Audi Mentorpreis by A&W 2010 Ihr Atelier

Algen, Kuhmägen, alte Knochen: Julia Lohmann entdeckt die Schönheit in Dingen, die andere eklig und wertlos finden. Mit ihren Objekten untersucht sie unser Verhältnis zur Natur – und erweitert so die Gesetze der Gestaltung. Deshalb erhielt die in London lebende deutsche Designerin den Audi Mentorpreis by A&W 2010.

Ihr Atelier

 

In ihrem Atelier türmen sich derzeit Kartons mit getrockneten Algen, Direktimporte aus Japan. Dort hatte sie während eines Stipendiums die Pflanze für ihre Arbeit entdeckt: billig, schnell nachwachsend und nützlich als natürlicher Wasserfilter, ist es ein Material mit Zukunft. Man muss es nur zu nutzen wissen. Julia Lohmann hat Leuchten daraus gemacht und experimentiert zusammen mit den Werkstätten Hellerau daran, die Halme wie Möbelfurnier zu verwenden.

In der Ecke stehen ein paar quer durchgeschnittene Knochen, braun vom Sediment der Themse, in der sie wohl 150 Jahre lagen, bis die Gezeiten sie an den Strand spülten und Julia Lohmann sie fand. Jetzt dienen sie, perfekt poliert, als kleine Vasen. „Ich frage mich, warum man mit Elfenbein arbeitet, wenn man so wunderschönes Material hat“, sagt sie. Die Serie wurde im Dezember 2009 auf der Messe Design Miami gezeigt. Dort kam die Designerin mit einem Besucher ins Gespräch, sie zeigte ihm ihre Projekte auf ihrer Website. Auch „Alien Archeology“. „Ach, Sie waren das!“, rief der Mann. „Mein Sohn war damals dabei. Sein Fundstück hütet er bis heute wie eine rare Kostbarkeit.“ Es wird wohl ein Multi-Controler gewesen sein.

 

Autor:
Gabriele Thiels
Fotograf:
Muir Vidler