Designgeschichte Schluss mit Plastik

Deutsches Design - solide Ingenieurskunst oder phantasievolle Vision? Volker Albus, Protagonist des Aufbruchs der 80er-Jahre und Dekan an der HfG Karlsruhe analysiert die Geschichte des deutschen Designs vom Bauhaus bis heute.

 

Wer weiß, was aus diesen Experimenten geworden wäre, hätte die Geschichte nicht eine jähe Wendung erfahren. 1973 nämlich war Schluss mit Plastik. Die Ölkrise machte die Endlichkeit des Rohstoffs Öl jedermann bewusst. Öl wurde reduziert, rationiert – und letztendlich stigmatisiert. Und damit natürlich auch sämtliche Kunststoffe. Kunststoff wurde zum Unstoff; Holz, Metall und Glas hatten ihr Comeback.

Ob jedoch Stefan Wewerka seine 1:1 Modelle bei weiter sprudelndem Öl in einem synthetischen Material anstatt in Holz gefertigt hätte, darf stark bezweifelt werden. Denn ihm ging es explizit nicht um ökologische Fragen, sondern um Themen wie Bewegung und Sitzen, Minimierung von Räumen oder der Zusammenfassung von Funktionsbereichen. Dass er die diversen Studien, selbst die radial angelegten, immer in Holz baute, begründete sich in seiner Suche nach einer archtetypischen Typologie.

Und natürlich in seiner künstlerischen Sensibilität: In einem „weichen“ Kunststoff hätten diese sich biegenden und windenden Stühle nämlich wie ein schlechter Witz gewirkt. Einen gänzlich anderen Ansatz verfolgte Ingo Maurer. Sein Metier war (und ist) das Licht, genauer gesagt: der gestalterische Umgang mit den sich ständig weiterentwickelnden Technologien. Im Prinzip reduzierte sich für Maurer dieser Umgang von Beginn an auf zwei Alternativen: in der offenen, der spielerisch inszenierten Demonstration – oder in der perfekten Tarnung. So lassen sich viele seiner großen Erfolge einer dieser beiden Richtungen zuordnen: Hier der Katalog der „Demonstrationen“, wie der Erstling „Bulb“ (1966), die „Light Structure“ (1983), das Niedervoltsystem „yayaHo“ (1984), die „Lucellino“ (1992), die „Where are you Edison?“ (1997) oder die erste OLED-Leuchte „Early Future“ (2008); dort die nur im illuminierten Zustand als „Leuchte“ zu identifizierenden, höchst artifiziellen Arrangements alltäglicher Utensilien, wie Teller, Dosen, Notizzettel oder ein an der Wand hängendes Hemd.