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Holen Sie sich hier einen Vorgeschmack der Themen der aktuellen A&W Printausgabe oder werfen Sie einen Blick in ältere Ausgaben. Als zusätzlichen Service zum Magazin haben wir für Sie zusätzliche Infos und Links zu den Storys gesammelt. Verpassen Sie zudem auch nicht den exklusiven Ausblick auf das kommende Heft.

 

 

AW-Ausgabe 04/2018

Die Menschen verbindet seit jeher eine eigenartige Sehnsucht nach Wasser. Das Element, aus dem Neugeborene zu etwa 75 Prozent bestehen und von dem wir circa zwei Liter pro Tag zum Überleben und 122 Liter zum Leben benötigen, zieht uns magisch in den Bann. Völlig zu Recht, werden Wissenschaftler einwerfen, denn flüssiges Wasser kommt in unserem Sonnensystem nur hier auf der Erde dauerhaft, in riesigen Mengen und direkt an der Oberfläche vor. In den Weiten des Alls sucht man händeringend danach, gilt es doch als Grundvoraussetzung allen Lebens. Nicht mal auf der Erde können sich Planetenforscher die Existenz solcher Massen erklären: Man ist sich einig, dass es zu Zeiten der Erdentstehung viel zu heiß dafür gewesen sei.

Wie auch immer Wasser hierherkam, ich bin am Ufer eines kleinen Flusses aufgewachsen, der Trave, die durch die schleswig-holsteinische Schweiz mäandert, um sich irgendwann in Travemünde, nomen est omen, bei Lübeck in die Ostsee zu ergießen. Ich war in der Schule immer fasziniert davon, wie dieser doch recht bescheidene Strom einst der Hauptstadt der Hanse ihren Aufstieg zu florierendem Seehandel ermöglichte.

Es gibt kein Element, dass das Bauen und unsere Städte nachhaltiger geprägt hat und immer noch prägt. Denn abgesehen davon, dass man für den wichtigsten Baustoff dieses Planeten, Beton, pro Kubikmeter ebenfalls rund 180 Liter Wasser benötigt, habe ich nur zu gut die Fernsehbilder des Tsunamis von Japan aus dem Jahr 2011 im Kopf, Folgen des verheerenden Tohoku-Erdbebens und des Tsunamis von Thailand aus dem Jahr 2004. Denn in Wahrheit liegen dem Reiz des Lebens am Wasser auch immer seine von ihm ausgehende Gefahr und die Unberechenbarkeit seiner ungeheuren Kraft zugrunde. Dafür muss man nicht erst seinen privaten Wellnesstempel mit Sandstein auslegen, der ja eigentlich verkitteter Meeressand ist. Heute leben rund eine Milliarde Menschen innerhalb von 20 Metern über dem Meeresspiegel, unterhalb von fünf Metern werden es bis Ende des 21. Jahr- hunderts rund 500 Millionen Menschen sein. Schanghai, Hongkong, Tokio, New York, London, Hamburg – bei einem Anstieg des Meeresspiegels um nur fünf Meter, würde die Erde aus dem All fast identisch aussehen, aber ein Großteil unserer Kulturen wäre versunken und höchstens sagenumwoben wie einst Platons Atlantis. Da helfen dann nur noch trocken formulierte Verse eines Rainer Maria Rilke: "Vorüber die Flut. Noch braust es fern. Wild Wasser und oben. Stern an Stern." Ich wünsche eine anregende Lektüre – an welchem Strand auch immer Sie sich diesen Sommer ein paar Tage Erholung gönnen.

ausgabe 03/2018

Bis zum Jahr 2050 werden über zwei Drittel der Weltbe- völkerung in Städten leben, so Prognosen. Das muss nichts heißen, Urbanität ist ein großartiger Schmelztiegel der Kreativität und der Kulturen, kurze Wege sparen Energie und verhindern die Zersiedelung der Landschaft. Und Städte sind praktisch: zum Flughafen mit der U-Bahn, in den Club zu Fuß, mit Lastenfahrrad und Kids in die Kita. Aber: In Schanghai lagen die Immobilienpreise im letzten Sommer bei rund 11 000 Euro pro Quadratmeter, in New York bei 990o. Mein chine- sischer Chefredakteurskollege bei Robb Report berichtete neu- lich, dass in den Toplagen Schanghais auch schon mal 30000 Euro pro Quadratmeter hingeblättert würden. Wer den größeren Zusammenhang sieht, wundert sich demnach nicht, warum wohlhabende Ausländer lieber in Berlin-Charlottenburg wohnen als im smogverpesteten Peking. Auf- grund der Macht des Faktischen müsste man dann nicht erst Stardesigner Piero Lissoni (ab Seite 96) in seinem Landhaus in der Maremma besuchen oder Avantgarde-Architekt Peter Haimerl, der im bayerischen Wald einen der besten Konzertsäle der Welt baute (ab Seite 26). Die Provinz kommt gestalterisch richtig in Fahrt. Aber könnte es vielleicht auch sein, dass ein zusätzlicher Boom des Ländlichen selbst ohne Preisexplosion in den Städten kurz bevorsteht? Ich gestehe offen, dass mich in das Kleinstädtchen Bad Segeberg, in dem ich aufgewachsen bin, vor allem meine Mutter zieht und ihr hingebungsvoll gepflegter Garten. Ich wage mich jetzt dennoch mal vor: All die Nachteile, die man auf dem Land heute täglich erlebt, könnten in wenigen Jahren schlicht nicht mehr existieren: Fangen wir mit schnellem Internet an, spätestens mit dem neuen Mobilfunktstandard 5G verfügt jeder Handybesitzer ab dem Jahr 2020 über die zehnfache Datengeschwindigkeit von LTE. Pendler werden bereits ab 2019 morgens mit autonom fahrenden Autos der Stufe 3 Zeitung lesen können. Ab circa 2025 wird die Bürofahrt mit Autonomie-Level 4 dann bereits als reine Arbeitszeit genutzt werden. Die Firma Baufritz bietet derzeit schon energieautarke Häuser an. Und Amazon liefert testweise im englischen Cambridgeshire Waren mit Drohnen aus. Das Onlinevideo amzn.to/primeair mag 1000 Betrachter verängstigen, aber 19-mal mehr Menschen gefällt es. Wir sind dem Traum vom Schlaraffenland aus Hans Sachs’ gleichnamigen Märchen, das Pieter Bruegel der Ältere 1567 als Öl- gemälde festhielt, ziemlich nahe. Die Lebensmittel, die dort von rotierenden Platten direkt in die Bauernmünder fallen, kommen demnächst direkt aus dem Himmel und heißen TacoCopter. Insofern rate ich zu radikalen Gedan- ken, zum Beispiel an ein Häuschen im Grünen. Viel Spaß bei der Lektüre! 

 

 

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architekturundwohnen

Von allen Erfahrungen, die uns unsere Umwelt und im speziellen Architekturen erlebbar machen, erscheint mir die Wirkung des Lichts im Raum die grundlegendste. Was sich wie eine Binsenweisheit liest, ändert nichts an ihrer fundamentale Bedeutung. Mir wurde das über den Jahreswechsel auf einer Hundeschlittentour durch Nordnorwegen eindrucksvoll bewusst. Zehn Tage ging es im Halbdunkel des Polarwinters über das Eis, das erste Sonnenlicht beschien mich erst im aufsteigenden Flieger zurück nach Oslo. Die Wirkung der elektromagnetischen Strahlung, die alles Leben auf unserer Erde ermöglicht, war so gleißend und überwältigend, dass ich minutenlang die Augen nicht abwenden konnte. Umgekehrt ergeht es uns oft bei guter Architektur. Solange die Lichtführung sorgfältig geplant wurde, nehmen wir sie als selbstverständlich wahr, stimmt das Licht nicht, fühlen wir uns unbewusst unwohl. Ich bin zum Beispiel in einem SplitlevelBungalow der späten siebziger Jahre groß geworden, mit Fenstern bis zum Boden. Nicht mal Heizkörper verstellten dank Fußbodenheizung den Blick nach draußen. Als ich zum Architekturstudium nach Berlin in eine winzige Altbauwohnung zog, brauchte ich Monate, um mich mit den Mauselochfenstern abzufinden. Noch heute kann ich kaum in sonnenarmen Räumen leben. Wir brauchen manchmal Veränderung, um das Wesentliche wieder erkennen zu können. In diesem Sinne ist auch unser neues Logo zu verstehen, das wir über ein Jahr lang entwickelt haben. Nach 18 Jahren haben wir uns dazu entschlossen, mehr Licht auf unsere Cover-Motive zu lassen und unserem Logo „AW“ mehr Raum zu geben. Dabei beziehen wir uns mit den feinen Serifen auf dem „A“ und dem „W“ auf unsere ganz frühen Ausgaben, als der älteste deutsche Wohntitel noch „Architektur und kultiviertes Wohnen“ hieß. Dass wir auch im 61. Erscheinungsjahr noch kultiviert genug sind, um Sie zu inspirieren, bitte ich Sie nun dringend durch Nachlesen zu überprüfen. Vielleicht sind ja sogar einige erleuchtende Momente dabei in unserer Ausgabe mit dem Schwerpunktthema Licht. Schreiben Sie mir gern Ihre persönliche Meinung zum neuen Titel der „AW Architektur & Wohnen“ unter joern.kengelbach@awmagazin.de

 

 

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aw-ausgabe-0118

Achtzehn Jahre sind eine lange Zeit. Die Generation der Millennials, die in diesem Jahr ihre Volljährigkeit erlangt, ist die erste in der Geschichte, die nicht mehr ohne Internet aufgewachsen ist. Nach 18 Jahren ein erfolgreiches Magazin wie AW Architektur & Wohnen neu zu gestalten, ist ein mutiger Schritt. Die Digital Natives, die ihre Wohnungen auf Pinterest und Facebook präsentieren, etablieren aber derzeit eine komplett neue Bildsprache und Ästhetik, die uns alle angeht. Millionen Menschen folgen Bloggern mit ihrem sehr menschlichen, sehr persönlichen Ansatz. Diese Haltung wollen wir in die AW hineinholen und haben uns daher für eine Neugestaltung entschieden, fern von menschenleerer, dokumentarischer Architekturästhetik, fern von zu viel Beton und weißen Wänden. Denn Wohnen ist etwas extrem Emotionales und Individuelles – mein Heim, meine vier Wände, mein Rückzugsort. Die meisten Wohnmagazine feiern einen unsinnlichen und uniformen Stil. Wohnungen gleichen Klosterzellen. Wir fragen uns: Wird da wirklich gerne gelebt? Dabei geht es doch um so viel: von den Grundbedürfnissen des Menschen nach Geborgenheit, der Kultur des Zusammenlebens weit hinein in die hochaktuelle Diskussion, wie sich Gesellschaften ändern. Nirgendwo zeigen sich Umbrüche stärker als beim Zusammenleben. Wir leben in einer Übergangszeit, einer Zeit des Mischens von Stilen, das Sampling gibt den Takt des Lebens vor. Streng Minimalistisches, verrückt Dekoratives und Alltägliches dürfen heute ungestört nebeneinanderstehen. Fest steht: Wohnstile müssen sich unseren Lebenswelten anpassen und nicht umgekehrt. Das impliziert die Frage, wie wir in Zukunft leben wollen. Wir wollen den Blick erweitern und nicht noch fachlicher werden: Mit rein architektonischen Begriffen kommt man im digitalen Zeitalter, in dem bis hin zur Waschtoilette alle Lebensbereiche miteinander vernetzt werden, nicht mehr zurecht. Wir haben uns daher – neben einem Heftthema als Auftakt im vorderen Teil – für die fünf Kapitel „Design & Handwerk“, „Architektur & Raum“, „Wohnen & Stil“, „Garten & Landschaft“ sowie „Reise & Inspiration“ entschieden. Diese folgen der Logik des Titels AW Architektur & Wohnen. Wir wollen näher ran an den Menschen und die Objekte. Wir wollen sehen, wie Menschen leben und das Leben feiern. Wir lieben die ganze Welt des Wohnens und bieten dafür seit 60 Jahren Raum für Inspiration. Viel Spaß bei der Lektüre. Schreiben Sie mir gerne Ihre Meinung unter joern.kengelbach@awmagazin.de

 

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A&W Architektur & Wohnen 5/2017

Wenn Sie 60 Zeilen hätten, auf denen Sie der Welt Ihr Bild von Deutschland mitteilen könnten, was würden Sie schreiben? Und ich meine nicht daheim, sondern an prominenter Stelle gedruckt wie hier. Ich denke dabei auch nicht an soziale Medien wie Facebook, wo alles so herrlich vergänglich und nur wie Randnotizen zur großen Geschichte scheint, an der jeder so ein bisschen mit herumdoktert. Wenn Sie auf den Punkt kommen müssten, ohne groß daherzureden, das meine ich.

Was hat das mit Architektur & Wohnen zu tun? Wir haben uns mit dieser Ausgabe dem Thema Deutschland gewidmet und internationale Gestalter um ihr Bild von unserem Land und unserer Kultur gebeten. Denn die Sprache des Architekten sind seine Gebäude, die des Designers seine Möbel oder Räume. Und jedes Gebäude, jeder Entwurf, der umgesetzt wurde, ist wie diese 60 Zeilen, eine klare Aussage zu einem Thema. Manches ist vielleicht beliebig, anderes großartig, aber alle Kreativen müssen sich am Ende an realen Projekten messen lassen. Das macht Designer und Architekten offen für Kritik, und insofern ist diese Ausgabe ein Spiegelbild unserer Gesellschaft – wir sind kritikfähig. Schaue ich mir diese Heftproduktion dahin gehend genauer an, stelle ich fest, dass ich gerührt bin. Überlegen wir doch ein paar Sekunden lang: 60 Jahre gibt es dieses Magazin nun, wer hätte 1957 zu träumen gewagt, wie Deutschland heute dasteht? Wie charmant, wie inspirierend Deutsche in aller Welt und daheim die Kultur des Bauens beflügeln. Wie weit sind wir gekommen! Mein Großvater zog als Ingenieur mit dem Westwall in Frankreich – anteilig – wahnwitzige Bunkeranlagen hoch, mein Kollege Jan van Rossem traf in einem zum Museum umgebauten deutschen Bunker in Dänemark den Architekten Bjarke Ingels und sprach mit ihm über Sinnlichkeit. Als stamme die geplante Riesenkanone, die dort 1945 errichtet werden sollte, aus einem anderen Erdzeitalter. Noch kurz vor der Wende 1989 fuhr ich mit der Straßenbahn durch das graue Ostberlin, nach stundenlangem Warten am Grenzposten. Unsere Autorin Franziska Klün reiste nun – selbstverständlich – quer durch die Republik und hat in 60 Stationen viel über das Land und seine Manufakturen und Handwerker in unserem Sonderheft für Sie festgehalten. Mitte der Neunzigerjahre stand ich im tiefsten Winter als junger Architekturstudent in den Fundamenten des Berliner Stadtschlosses und hielt alles noch Ersichtliche mit einem Bleistift für die Nachwelt fest. Zurzeit werden die letzten Fassadenelemente für den Wiederaufbau angebracht, der bald ein Museum beherbergen wird.

Ich spüre tiefe Dankbarkeit, aus einer Gesellschaft hervorgegangen zu sein, die aus einer der größten Niederlagen von Moral und Anstand sich daran gemacht hat, Menschlichkeit zu schaffen. Diesen Geist atmet für mich jede Seite dieses Magazins. Diesen Geist zu bewahren, ist aber auch Verpflichtung. Was wären Ihre 60 Zeilen? Ich wünsche angenehme Lektüre.

Ihr Joern Kengelbach

PS

Unser Sonderheft „Deutschlandreise“ ist durchaus wörtlich zu nehmen. Aus den 60 Themen ergeben sich vier Reiserouten, aufgeteilt nach den vier Himmelsrichtungen, natürlich inklusive spannender Design-Hotels und passender Restaurants. Wir wünschen viel Spaß beim Neu-Entdecken des eigenen Landes!

A&W Architektur & Wohnen 4/2017
Was macht gutes Wohnen heute aus? Die Frage stellte sich mir dieses Frühjahr, während die Redaktion mit mir über den Salone del Mobile in Mailand hastete. Zum Sinnieren bleibt auf der wichtigsten Möbelmesse der Welt eigentlich wenig Zeit, es gilt der Treppenwitz, dass es auf dem von Massimiliano und Doriana Fuksas entworfenen Gelände zwar alles gebe, was Designfans begeistere, nur eben keine Sitzmöbel für eine Pause zum Nachdenken. Dennoch kam mir dieser Gedanke, da ich zeitweise gar nicht mehr das Gefühl hatte, auf einer Messe für Wohnen zu sein, sondern eher auf einer für Objekteinrichter. Also all jener, die Hotels, Apartment- und Bürokomplexe planen und einrichten. Ich war einigermaßen überrascht. Ist gutes Wohnen heute ein fix und fertig möbliertes Hotelzimmer? Auf der Suche nach Antworten entdeckte ich nur sehr wenige klassische Einzelmöbel, dafür viele „Lösungen“, wie es so mancher Pressesprecher umschrieb. Man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Zeiten des Objektes, das den Raum definiert und alle Blicke auf sich zieht, irgendwie schon lange untergegangen waren. Das Möbel selbst scheint heute nur noch ein Nebendarsteller auf einer größeren Bühne zu sein. Aber wer ist der Hauptdarsteller? Im Gegensatz zu früher scheint irgendwie jedes Objekt heute alles können zu müssen. Da sah man gläserne Kleiderschränke, die zugleich als Vitrinen oder selbst leuchtender Raumteiler dienen, oder mit Sitzkissen beladene Sofas, die funktional irgendwo zwischen Lümmelecke, beweglicher Lounge und Daybed mäandrieren. Umgeben von hohen Zimmerpflanzen hatte ich das Gefühl, in einen riesigen Wohnzoo geraten zu sein. Die schönen Tiere, die waren allerdings verreist (bis auf das Eisbärensofa „Pack und Chiara“ von Francesco Binfarè für Edra).

Eine konkrete Antwort auf die eingangs gestellte Frage erhielt ich dann vor zwei Wochen bei einer Stippvisite in dem von Patricia Urquiola eingerichteten Fünfsternehotel „il Sereno“ am Comer See, eine Art ge stapelter Barcelona-Pavillon. Neben dem phänomenalen Ausblick überraschte mich die sehr gelungene Gesamtkomposition der Zimmer. Ich fühlte mich wirklich zu Hause. Mir wurde klar: Es geht gar nicht so sehr um ein Leben wie im Hotel, sondern es muss das ausgewogene Raumkonzept sein, das diesen Eindruck hervorrief. Einzelmöbel fügten sich hier eher wie Schmuckstücke in eine gute Garderobe ein. Daher widmen wir diese Ausgabe und unser Magazin in Zukunft verstärkt solchen Konzepten und wollen aufzeigen, wie guter Wohnstil im Detail wirklich geht. Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.

Ihr Joern Kengelbach

PS In unserem Special finden Sie trotzdem noch Designikonen: 60 Möbelklassiker aus 60 Jahren Architektur & Wohnen. Neu gesehen hat sie die in Mailand lebende Illustratorin Karin Kellner, die – ausgerüstet mit einem Filzstift – wie eine japanische Kalligrafin versucht hat, diese Objekte auf ihr Wesen zu reduzieren. Was macht einen Klassiker zum Klassiker? Gehen Sie mit uns auf Entdeckungsreise.
A&W Architektur & Wohnen 3/2017
In letzter Zeit wurde ich tatsächlich häufiger gefragt, warum ich mir das antue. Ja, Sie haben richtig gelesen. Warum ich mir die Chefredaktion von Architektur & Wohnen auch noch antue. Jetzt nicht gleich lachen. Das ist eine ernst gemeinte Frage. Dazu sollte ich allen, die es nicht wissen, erklären: Ich betreue in derselben Funktion bereits den Titel Robb Report, ein multithematisches Luxusmagazin, das es seit 40 Jahren in den USA gibt und nun auch in Deutschland. Normalerweise gilt man in der Medienbranche mit einer Chefredakteursstelle als ausgelastet, ich darf nun zwei spannende Titel betreuen. Was auch die eingangs gestellte Frage beantwortet: Denn ich empfinde es als großes Privileg, für die älteste deutsche Zeitschrift zum Thema Bau- und Wohnkultur arbeiten zu dürfen. In den vergangenen sechzig Jahren haben vier Generationen von Chefredakteuren diesen Titel mit einer hierzulande einzigartigen Mischung von Architektur-, Wohn- und Gartenthemen geprägt. Zuletzt Barbara Friedrich mit Gabriele Thiels, denen ich hier dafür einmal ganz besonders danken möchte. Sie haben aus diesem Titel gemacht, was er heute ist: das große deutsche Magazin für Baukultur und Wohninspiration.

Und ich empfinde es auch als Verpflichtung. Wozu sonst hätte ich, vor meiner Zeit als Redakteur, mal ein komplettes Architekturstudium absolviert und mich dafür nächtelang über Entwürfe gebeugt, um diese (mit Bleistift) auf Papier zu bannen? Für mich schließt sich hier ein Kreis.

Die Redaktion und ich sind daher sehr gespannt, wie Ihnen das Magazin in Zukunft gefallen wird. Wenn Sie sich jetzt fragen, was wir ändern wollen, kann ich Sie beruhigen: zunächst einmal wenig. Denn was es seit 60 Jahren gibt, kann so schlecht nicht sein. Es gibt nicht viele Titel, die schon verlegt wurden, als Le Corbusier und Ludwig Mies van der Rohe persönlich am Zeichenbrett standen. Wir werden daher sehr behutsam an die Arbeit gehen und versuchen, uns noch besser auf Ihre Wünsche einzustellen. Das Bedürfnis, individuell und kultiviert zu wohnen, ist in Zeiten von explodierenden Wohnkosten, Megacitys und zunehmender Alltagsmobilität jedenfalls drängender denn je.

Dazu freue ich mich über Ihr Feedback, gerne an mich persönlich unter joern.kengelbach@awmagazin.de. Keine Scheu, ohne Kritik kann keiner besser werden. Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.

Ihr Joern Kengelbach

PS: Sie wollen Ihr Bad umbauen? Im Special zu dieser Ausgabe finden Sie die 150 besten Badstudios in Deutschland und die wichtigsten Neuigkeiten von der Frankfurter Messe ISH – seien es Duschen mit Soundsystem, sensorgesteuerte Wasserhähne oder Washlets mit Sitzheizung.
A&W Architektur & Wohnen 2/2017

Ob man auf 2000 Quadratmetern wohnt oder auf 30: Stil ist keine Frage von Größe, sondern von Persönlichkeit.

Falls Sie, wie ich, in Ihrer Schulzeit lausig in Mathe waren und überhaupt ein natürliches Misstrauen gegen die Macht der Zahlen haben, der sich so viele unterwerfen, dann kann ich Sie trösten. Zahlen sind nicht alles. Zumindest nicht beim Wohnen. Dass sie in dieser Ausgabe dennoch so gehäuft auftreten, ist dazu kein Widerspruch, sondern hat Methode. Weil gerade sie zeigen: Stil ist keine Frage von Größe. Ein elegantes Ambiente kann man genauso gut auf 2000 Quadratmetern schaffen (das macht Interiordesigner Jean-Philippe Demeyer in seinem Wasserschloss bei Brügge) wie auf 30 (so lebt der Vintage-Händler Hugues Magen in New York). Demeyer wohnt in einem tollen Rausch aus Farben, Mustern, Materialien; in Magens winzigem Apartment dagegen wirkt jedes Möbel wie in einer weitläufigen Galerie. Stil ist eine Frage von Persönlichkeit – der Menschen wie der Räume. Es kommt darauf an, beides in Einklang zu bringen. Wie das gelingen kann, zeigen die Häuser und Wohnungen, die wir hier vorstellen.

Und, wo ich schon dabei bin: In Vaux-le-Vicomte, dem Inbegriff des französischen Barockgartens und Vorbild für Versailles, hebelt der subjektive Eindruck die Macht der Zahlen aus. Kurz und rasch zurückzulegen scheint dort der zentrale Weg zwischen Schloss und Wassergrotte. Eine optische Täuschung. Tatsächlich ist der Weg einen guten Kilometer lang – wie ich, neben vielem anderen, aus dem Beitrag meiner Kollegin Elke von Radziewsky gelernt habe. Er liest sich wie ein guter Roman.

Die neue Bleibe des Design Museums London hat Jan van Rossem besucht, Ressortleiter für Architektur und Design. Dass das einstige Ausstellungshaus des „Commonwealth Institute“ von dem Minimalisten John Pawson umgebaut wurde, sei eine „Triple-win-Situation“ für Gebäude, Museum und Besucher, wie er schreibt. Zugegeben: Manchmal sagen Zahlen auch alles. Ich wünsche Ihnen einen schönen Frühling.

HERZLICHST, IHRE GABRIELE THIELS

PS: Im Special zu dieser Ausgabe kochen wir ganz groß auf und servieren Ihnen die neuen Küchen in ihrer ganzen Materialvielfalt, dazu die aktuellen Geräte, Design- und Planungstipps vom Experten – und eine Ode an den Kühlschrank. Lassen Sie es sich schmecken!

A&W Architektur & Wohnen 1/2017

A&W wird 60 – und ist zeitlos und zeitgemäß zugleich: ein Klassiker, der in die Zukunft weist.

Was machen Sie so beruflich?“ – „Ich arbeite bei A&W Architektur und Wohnen.“ – Breites Lächeln: „Oh. Was für eine schöne Aufgabe!“ – Noch breiteres Lächeln: „Ja. Sehr schön sogar!“ Diese Situation, sie passiert mir regelmäßig, gebe ich hier auch stellvertretend für meine Kollegen, unsere Vorgänger und Vorvorgänger in der Redaktion wieder. Denn in ihr steckt die Essenz dessen, was den Erfolg des Magazins seit 60 Jahren ausmacht. Ja, A&W feiert Jubiläum in diesem Jahr! Darauf sind wir stolz, denn es zeigt, dass diese Zeitschrift zeitlos und zeitgemäß zugleich ist, ein Klassiker, der in die Zukunft weist. Woran das liegt? An der Kompetenz und Erfahrung, die die ehemaligen und aktuellen Mitarbeiter mit großer Kontinuität aufgebaut haben – auch, weil der Verlag dazu stets den Rahmen geboten hat. Es liegt auch an einem untrüglichen Stilgefühl, das man nicht erlernen, aber in das man hineinwachsen kann. Am Ende aber ist A&W, wie so viele Qualitätsprodukte, ein Werk der Liebe. Wir lieben einfach, was wir tun. Dem Magazin – und offenbar auch unseren Gesichtern – ist die Freude anzusehen, mit der wir dabei sind. Umso mehr wollen wir sie in diesem Jahr mit Ihnen teilen. Mit unserer Jubiläumsserie, die in jedem Heft mit einem Essay in die Zukunft blickt, sei es die des Wohnens, der Architektur, der Gärten. Mit der Geburtstagsausgabe im Herbst und natürlich auch schon in diesem Heft: Wir zeigen an Häusern in Utrecht, London und Italien, welche Interiortrends uns erwarten und feiern die Elbphilharmonie, die in diesen Tagen eröffnet und Hamburg prägen wird wie kein Bau seit Fritz Högers Chilehaus. Übrigens: Der A&W-Designer des Jahres 2017 ist auch ein Klassiker, der in die Zukunft blickt: Alessandro Mendini, Grandseigneur der postmodernen Gestaltung, ist noch mal 25 Jahre älter als A&W – und kann sich vor Arbeit kaum retten. Ich freue mich auf ein wunderbares Jahr mit Ihnen.

HERZLICHST, IHRE GABRIELE THIELS

PS: Das Special, das dieser Ausgabe beiliegt, hat schon jetzt das Zeug zum Sammlerstück. Es wurde vom A&W-Designer des Jahres 2017 Alessandro Mendini persönlich gestaltet. Überraschend und erfrischend präsentiert er darin sich selbst und die Arbeiten, die in seiner langen Laufbahn als Designer und Architekt entstanden sind: eine Ausstellung zum Blättern
 

A&W Architektur & Wohnen 6/2016
Allen Sammlern gemeinsam ist, dass sie sich mit ihren Schätzen umgeben wollen. Nur wie, das ist verschieden.

Es gibt vieles, was einen Sammler zum Sammler macht. Die Leidenschaft für schöne Dinge etwa, sie besitzen, anfassen, benutzen zu können und alles über sie in Erfahrung zu bringen. Auch Jagdlust gehört dazu, die Freude am Herzeigen oder Systematisieren. Und egal, ob eine Kollektion nun eher von einer ausgeprägten Anlage zum Spezialistentum oder von Verrücktheit im besten Sinne getragen wird – gemeinsam ist allen Sammlern, dass sie sich mit ihren Schätzen umgeben wollen. Wie unterschiedlich das aussehen kann, zeigen die „Schatzhäuser“ und ihre Bewohner, die wir Ihnen in dieser Ausgabe vorstellen. Unsere Beispiele aus Mainz, Mailand, Brüssel oder Krems öffnen jedes einen anderen privaten Kosmos, und jeder ist auf seine Weise inspirierend. Gerade jetzt, wo die Tage länger werden.

Als Rückzugsangebot verstehen wir die ganze Ausgabe – sei es durch die neuen weichen Samt- und Wollstoffe in warmen Farben, die wir inszeniert haben, sei es durch den Beitrag über die modernen, radikalen Villen, die Rückzugsort und Architekturlabor gleichermaßen sind. Selbst den Herbstspaziergang können Sie sich sparen – dank der malerischen Novemberstimmung, die in der Geschichte über den Privatgarten des großen Staudenzüchters Karl Foerster nahe Berlin herrscht.

Und ich bin überzeugt: Unter den Geschenkvorschlägen, die wir für Sie zusammengestellt haben, könnte bestimmt das eine oder andere Stück eine neue Sammelleidenschaft auslösen …

Mit Leidenschaft gelebt und gearbeitet hat Christa von Hantelmann, die 24 Jahre, von 1969 bis 1993, Chefredakteurin von A&W Architektur & Wohnen war und danach noch einmal fast genauso lange die Herausgeberin. Die gelernte Tischlerin und studierte Innenarchitektin war schon eine Powerfrau, als es den Begriff noch gar nicht gab. Mit Stilsicherheit und einem untrüglichen Gespür für Opulenz und „Schmelz“, wie sie es nannte, gab sie dem Magazin A&W ein Profil, das noch heute gültig ist. Zugleich zog sie ihre vier Kinder groß, die Familie ging ihr über alles. Ihre Energie war bisweilen beängstigend, ihre Begeisterung ansteckend, und noch bis vor wenigen Jahren nahm sie regelmäßig an unseren Redaktionskonferenzen teil. Die bereicherte sie mit ihrem großen Wissen und würzte sie mit wunderbar trockenen Bemerkungen. Am 22. September ist Christa von Hantelmann im Alter von 88 Jahren gestorben. Wir werden an sie denken.

HERZLICHST IHRE GABRIELE THIELS

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