Thierry Metroz über perfekte Proportionen in Paris

Paris ist ein Zentrum für Design, Mode, Architektur und Kunsthandwerk – und eine unerschöpfliche Inspirationsquelle für Kreative wie den Chefdesigner Thierry Metroz der jungen Pariser Premiummarke DS Automobiles. Er nimmt uns mit auf eine spannende Tour durch die Metropole und erklärt anhand der neuen Limousine DS 9 seine Leidenschaft für perfekte Proportionen.

"Der Goldene Schnitt ist das ideale Prinzip ästhetischer Proportionierung und sehr wichtig für mein Design."
Thierry Metroz

Thierry Metroz ist seit acht Jahren Chefdesigner der jungen Pariser Automobilmarke DS Automobiles. Für das Design der Premium-Limousine „DS 9 E-Tense“ hat sich Metroz auf die seit der Antike bekannte Gestaltungsregel des Goldenen Schnittes bezogen.

Paris: Stadt der Präsidenten-Gebäude

Paris gilt als die Stadt der Kunst, der Gastronomie und der Luxusmode, steht aber auch für Handwerkskunst und Design. Fast jeder französische Präsident verewigte sich mit mindestens einem Architekturtempel, der oft seinen Namen trägt: das Centre Pompidou, die Bibliothèque Nationale de France – Site François Mitterrand oder das Musée du quai Branly – Jacques Chirac. Giscard d’Estaing hat Paris drei Bauten zu verdanken: 

  • das Musée d’Orsay, 
  • die Cité des sciences et de l’industrie
  • und das Institut du monde arabe. 

Und Nicolas Sarkozy begann die Planung des Grand Paris als Vision einer klimafreundlichen Metropole

„Ein Dekor, das mich inspiriert“

Thierry Metroz, Chefdesigner von DS Automobiles und Schöpfer der Premium Limousine „DS 9 E-Tense, zeigt uns Orte in Paris, die ihn faszinieren. Wir treffen ihn am Place Vendôme bei Breguet, einem der ältesten Uhrmacher Frankreichs. In dem Museum im ersten Stock steht eine Guillochage. An diesen Maschinen werden seit dem 16. Jahrhundert die „Clous de Paris“ gefertigt: Hunderte Mini-Pyramiden in Oberflächen von Zifferblättern gestanzt. „Das ist ein Dekor, das mich inspiriert. Ich möchte dieses Handwerk bewahren helfen, indem ich die ,Clous‘ in mein Design integriere“, sagt Thierry Metroz, dessen Nähe zum Kunsthandwerk sich mit seinem Studium an der ENSAMAA in Paris erklärt, der Hochschule für angewandte Kunst und Kunsthandwerksberufe.

Stöbern in Fotobänden und Architekturbüchern

Wir gehen weiter zu der Bücherei Galignani auf der Rue de Rivoli. Wo früher Autos im Endlosstau standen, sind heute – bis auf Busse und Taxen – nur Fahrräder unterwegs. Man spürt die Entschleunigung, erlaubt sich Blicke nach oben und erlebt einen Wow-Effekt: Wie sich die Haussmann-Gebäude gegenüber der Samaritaine in der wellenförmigen Glasfassade der Architekten von SANAA spiegeln, ist grandios! Im Galignani von 1801, dem ältesten Bookshop für englische Literatur in Europa, arbeiten wir uns durch Fotobände, Architektur- und Geschichtsbücher. „Ich suche immer Neues zur römisch- griechischen Antike“, erzählt Thierry Metroz. „Meine absolute Passion!“

Zeitgenössische Kunst: „Man liebt oder hasst die Werke!“

Es geht weiter zur Pinault Collection. Das kreisförmige ehemalige Getreidesilo aus dem 18. Jahrhundert, das erst 1812 mit einer Glaskuppel verschlossen und 1889 zur Handelsbörse wurde, hat Tadao Andō für den Kunstsammler François Pinault zu einem privaten Museum umfunktioniert. „Der innere Ring aus Beton, den Andō implantierte, ist zugleich majestätisch und simpel. Er respektiert das alte Gebäude ebenso wie die ausgestellten Kunstwerke“, findet Thierry Metroz. 

Im Herzen des Marais befindet sich in einem Stadtpalais aus dem 17. Jahrhundert die Direktion der Ateliers de France: ein Zusammenschluss von knapp 40 internationalen Kunsthandwerksbetrieben, die das Savoir-faire und die „excellence“ des 17. und 18. Jahrhunderts bewahrt haben und für Luxushotels und Boutiquen ebenso gestalten oder restaurieren wie für den Élysée-Palast oder das Château de Versailles.

Im Keller des Ateliers Mériguet-Carrère

An den Wänden des imposanten unterirdischen Saals hängen vier Meter hohe Tapisserien, an denen fünf Kunstmaler auf Leitern arbeiten. Die handbemalten Trompe-l’OEil-Tapeten sind für die Oper in Kiew vorgesehen. Wie Collagen hängen und stehen überall Fragmente vergangener Arbeiten. Claire, die kleine Lederstücke für das Kopfteil eines Bettes per Hand minutiös vergoldet, sieht darunter fast verloren aus. 

Zu Besuch bei einer Freundin

In einem Hinterhof im 6. Arrondissement versteckt sich die Strohmarketerie-Werkstatt von Lison de Caunes. Mit Tausenden von eingefärbten Halmen, die aufgeschnitten und geglättet werden, veredelt sie Möbel, Lampen, Wandpaneele oder kleine Objekte. „Seit Jean-Michel Franks oder André Groults Kreationen während des Art déco war diese Technik fast verloren gegangen“, erzählt Lison de Caunes. Sie half diese wiederzubeleben und arbeitet mit Thierry Metroz unter anderem daran, die Strohmarketerie in das aktuelle Konzeptfahrzeug, den „DS Aero Sport Lounge“, zu bringen. 

Mix aus Art, Design und Fashion

Nach so viel Kunsthandwerk steht modernes Design auf dem Plan: der Boon_Room nahe derBastille und die Manufacture im 9. Arrondissement. Beide Stores zeichnet ein Mix aus Art, Design und Fashion aus. Beide setzen ihre Produkte in Bildern in Szene, als seien sie bereits in den Wohnzimmern ihrer Kunden, sie rücken Authentizität und eine persönliche Vision ihrer Designer in den Vordergrund, sie verbinden Transparenz in der Herstellung und eine zeitlose Ästhetik mit einer nachhaltigen, hohen Qualität. „Das sind alles Attribute, die mich begeistern“, sagt Thierry Metroz.

Wir fahren in den Parc de la Villette zur Philharmonie de Paris

Aluminium, das die Außenhaut des 52 Meter hohen Gebäudes bekleidet, flimmert im Licht. „Neben der Tatsache, dass ich ein Fan von Jean Nouvel bin, ist dieses Gebäude eine architektonische Heldentat mit seiner beeindruckenden Komposition aus verformten Metallteilen, die das Licht auf außergewöhnliche Weise einfangen und reflektieren“, erklärt Thierry Metroz. Der Konzertsaal ist für bis zu 3600 Personen der größte in Paris. Er wurde noch unter Chirac geplant, aber erst 2015 von François Hollande eingeweiht.

Ganz in der Nähe ist noch ein Relikt von Mitterrands Symbolbauten zu bestaunen, das unberechtigterweise in Vergessenheit geraten ist: La Géode. Die Kugel besteht aus exakt 6433 Dreiecken aus poliertem Stahl und wurde von dem Architekten Adrien Fainsilber 1985 fertiggestellt. „Der absolute Goldene Schnitt!“, kommentiert Metroz, dem diese Theorie als ideales Prinzip ästhetischer Proportionierung für sein Design des „DS 9“ besonders wichtig war. In der Kugel befindet sich ein Kino mit einer 1000 Quadratmeter großen Leinwand. 

Kunterbunter Basketballplatz

Ein Beispiel für urbane Konzepte, die nah an den Bürgern sind, sehen wir in Pigalle. Es ist ein Viertel, das früher wegen seiner vielen Sexshops verrufen war. Die sieht man noch vereinzelt, aber für Pariser wie Touristen anziehend sind die berühmten Cabarets wie das Moulin Rouge, die vielen Nachtclubs und Bars. Und mittendrin, eingezwängt zwischen zwei Häusern, als sei eine Baulücke in geometrischen Formen bunt bemalt worden: der Pigalle Duperré Basketball Playground. „Das ist genau das, was ich liebe! Noch vor allen anderen Formen von Kunst. 

Hotel- und Restaurant-Tipps

  1. Saint James Das Château-Hotel von 1892 mit 50 Zimmern und Suiten, Restaurant, Spa und Privatclub wurde gerade von Laura Gonzalez modernisiert. In der Library-Bar (im Foto) kann man lunchen oder sich abends Cocktails von Mathieu le Feuvrier mixen lassen.
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  2. Septime Hochwertige Küche, der Rahmen schlicht im Bistrostil: Der Chef Bertrand Grébaut hatte sich bereits im Agapé einen Michelin-Stern erkocht. Seine Tandoori-Masala-Jakobsmuscheln mit Kürbis sind „to die for“!
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  3. Hôtel National des Arts et Métiers Besticht durch innovative Architektur von Raphael Navot und Naturmaterialien: Terrazzo, Stahl, Massivholz, Naturstein. Die Rooftop-Terrasse bietet einen fantastischen Blick über die Stadt. Das Hotel ist eines der wenigen in Paris mit Eco-Label.
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