegt, taucht sie im Haus auf. Im ebenerdigen Wohnbereich rahmt eine große Fensterfront einen Olivenhain, der sich im unendlich scheinenden Horizont verläuft. Bis weit aufs Ionische Meer, das man beim Panoramablick aus dem Inneren erahnt, draußen auf der Terrasse beim Einatmen zu spüren glaubt und im oberen Stockwerk sogar erspäht – durch Luken im Bad, die wie die Bullaugen eines Dampfers das Ozeanblau einfangen.

Mit klarer, transparenter Quader-Bauweise und lichtgefluteten Räumen hat das Studio Luca Zanaroli Architects ein Gebäude geschaffen, das auf dem weitläufigen, sieben Hektar großen Gelände ein klares Statement setzt, sich aber gleichzeitig stark zurücknimmt. Kein Widerspruch beim Casa C.  Es ist ein Neubau an einem menschenleeren wilden Flecken nahe der Stadt Manduria im Salento, der südöstlichen Spitze des italienischen Stiefels. Platziert wurde er auf dem Grund eines in den Siebzigerjahren errichteten, zuletzt völlig verfallenen Bungalows. Die vorherige Wohnfläche wurde um rund 35 Prozent erweitert. Dennoch wirkt Casa C luftig und fügt sich stimmig in die urtümliche Landschaft, die einer touristisch wenig erschlossenen Gegend der 100 Kilometer langen und 40 Kilometer breiten italienischen Halbinsel liegt. 

Apulische Tradition, lokale Handwerker

Das Baurecht in der zu Apulien gehörenden Provinz Tarent erlaubt den Abriss unter der Voraussetzung, dass beim Neubau ortsübliche Materialien verwendet sowie Vorgaben der Umweltverträglichkeit erfüllt werden. „Es ist meine feste Überzeugung, dass jede Architektur einen starken Bezug zur Umgebung haben muss“, betont Luca Zanaroli, dessen Büro in Bologna ansässig ist. Der Architekt hat schon etliche vergleichbare Projekte – Umbauten wie neue Objekte – in Apulien umgesetzt. Seine ausgewiesene Ortskenntnis sowie ein Netzwerk lokaler Betriebe und Handwerker, auf das er mittlerweile zurückgreifen kann, waren entscheidend beim Auftrag eines ökologisch orientierten Unternehmerpaares aus München.

Casa C verfügt über zwei Ebenen, die mit Präzision und Klarheit sowie im Dialog mit den natürlichen Gegebenheiten angelegt worden sind. Für die Wände wurde Tuffstein verwendet. Die Quader mit ihrer erdigen Färbung und dem vulkanischen Ursprung harmonieren mit dem Lehmboden und führen zugleich apulische Bautradition in einen modernen Kontext über. Andere Wände bestehen aus Beton, auf die in Handarbeit eine weiße Gipsschicht, erinnernd an die traditionsreichen Trulli-Rundhäuser in der Region, aufgetragen wurde. Dieses Wechselspiel gibt der strengen Geometrie eine Struktur, nimmt ihr auch Schwere. Die hellen Kalkstein-Bodenfliesen stammen aus Ostuni. Formen, Dimensionen und Farben – alles zusammen wirkt inmitten schattenspendender Olivenbäume, eingetaucht in das gestaltende, mediterrane Licht, äußerst authentisch.

Freies Spiel für die Kräfte der Natur

Die untere Ebene ist der transparent angelegte Wohnbereich mit großen Glasflächen, die ein Maximum der Umgebung ins Innere ziehen. Wenige puristische Möbel setzen Akzente, einige davon wurden vom Architekten selbst entworfen – wie beispielsweise ein großer Eichentisch. Der obere Bereich mit Schlafzimmer und großzügigem Bad dient dem privaten Rückzug. Zum Norden hin wirkt Casa C einschließlich einer Außenküche geschlossener und schützender, die Südseite öffnet sich ganz dem Garten, Olivenhain, dem schmalen Pool, der sich mit seiner blau schimmernden Klarheit harmonisch ins Bild fügt. Luca Zanaroli: „Im Salento entwickeln der Himmel, das Wasser und das Licht ihre eigenen Kräfte, und diese lasse ich überall ins transparente Bauvolumen eindringen.“

Lebenstraum im Olivenhain

Vom Weg abgekommen, ein neues Zuhause gefunden: Der Bayer Hanspeter Quodt und seine Ehefrau Elke waren vor wenigen Jahren im Salento unterwegs, um hier lebende Freunde aus Deutschland zu besuchen. „Wir haben uns sofort in die Gegend verliebt, und bei der Suche nach einem Grundstück sind wir glücklicherweise auf Luca Zanaroli gestoßen.“ Dessen Expertise und Ortskenntnis sowie das gemeinsame Ziel einer respektvollen, die Natur einbeziehenden Bauweise sei entscheidend gewesen, die Ideen für Casa C gemeinsam zu entwickeln. Das Ehepaar nutzt inzwischen den vollständig erhaltenen Hain mit alten, knorrigen Olivenbäumen für die Produktion eines zertifizierten Bio-Öls. Hanspeter Quodt: „Mit Lucas Hilfe haben wir nicht nur ein Haus bekommen, sondern einen aufregenden Lebenstraum verwirklicht.“