Mentorpreis by A&W 2006 Von Architektur zu Design

Die Produkte von Designerin Masayo Ave überzeugen nicht nur durch Haptik und Persönlichkeit, sondern auch durch ihren Sinn für Natur. Die A&W Mentorpreisträgerin 2006 studierte und arbeitete zuvor als Architektin bis sie 1990 nach Mailand ging, um ein zehnmonatiges Aufbaustudium in Industriedesign zu absolvieren.

Die 44-Jährige hat Architektur studiert an der Hosai-Universität in Tokio. Sie arbeitete in ihrer Heimatstadt vier Jahre als Architektin, bevor sie 1990 nach Mailand ging, um ein zehnmonatiges Aufbaustudium in Industriedesign an der Domus Academy zu absolvieren. Aus zehn Monaten wurden 16 Jahre und aus der Architektin eine Designerin. „Keine große Umstellung“, behauptet sie. „Nur der Maßstab ist etwas kleiner.“ Für internationale Auftraggeber, vor allem aber für ihre eigene Firma „MasayoAve creation“, entwirft sie seither Wohnobjekte. Für Authentics eine 20 Teile umfassende Serie von Badezimmerutensilien, für Industrielle aus Frankreich ein Tablett mit rosa Stellflächen, die Wasser in durchsichtigen Gläsern gefärbt erscheinen lassen. Mehrfach ausgezeichnet wurden ihre Entwürfe, darunter die von ihr selbst vertriebenen modularen Sofaelemente „Block“. Präzise geschnittene quaderförmige Blöcke in verschiedenen Breiten aus schwarzem Polyesterschaum. „Eigentlich ein unsinnliches Material. Aber als Sofa wird es dein Freund.“

Einen Lampenschirm hat sie entworfen aus orangefarbenem Kunststoff, der normalerweise als Filtermaterial eingesetzt wird. „Wenn man das Zeug zieht und quetscht, nimmt es plötzlich tierische Formen an. Nur so für sich ist es nichts“, doziert sie. Das ist ihr Trick: Sie findet Sachen und manipuliert sie. In ihren Händen bekommen die Dinge Leben, Emotion, Persönlichkeit. „Das macht ihren Charme aus.“ Einer ihrer meistpublizierten Entwürfe ist eine dekorative Halskrause aus Polyesterchiffon, die an ein Farngewächs erinnert. Die zierliche, immer freundlich lächelnde Designerin, die ihre hüftlangen, pechschwarzen Haare zu einem festen Knoten zusammengebunden hat, führt vor, wie flexibel das Kleidungsstück ist. Sie nutzt es wie eine Stola oder einen Kragen und kann es auch als Kapuze über den Kopf ziehen. Für die blätterähnlichen Auswüchse werden kleine Stoffteile herausgezogen, in sich gedreht und erhitzt. Die Form bleibt nach dem Waschen erhalten. „Design ist ein Update der Lebenskultur“, lautet ihr Wahlspruch.

Ein Update wünscht sich auch der japanische Elektronikriese Yamaha und engagierte Masayo Ave zu Beginn des Jahres 2006 als Design-Direktorin für elektronische Musikinstrumente. Projekte sind noch streng geheim. Anfang 2008 präsentiert sie erste Ergebnisse. Viel Zeit für Freizeit bleibt da nicht. Braucht sie auch nicht. Sie bringt es auf eine einfache Gleichung: „Masayo minus Design minus Katze ist gar nichts!“ Life is work. Ihre Anwesenheit im Yamaha Design Center in Japan wird demnächst häufiger notwendig sein. Also wird Masayo Ave ihre neue Wahlheimat ziemlich oft verlassen müssen. Dass sie wiederkommt, ist aber wohl sicher. Ihr neues Zuhause scheint so etwas wie ein Fixpunkt in ihrem Leben zu sein: 1986 war sie auf einer Studienreise schon einmal in Berlin. Beim Umzug von Mailand hat sie eine Mappe mit Aufzeichnungen wiedergefunden. Darin war unter anderem ein Stadtplan. „Ich wusste das gar nicht mehr. Ich habe damals ein Kreuz genau an der Stelle gemacht, wo ich jetzt wohne.“ Das muss wohl so ein Gefühl gewesen sein.

Autor:
Jan van Rossem
Fotograf:
Angela Bergling, PR-Bilder