Audi Mentorpreis by A&W 2011 Interview Teil 3

Oskar Zieta trifft Audi Designchef Stefan Sielaff. Beide arbeiten mit Blech. Der eine, Stefan Sielaff, ist für das Erscheinungsbild der Audi-Flotte zuständig. Der andere, Oskar Zieta, bläst es auf und formt so leichte, aber sehr stabile Möbel – und wurde von dem A&W-Designer des Jahres, Tokujin Yoshioka, für den Audi-Mentorpreis by A&W nominiert. In Ingolstadt tauschten sie Erfahrungen aus.
Interview Teil 3

Design ist also eher eine Ingenieursleistung, denn ein freier künstlerischer Schaffensprozess? SIELAFF: Anders als viele Klischees behaupten, geht es im Design nicht um spontane Ideen, die schnell auf Papier skizziert sind und dann in die Produktionsabteilung weitergereicht werden. Design besteht wie die Kunst aus 10% Inspiration und 90% Transpiration. Die leichte Muse, die der kreativen Welt gerne angedichtet wird, ist in Wirklichkeit harte Arbeit. Hinzu kommen in der Autoindustrie eine Reihe recht komplexer Zusammenhänge zwischen Karosserie, Technologie und Innenraum. Die Gestaltung muss sehr viele Voraussetzungen berücksichtigen – Gesetzesvorgaben, technologische Prämissen, aerodynamische Regeln, Kopfeinstiegsmaße und vieles mehr. Manchmal machen unsere Designer Witze und vergleichen den Gestaltungsprozess mit dem Malen nach Zahlen für Kinder. Wir müssen so viele festgelegte Punkte einhalten, dass es fast ein Wunder ist, dass sich Autos heute noch unterscheiden und dass sich eigenständige Markenbilder entwickeln lassen.

OSKAR ZIETA: Das Malen nach Zahlen erkenne ich auch in meiner Arbeit wieder. Schöne Formen und tolle Ideen spielen dabei nur am Rand eine Rolle. Eigentlich ist das Aufblasen von Blechen eine relativ langweilige Angelegenheit – die Arbeit selbst besteht primär in der Prozesskontrolle. Da wir noch relativ spontan arbeiten, könnten wir gerade in diesem Punkt sicher einiges von Audi lernen. Schließlich ist die Strukturierung von Arbeitsprozessen nicht unwesentlich im Design.

Gibt es ein Geheimnis guten Designs? SIELAFF: Es zeigt sich immer wieder, dass Dinge, die leicht und selbstverständlich aussehen, am schwierigsten zu gestalten sind. Das macht die Qualität der Arbeiten von Oskar Zieta aus: Seine Objekte wirken selbstverständlich, obwohl ein komplexes Verfahren hinter ihnen steckt. Genialen Dingen sieht man oft nicht an, dass sie in harter Arbeit entstanden.