A&W Designerin des Jahres 2000 Die ersten Produkte

Sie ist eine moderne Nomadin und verknüpft Erfahrungen aus Ost und West zu einem multikulturellen Stilmix. Für ihre gestalterische Weitsicht wählte die Redaktion Paola Navone zum A&W-Designer des Jahres 2000.
Die ersten Produkte

Ihre ersten Produkte richteten sich gegen das intellektuelle italienische Design und wurden von der feinen Mailänder Design-Community schnöde abgetan: schmiedeeiserne Betten, Rattanstühle in matten Gewürzfarben, weißgekalkte Schränke, mit eisernen Nägeln beschlagen, großkarierte Sessel, gemütlich wie ein Großmutterschoß. Mit Mondo hat Paola Navone den Landhaus- und den Ethnolook vorweggenommen, der in den folgenden Jahren eifrig kopiert und blendend verkauft wurde. „Die Leute“, davon ist sie überzeugt, „wollen nicht darüber nachdenken, was dieser und jener Sessel über ihre Persönlichkeit aussagt. Sie wollen einfach einen bequemen Sessel mit Wärme und Charakter haben“ – Möbel für Leib und Seele.

Schon ihre erste Mondo-Kollektion hieß ganz entspannt und selbstironisch „Déjàvu“. In der Tat sehen ihre Möbel immer aus wie alte Bekannte, auch wenn man sie noch nie gesehen hat. Es ist, als ob Paola Navone einen tiefen Griff in das Möbellager des kollektiven Unbewussten getan hätte. Ihre Design-Revolution bestand in der Abschaffung einer erkennbarem Handschrift, in einer Liebeserklärung an überliefertes Handwerk, einem unbekümmert globalen Mix, in einer neuen Bescheidenheit der Formen und des Materials. So lebhaft, soe einnehmend Paola Navone in ihrer Koboldhaftigkeit ist: Selbstdarstellung ist ihr fremd, als Name auf einem Etikett bekannt zu werden interessiert sie nicht. "Ich verstehe die Leute nich, die nach Designernamen kaufen. Wenn ein Ding ein Label hat, ist das für mich schon fast ein Grund, es nicht zu kaufen. Es sei denn, das Schild lässt sich mit einer Nagelschere raustrennen." Sie zupft achtlos an ihrem T-Shirt. Ihre Möbel gleichen solchen T-Shirts, sind Basics, von denen kaum einer weiß, wer sie hergestellt hat.

Der Abend ist vorbei, und zumindest für heute hat sich die Navone-Doktrin durchgesetzt: nicht reden, fachsimpeln, sondern leben. In ihrem winzigen Gästezimmer unterm schiefen Balkendach schläft es sich wie damals beim Zelten in Griechenland, dieser tiefe, zufriedene Schlaf nach zu vielen Sardinen und zu viel Wein.

Autor:
Meike Winnemuth
Fotograf:
Maria Vittoria Backhaus