Die vierhändige Gestaltung Ein Möbel wie ein Freund

Ihr Studio gleicht einer Rockband. Sagen sie. Sie hätten auch gute Schauspieler abgegeben. Finden sie. Sie vergleichen sich mit dem Fuchs und Igel eines philosophischen Essays. Und sie unterhalten sich mittels ihrer Zeichnungen, die als Inspirationsquellen in die Fotos dieser Produktion projiziert wurden. Die beiden bretonischen Brüder Ronan und Erwan Bouroullec sind A&W-Designer des Jahres 2013.

Wann sind sie überzeugt? Was macht gutes Design aus? „Man muss die Intensität des Objektes spüren, die Konzentration des Wesentlichen“, sagt Ronan, „es muss den Betrachter für sich gewinnen. Es braucht Charme.“ Erwan grübelt noch ein wenig. Sein Ergebnis: „Und Kultur! Es muss ein gutes Auftreten haben.“ Das kann man wohl als einstimmig bezeichnen. „Ein Möbel“, ergänzt Ronan, „sollte sein wie ein guter Freund, den man nach Hause einlädt.“

Sie sind sich sehr ähnlich und gleichzeitig total verschieden. Selbst haben sie sich einmal als Fuchs und Igel bezeichnet, nach einem Essay des britischen Philosophen Isaiah Berlin. Der Fuchs weiß von vielen Dingen etwas. Der Igel nur von einer Sache. Davon aber richtig. Das ergänzt sich prima. So spornen sich der Fuchs Ronan und Erwan, der Igel, immer wieder an, finden die Lösungen auf ganz unterschiedlichen Wegen. Erwan vertraut auf ihr Prinzip „trial and error – mittlerweile ganz souverän“. Ronans Antrieb: „Ich bin immer unzufrieden. Aber kein Perfektionist! Perfektion interessiert mich nicht.“ Charme interessiert ihn.

Noch eine Frage: Was wäre eigentlich Erwan geworden, wenn er nicht seinem Bruder in dessen Designstudio gefolgt wäre? Erwan grübelt, dann erhellt sich seine Miene: „Ich habe mal mit Kids gearbeitet, die waren sechs, sieben Jahre alt. Wir haben Drachen gebaut. Das Leuchten in ihren Augen, dass wir etwas erschaffen haben, das fliegen kann, das vergesse ich nicht.“ Kurzes Insichgehen. „Vielleicht so was.“ Etwas schaffen, das Menschen Freude macht, kleinen und großen. Für dieses Ziel sind die beiden Brüder auf einem guten Weg.

Autor:
Jan van Rossem
Fotograf:
Jonas Unger, Oliver Schwarzwald