Designgeschichte Gute Form

Deutsches Design - solide Ingenieurskunst oder phantasievolle Vision? Volker Albus, Protagonist des Aufbruchs der 80er-Jahre und Dekan an der HfG Karlsruhe analysiert die Geschichte des deutschen Designs vom Bauhaus bis heute.

 

Damit hatte es sich aber auch schon mit den programmatischen Einlassungen der 70er-Jahre. Längst hatte der Funktionalismus, getarnt als „Gute Form“, wieder das Regiment übernommen. Ohne den intellektuellen Schrittmacher Ulm fehlte ihm jedoch sichtbar Kraft und Ausstrahlung. Das einstige Qualitätsprädikat verkam allein schon wegen der einseitigen Fokussierung auf ökonomische Werte schnell zur „Schalen Form“. Sicher gab es Firmen wie Wilkhahn, Interlübke, Cor oder Flötotto, die sich von der Verflachung des Designs nicht infizieren ließen und deren Produkte unverändert höchsten Ansprüchen an Material und Verarbeitung genügten.

Indes: Die Erkundung experimentell gestalteter Wohnwelten war ihre Sache nicht. Die überließ man anderen z. B. den italienischen Architekten-Designern Ettore Sottsass und Alessandro Mendini. Deren konkreten und theoretischen Thesen zur „Erweiterung des Designbegriffs“ lösten Anfang der Achtzigerjahre ein wahres Beben aus. Von den einen verteufelt, von andern verehrt, von vielen kopiert und von wenigen transformiert, wurden ihre Projekte Memphis und Alchimia zum Inbegriff avantgardistischen Designs.