Mentorpreis by A&W 2006 Lebensmittelpunkt Berlin

Die Produkte von Designerin Masayo Ave überzeugen nicht nur durch Haptik und Persönlichkeit, sondern auch durch ihren Sinn für Natur. Die A&W Mentorpreisträgerin 2006 studierte und arbeitete zuvor als Architektin bis sie 1990 nach Mailand ging, um ein zehnmonatiges Aufbaustudium in Industriedesign zu absolvieren.

Weil sie nicht ein Jahr lang ständig zwischen Mailand und Berlin pendeln wollte, machte sie sich auf die Suche nach einer Bleibe in der Hauptstadt. Sie musste zentral sein („ich fahre nicht Auto“), aber ruhig, versteckt und grün. Nach drei Tagen hatte sie das Gebiet eingekreist: das sogenannte Hansaviertel im nördlichen Tiergarten in der Nähe der Siegessäule. 1957 haben hier Stararchitekten aus aller Welt für eine Architektur-Weltausstellung Prototypen von modernen Mietshäusern hingestellt, darunter auch der Brasilianer Oscar Niemeyer einen achtstöckigen Mietquader auf diagonalen Stelzen.

Der Aufzug fährt in einem frei stehenden dreieckigen Schacht und hält nur im fünften und im achten Stock. Im fünften hat Masayo Ave ein Dreizimmerapartment für sich und ihre 13-jährige Katze Ciyorin gemietet. „Ich war mir zuerst nicht sicher, ob ich in Berlin leben wollte. Als ich in den Räumen stand, spürte ich: Ja!“ Die Wohnung ist gerade mal 15 Gehminuten von der UdK entfernt. Dort widmet sie sich ihrem Ziel, gefühlvolles Design zu erschaffen. „Der Tastsinn bei vielen Menschen ist degeneriert. Das liegt daran, dass Kindern immer verboten wird, irgendetwas anzufassen“, empört sie sich. „Das ist, als würde man einem Hungrigen eine leckere Speise zeigen, ihn daran riechen lassen, ihm aber verbieten zu essen.“

Für ihre Designprojekte studiert sie vor allem die Natur. Alles in der Natur habe einen Sinn, glaubt sie. Sie versucht, natürliche Prozesse sinnvoll nachzuahmen, sie zu beherrschen und auf ihre Objekte anzuwenden. Auf Spaziergängen durch den Tiergarten bewundert sie rindefreie Äste, denen Trockenheit bizarre Risse zugefügt hat. „Eine schöne Struktur“, findet sie, „zur Nachahmung nicht geeignet. Der Prozess lässt sich nicht kontrollieren.“ Andere schon: Erfolgreich hat sie mit Beton experimentiert, ein Verfahren angewandt (nicht neu, aber geheim), das kleine Löcher in der Oberfläche hinterlässt. Wie bei Steinen aus dem Meer.

Autor:
Jan van Rossem
Fotograf:
Angela Bergling, PR-Bilder