A&W Designer des Jahres 2006 Ein netter Designer

Der Italiener entwirft Sessel, die sich selbst entfalten, Regale in Menschengestalt, Möbel aus Filz und Sofas wie einen Sonnenuntergang über New York, wo er lebt. Für fast vierzig Jahre Materialforschung und seine phantasievolle Formensprache erhält er den Ehrenpreis A&W-Designer des Jahres 2006. Eine Inszenierung seines Werkes und ein Porträt - in 21 Akten.

EIN NETTER DESIGNER

 

„Ich habe eine Stehleuchte entworfen, die sieht aus wie eine menschliche Figur. Für Singles gedacht. Wenn die abends nach
Hause kommen, gibt ihnen die Leuchte das Gefühl, nicht allein zu sein.“

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VORFREUDE

Er geht auf die 70 zu und schaut gnadenlos optimistisch nach vorne. „Ich habe großes Vertrauen in die Zukunft. Wer sich vor der Zukunft fürchtet, wird alt. An Städten und Ländern kann man das gut sehen: Venedig altert. Sie glauben dort nicht an die Zukunft. Sie bauen nichts Fortschrittliches, nur rückwärts Gewandtes.“ Und erst einmal in Schwung findet er: „Italien insgesamt altert.“ 

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SCHOCKWIRKUNG

„Wenn ich morgens die Zeitung lese und schockiert bin über die Nachrichten, kann es passieren, dass ich meine Gefühle in Design umzusetzen versuche. Praktische, funktionale Aspekte sind eigentlich nie der Antrieb.“ Das sieht man.

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EIN LOB DER TRADITION

Nur beim Essen ist Gaetano Pesce konservativ. Sein Lieblingsrestaurant liegt an der 7th Avenue in Chelsea: „Le Zie“ (Die Tanten). Der Name bürgt für bodenständige italienische Kochtradition. Hier lässt sich Pesce von Patron Claudio verwöhnen. Und vermisst Italien überhaupt nicht.

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AUS DEN AUGEN, AUS DEM SINN

Oft gibt es von Gaetano Pesces Entwürfen nur Prototypen und aufwändige Entwurfsgemälde in Kunstharz. Gaetano Pesce verdient gutes Geld mit dem Verkauf solcher UNIKATE. Sammler zahlen stolze Preise dafür. Zum Glück. Sind die Modelle erst mal aus dem Haus, vergisst Pesce die Arbeiten verdient gutes Geld mit dem Verkauf solcher UNIKATE. ganz schnell. Leider. So wird nie ein Produkt daraus. Pesce ist schon längst wieder mit neuen Projekten beschäftigt.

 

Autor:
Jan van Rossem
Fotograf:
Christian Grund