A&W Designerin des Jahres 2000 Zweiter Versuch

Sie ist eine moderne Nomadin und verknüpft Erfahrungen aus Ost und West zu einem multikulturellen Stilmix. Für ihre gestalterische Weitsicht wählte die Redaktion Paola Navone zum A&W-Designer des Jahres 2000.
Zweiter Versuch

Zweiter Tag, zweiter Versuch. Aber erstmal auf einen Capuccino und ein Brioche in die Bar, fordert sie. Eine letzte kleine Flucht: Sie hat wirklich keine Lust über sich zu sprechen. "Wen soll das interessieren?" stöhnt sie. Sie habe nicht die geringsten mütterlichen Gefühle für ihre Entwürfe, sagt sie. "Ich kann mich nun wirklich nicht mit einem Aschenbecher identifizieren. Der ist doch kein Ausdruck meiner Persönlichkeit." Gibt es denn einen Paola Navone-Stil? Langes Schweigen. Nein, den könnte sie wirklich nicht beschreiben. Von den grellbunten Comicmöbeln für Alchimia über den ländlichen Chic von Mondo bis hin zu den hochmodernen Stühlen aus Aluminium und Rohleder-Geflecht für Gervasoni - ihr Stil ist das Missing-Link, vereint alle Gegensätze, Kopf und Hand, Technik und Natur, Stadt und Land, Ost und West. In ihrem viel gepriesenen "Andaman" zum Beispiel, einer mächtigen Insel von einem Bett, paart sich die strenge japanische Rahmenform in Tatami-Maß mit einer westlich weich gefederten Matratze - das Beste zweier Weltern in perfekter Harmonie.

Für Paola Navone liegen diese Welten gar nicht so weit auseinander. "Ich sammle zum Beispiel chinesische Keramik der Liao-Dynastie, um das Jahr 1000. Wer sich da nicht auskennt, würde schwören, das sei provenzalisch, 18. Jahrhundert. Mich faszinieren solche Korrespondenzen, die anzudeuten scheinen, wie Ideen um die Welt reisen." Sich selbst betrachtet sie als eine Art Katalysator für diese umherschweifenden Ideen. "Mein Kopf ist eine globale Müllhalde, alles liegt darin wild durcheinander. Ich überlege nie, was ich davon hervorholen will. Es ist Zufall, was gerade an die Oberfläche steigt."

Keinerlei Sendungsbewusstensein treibt sie. Nie entwirft sie aus purer Schaffensfreude, immer nur im Auftrag einer Firma. Dann aber kriecht sie so tief unter die Haut ihrer Klienten, dass die sich völlig wiederfinden in ihrem Entwürfen. Gervasoni und Orizzonti vertrauen ihr so sehr, dass sie ihr die kreative Alleinherrschaft übertragen haben.

Autor:
Meike Winnemuth
Fotograf:
Maria Vittoria Backhaus