Mentorpreis by A&W 2004 Öffentlicher Raum

Ron Arad (A&W-Designer 2004) nominierte Thomas Heatherwick fü den Mentorpreis by A&W, weil der so spektakuläre Möbel und Räume schafft wie sein Mentor. Und Recht hatte er: Heute zählt Heatherwick zu den bedeutendsten Designern Großbritanniens.
Öffentlicher Raum

Aus der ist Thomas Heatherwick kaum noch wegzudenken, seine Arbeiten sind an zahlreichen öffentlichen Plätzen zu sehen. Im Science Museum wird das „Materials House“ ausgestellt, eine schwungvoll geformte Materialschau in 213 Schichten – aus Kunststoffen, Hölzern, Papieren, Steinen, Gummis, Gläsern und Recyclingstoffen. Und am Paternoster Square, in der Nähe der St.-Pauls-Kathedrale, hat er für ein unterirdisches Elektrizitätswerk Lüftungsschächte entworfen, deren skulpturale, an riesige Flügel erinnernde Formen durch Faltstudien an einem Blatt A4-Papier entstanden sind. Ganz und gar neu muss sein, was Thomas Heatherwick entwirft, denn „Gestaltung hat viel mit Erfindungen zu tun“, sagt er. „Leider kann man Erfindungen nicht studieren. Am nächsten kommt dem noch das Fach Design.“ Also schreibt er sich drei Jahre für „3D Design“ am Manchester Polytechnic ein und besucht weitere zwei Jahre das Royal College of Art in London, wo er Interesse für Architektur entwickelt. Zum Abschluss seines Studiums entwirft und errichtet er einen in sich gedrehten Pavillon. Maßstab eins zu eins. Er besteht aus einer Aluminium- und Holzstruktur.

Ein durchsichtiges, geneigtes Dach geht in die Fassade über. Nie zuvor hat ein Student der Hochschule ein reales Gebäude geschaffen. Bedeutend für Heatherwicks Zukunft ist, dass die „Hat Hill Sculpture Foundation“, eine renommierte Stiftung, das Werk für ihren Skulpturenpark in Sussex erwirbt. Mit dem Erlös kann der Jungdesigner sein erstes Studio anmieten und ausstatten. Inzwischen beschäftigt Heatherwick elf Mitarbeiter: Architekten, Landschaftsgestalter, zu denen auch seine Freundin Maisie gehört, Statiker, Designer, Computergrafiker. Heatherwick betätigt sich mehr und mehr als Moderator des kreativen Prozesses und als Präsentant nach außen. In einer ruhigen Seitenstraße im Londoner Stadtteil Kings Cross hat er vor vier Jahren ein neues, größeres Studio bezogen. Graue kalte Tage wirken im unspektakulären Kings Cross noch ungemütlicher. Drinnen weicht jede düstere Stimmung positiver Energie: Zwei Mitarbeiter starren konzentriert auf ihre Monitore, der Rest des Teams ist unterwegs. „Alle auf verschiedenen Baustellen“, erklärt Heatherwick. Leises Klicken der Computermäuse unterbricht die Stille. Assistentin Kirsten sitzt auf einem roten Gymnastikball in ihrem tortenstückförmigen Räumchen und erledigt Korrespondenz. Auf der Galerie hängen gerahmte Relieflandkarten: Fundstücke seiner Sammelleidenschaft. „Man kann die Länder spüren, wenn man mit der Hand über Berge und Täler streicht“, erklärt Thomas Heatherwick seine Begeisterung.

Autor:
Jan van Rossem
Fotograf:
John Davis