A&W-Designer des Jahres 2011 Seine Philosophie

Er entwirft Möbel - unsichtbar wie Luft, Sessel wie Bienenwaben, Installationen wie ein Wolkengebilde: Die Arbeiten des Japaners sind inspiriert von Naturphänomenen. Tokujin Yoshioka ist der A&W-Designer des Jahres 2011
Seine Philosophie

Das ist seine Design-Philosophie: Die Natur als Inspirationsquelle benutzen, austüfteln, wie viel Faltung die Wabenstruktur aus Papier benötigt, um das Gewicht eines ausgewachsenen Menschen auszuhalten. Tokujin Yoshioka versteht sich weniger als Produktdesigner von Gebrauchsgegenständen denn als Forscher, als Ingenieur, als Vermittler von Gestaltung. In den vergangenen Jahren ist er zu einem Star der internationalen Designszene avanciert, entwirft Möbel für Avantgarde-Hersteller wie Cassina, Driade, Kartell, Moroso und Vitra.

Er wird von Toyota und BMW engagiert, um deren Ausstellungsarchitektur auf den großen Automessen zu inszenieren. Für Hermès gestaltet er Schaufenster, für Cartier einen Parfümflakon, Leuchten für die Crystal Palace Collection von Swarovski – und für deren Wiener Flagshipstore entwarf er „Shimmering Lake“, eine Wand aus Tausenden Metallplättchen, die sich computergesteuert bewegen und wie eine Wasseroberfläche Licht, Wind und Wellen spiegeln.

Seine Ausstellungen während der Möbelmesse „I Saloni“ in Mailand sind seit Jahren die spektakulärsten: die Wandlandschaft aus Zigmillionen unterschiedlich langen Plastik-Strohhalmen, die er zusammen mit einer Handvoll Studenten 2007 im Showroom von Moroso arrangierte – und die den eigentlichen Schaustücken, den Möbeln, die Show stahl; seine „Eiskristalle“, die er 2009 für eine Ausstellung von Swarovski in einem Aquarium künstlich züchtete; die riesigen „Schneeflocken“, die eher wie gläserne Strohsterne als weithin sichtbares Gebilde 2010 im Schaufenster von Kartell hingen, wo sie die „Invisibles“ versteckten, seine Möbel aus kompaktem, durchsichtigem Polycarbonat, das nie zuvor so verarbeitet wurde – Kunstobjekte.

Etwas Überraschendes gestalten, das Sitzen „wie auf der Luft“; einen „Regenbogen“ in einem Stuhl und einen „Wasserfall“ in einer Bank aus Prismaglas einfangen; einen „Tornado“ zitieren wie 2007 in der Inszenierung des Chaos mit zwei Millionen Plastikröhrchen auf der „Design Miami“-Kunstmesse oder „Schneefall“ imitieren mit 400 Kilo rhythmisch aufgewirbelten Gänsefedern hinter einer transluzenten Wand im Mori Museum in Tokio (siehe A&W 5/10) – das sind die Ideen, die Tokujin Yoshioka antreiben.

Autor:
Barbara Friedrich, Jan van Rossem
Fotograf:
Giovanni Castell