Design Hersteller und Designer von C-D

Hersteller und Designer mit C

„Sosia“, Emanuele Magini

„Sosia“, Emanuele Magini

„Siesta“, Emanuele Magini

„Siesta“, Emanuele Magini

CAMPEGGI

Die Möbel der lombardischen Firma haben hohen Beschäftigungs- und Unterhaltungswert, die manchmal noch größere Überraschung liegt dann aber in ihrer raffinierten Nützlichkeit. 1959 gegründet, spezialisiert sich das Unternehmen fast ausschließlich auf die Produktion multifunktionaler Möbel vor allem für Wohneinsteiger. Zuerst sind es Schlafsofas, ab den Sechzigerjahren dann Objekte für alle Facetten des Wohnens. Dass sie auch formal ins Auge fallen und durch einen besonderen Clou faszinieren, dafür sorgen namhafte Architekten, Designer und Künstler wie Denis Santachiara, Lorenzo Damiani, Giovanni Levanti, Giulio Manzoni, Matali Crasset und nicht zuletzt Altmeister Vico Magistretti. Viele der Möbel funktionieren durch ausgeklügelte technische Mechanismen, vom guten alten Luftmatratzen-Prinzip bis zum Mode-Knowhow intelligenter Textilien, was Campeggi viele Designpreise einbringt. Und auch eine erweiterte Firmenphilosophie. Nicht mehr nur um räumliche Problemlösungen geht es, sondern auch um geistige Beweglichkeit. campeggisrl.it

„Meltdown“, Johan Lindstén

„Meltdown“, Johan Lindstén

CAPPELLINI

Die Geschichte von Cappellini ist die Geschichte von der Suche nach dem Außergewöhnlichen. Enrico Cappellini eröffnet 1946 eine Möbelwerkstatt in Carugo, wo man früh ein Gefühl für neue Formen und Materialien entwickelt; erst recht unter seinem Sohn Giulio Cappellini, der 1977 die Leitung übernimmt, etabliert sich das Unternehmen als extravagantes Versuchslabor. Einen einheitlichen „Cappellini-Style“ wird man deshalb vergebens suchen – Die Kollektionen zeigen immer den Mut zum Experiment, eine Haltung, die vielfach belohnt wird. Neben eigenen Entwürfen produziert Giulio Cappellini seit den 90er-Jahren auch Arbeiten von Designern wie Jasper Morrison und Tom Dixon, A&W-Designer des Jahres 2008, die er zu Stars macht; eine Strategie, die auch in größerem Konzern zusammenhang – seit 2004 gehört die Firma zur Poltrona Frau-Gruppe – lebendig geblieben ist. Beweise dafür sind neue Cappellini-Stücke von Barber Osgerby, Doshi Levien oder Nendo. cappellini.it

 „Loop“, Sophie De Vocht

„Loop“, Sophie De Vocht

CASAMANIA

Zurückhaltung und Unauffälligkeit sind keine Designkategorien – so könnte das Motto der 1984 im friaulischen Vidor gegründeten Firma heißen. Ob mit einer von Fabio Novembre entworfenen erotischen Persiflage auf den Panton-Chair oder einer wulstgeschmückten Teppich-Liege der Niederländerin Sophie De Vocht – für kontroversen Gesprächsstoff ist immer gesorgt. Mit der unbekümmerten Mischung von Entwürfen international anerkannter Designer und vielversprechender Nachwuchstalente zählt Casamania heute zu den „Made in Italy“-Trendsettern, die keine Berührungsängste mit modischen Strömungen haben. Casamania selbst sieht sich als moderner Geschichtenerzähler für eine buntere und individuellere Welt. Die Firma steht aber mit beiden Beinen in der Realität und gehört seit 1988 zum Mailänder Frezza-Konzern, der seinen Hauptumsatz mit Büromöbeln macht. casamania.it

„Pilotta“, Rodolfo Dordoni

„Pilotta“, Rodolfo Dordoni

CASSINA

Lange schon ist der Name Cassina fast ein Synonym für italienisches Avantgarde-Design. Cesare und Umberto Cassina gründen ihr Unternehmen bereits 1927 in Meda nördlich von Mailand, aber erst ab den 50er-Jahren profiliert es sich als Förderer experimenteller Designideen, und es entstehen Stühle, Polstermöbel, Tische und Regale mit architektonischer, oft künstlerischer Aura, anfangs noch quer-finanziert durch einen lukrativen Markt: Hotel-, Restaurant- und Schiffseinrichtungen. In der Kollektion „I Maestri“ vermarktet Cassina Ikonen und Archivfunde großer internationaler Meister – etwa von Le Corbusier, Gerrit T. Rietveld und Frank Lloyd Wright; aber auch viele der originären Cassina-Designs von Stars wie Vico Magistretti, Gio Ponti, Mario Bellini, Gaetano Pesce, Rodolfo Dordoni oder Piero Lissoni entwickeln sich zu weltweit erfolgreichen Klassikern. cassina.com

Piergiorgio Cazzaniga

Piergiorgio Cazzaniga

„Lofty“ (MDF Italia)

„Lofty“ (MDF Italia)

CAZZANIGA, PIERGIORGIO

Trotz seiner durchaus markanten Erscheinung sind die Produkte Cazzanigas bekannter als ihr Schöpfer – expressionistische Sitzobjekte in freien Formen am Rande der technischen Machbarkeit. Genau das macht ihren Reiz aus und ihren Entwerfer (*1946) zum technikgetriebenen, wagemutigen und in der Fachwelt sehr geschätzten Erneuerer. Er beginnt seine Laufbahn in den Entwicklungsabteilungen von Besana Mobili und Boffi Cucine und arbeitet hier an der Entwicklung zahlreicher Küchenprogramme; einige von ihnen, etwa die minimalistische „Xila“-Küche, sind bis heute auf dem Markt. 1971 macht er sich, zunächst noch mit Partnern wie Luigi Massoni, selbstständig, gestaltet in erster Linie Showrooms und Messestände und im eigenen Büro immer mehr Möbel – überwiegend für die erste Reihe der italienischen und internationalen Designmarken wie Desalto, MDF Italia, Porro und Lapalma. Cazzaniga-Design zeigt, was technisch heute geht; sein „Lofty Lounge Chair“ für MDF Italia zum Beispiel war zunächst ein dynamisch geformtes Sitzobjekt aus Edelstahl, das es inzwischen aber auch als selbsttragende Struktur aus Polyurethan gibt.

„Tattoo Cactus“, Maurizio Galante

„Tattoo Cactus“, Maurizio Galante

CERRUTI BALERI

Enrico Baleri entwirft avantgardistisches Design für Firmen wie Alias, Flos und Knoll International, bevor er 1984 sein eigenes Unternehmen Baleri Italia gründet. Von Beginn an setzt er auf Zusammenarbeit mit renommierten Gestaltern wie Alessandro Mendini, Angelo Mangiarotti und Denis Santachiara genauso wie mit talentierten Nachwuchsdesignern. Die Produkte sind funktional durchdacht, zeichnen sich aber immer durch Verspieltheit und ironisches Augenzwinkern aus – etwa ein Sitzhocker mit Kaktus-Print, was ihnen und der Firma hohen Wiedererkennungswert garantiert. 2004 erwirbt der Modemacher Nino Cerruti die Anteilsmehrheit und bringt seine Erfahrung aus dem Mode- und Textil-Business ein. Konsequent verfolgt das seit 2009 unter dem Doppelnamen Cerruti Baleri firmierende Unternehmen seinen Weg, vielversprechende und zunehmend auch nicht-italienische Designer wie Arik Levy, Ilse Crawford oder Xavier Lust für seine Kollektionen zu gewinnen. cerrutibaleri.com

Aldo Cibic

Aldo Cibic

Obstschale „Paper Boat“ (Paola C.)

Obstschale „Paper Boat“ (Paola C.)

CIBIC, ALDO

Spielerische wie visionäre Ansätze sind charakteristisch für Aldo Cibic, der sich vor allem mit der Gestaltung von Architektur, Interior Design und kunsthandwerklich geprägtem Produktdesign auseinandersetzt. Der Autodidakt aus der Provinz Vincenza, Jahrgang 1955, beginnt 1977 für Ettore Sottsass in Mailand zu arbeiten, 1980 wird er zusammen mit Matteo Thun und Marco Zanini Partner bei Sottsass Associati und gehört im selben Jahr zu den Gründern der Designergruppe Memphis. Sein eigenes Büro Cibic & Partner eröffnet er 1989. Neben Architektur- und Interieur-Projekten entwirft er als Art Director für die Mailänder Firma Paola C poetische Produkte wie die silberne Obstschale „Paper Boat“ oder für Blackbody die hauchdünne OLED-Leuchte „Flying Ribbon“ in Form eines endlos geschwungenen Bandes. Mit solchen Objekten möchte er „Menschen ein Lächeln aufs Gesicht zaubern“. Zudem gestaltet er originelle Innenräume, unter anderem für italienische und englische Filialen der Möbelkette „Habitat“. Oder er organisiert Workshops mit „Visionen zur Verbesserung von Lebenssituationen“ – dazu gehören dann auch schon mal Trommelkurse oder Vorträge zur „Neuerfindung des Glücks“. cibicworkshop.com

„Cuboluce“, Bettonica-Melocchi

„Cuboluce“, Bettonica-Melocchi

CINI & NILS

Das Mailänder Unternehmen plant und fertigt Leuchten und Lichtsysteme, die bis ins kleinste technische und gestalterische Detail durchdacht sind. Cini & Nils geht aus einem 1969 gegründeten Designbüro hervor, das die Architekten und Designer Franco Bettonica (1927–1999) und Mario Melocchi (1931–2013) ins Leben rufen. Nach Versuchen mit Möbeln und Büroutensilien entsteht 1972 „Cuboluce“, das erste Leuchtobjekt des Designerduos, das inzwischen über 40 Jahre lang – und mittlerweile in vielen Varianten – im Programm und längst zur Ikone geworden ist. Clou ist der Deckel des Leuchtwürfels, der zugleich als Schalter und zur Lichtlenkung dient – sein Öffnungsgrad bestimmt die Helligkeit. Zu anderen populären Produkten werden die Wandleuchte „Gradi“ oder die Leuchtenfamilie „Componi 200“, durch drei austauschbare Elemente kann man das Licht punktförmig konzentrieren, streuen oder einfärben. Inzwischen haben deren Nachkommen, Luta Bettonica als Art Directorin und Designerin und Luca Melocchi als Manager und Co-Designer die Leitung des Unternehmens übernommen, das auch Outdoorleuchten und Seilsysteme ins Programm genommen hat. cinienils.com

„George“ (B&B Italia)

„George“ (B&B Italia)

„Axor-Citterio“ (Axor)

„Axor-Citterio“ (Axor)

CITTERIO, ANTONIO

Schon als Teenager beschäftigt sich Antonio Citterio intensiv mit Möbelbau und Materialien. 1950 in Meda, im Zentrum des Nord-Mailänder Möbelgürtels geboren, verbringt er viel Zeit in der Schreinerei seines Vaters und entwirft bereits mit 18 sein erstes Sofa – das sogar prämiert und produziert wird. Nach dem Studium am Polytecnico in Mailand zeichnet er für renommierte Firmen wie Arclinea, Flos und Kartell, vor allem aber für B&B Italia und deren Tochtermarke Maxalto. 1981 gründet er sein eigenes Studio, entwirft Laden, Büro- und Showroom-Komplexe für Esprit und später B&B Italia. In den Studios in seinem selbst entworfenen mehrgeschossigen Atelierhaus im Mailänder Zentrum gestaltet er mit seinen Büropartnern und mehr als 40 Mitarbeitern neben Möbeln, Bürostühlen für Vitra oder einer Badserie für Axor auch international beachtete Architektur. Für sein äußerst umfangreiches und wegweisendes Werk wird Antonio Citterio 2002 als „A&W-Designer des Jahres“ ausgezeichnet. antoniocitterioandpartners.it

„Sushi“ (Zanotta)

„Sushi“ (Zanotta)

COLOMBO, CARLO

Der 1967 im lombardischen Carimate geborene Colombo – nicht verwandt mit der 1971 gestorbenen Designlegende Joe Colombo – betritt schon kurz nach dem Abschluss seines Architekturstudiums am renommierten Mailänder Polytecnico die inter nationale Bühne. Zu Bauprojekten wird er bis nach Japan und zu Vorträgen über Industriedesign bis nach Australien, Brasilien, China oder Russland eingeladen. In seiner Heimat saniert er Sozialwohnungen und arbeitet als Designer für Firmen wie Arflex, Artemide, Cappellini, Moroso, Oluce, Paola Lenti, Poliform, Varenna oder Zanotta. Sein Stil ist im Design wie in der Architektur zurückhaltend minimalistisch, und gerne verwendet er nachhaltige, traditionelle Materialien wie Holz, Glas und Stein. Sein größtes Talent liegt in seinem auf den vielen Reisen weltweit geschulten Blick, mit dem er seinen Kunden unterschiedliche Impulse gibt. Poliform etwa verjüngt sich mit Objekten von Colombo, Zanotta dagegen wirkt erwachsener. carlocolombo.it

Hersteller und Designer mit D

Lorenzo Damiani

Lorenzo Damiani

"Fold“ (Ceramica Flaminia)

"Fold“ (Ceramica Flaminia)

DAMIANI, LORENZO

Manche sehen den heute 41-jährigen schon als Epigone von Achille Castiglioni. Ein Vergleich, der schmeichelt, aber auch hemmen kann. Lorenzo Damiani, der zunächst Architektur an der Mailänder Universität und im Anschluss Design am Polytecnico studiert, gewinnt schon früh einen „Compasso d’Oro“, den begehrtesten Designpreis, den Italien zu vergeben hat. Doch Damiani versucht, cool zu bleiben. Es gehe ihm nicht um visuelle Späße als Hingucker, aber gerne drehe er „die Schraube ein wenig weiter“, wie er es nennt. So entwirft er für Campeggi einen Staubsauger, der gleichzeitig ein Hocker ist, für Cappellini eine hand- und augenschmeichlerische Glasschale mit eingelegten Scherben und für Ceramica Flaminia abgeknickte Badarmaturen, die aussehen, als könnten sie gar kein Wasser mehr führen. Konsequent augenzwinkernd heißt dann auch die Schau, mit der ihn 2009 die Mailänder Triennale vorstellt „Ma dove sono finiti gli inventori“: Wo sind bloß die Erfinder geblieben?! lorentodamiani.net

 „Sedici Animali“ (Enzo Mari)

„Sedici Animali“ (Enzo Mari)

DANESE

Ende der 50er-Jahre gründen Bruno Danese und Jacqueline Vodoz Danese mehr eine Unternehmung als ein Unternehmen. Anfangs arbeitet eine Gruppe von Künstlern und Gestaltern an Kleinserien und Unikaten, die man heute wohl als Home-Accessoires bezeichnen würde, hergestellt werden die meist hölzernen Gegenstände in spezialisierten Werkstätten. Eine ganze Zeit später, nach ersten Erfolgen, eröffnet Danese einen Showroom an der Mailänder Piazza San Fedele, der zugleich als Kunstgalerie konzipiert ist. Bahnbrechend für den Erfolg der kleinen Firma wird die Mitarbeit von Bruno Munari und Enzo Mari, die mit ihren Serienprodukten wie der Hängeleuchte „Falkland“ oder dem Holzpuzzle „16 Animali“ Design-Ikonen schaffen. Im Jahr 1999 kauft die Architektin Carlotta de Bevilacqua die kleine ambitionierte Marke und führt sie im Sinne der Firmengeschichte fort: Sie engagiert erneut zeitgenössische und bekannt eigenwillige Designer wie Martí Guìxé, Matali Crasset oder Giulio Iacchetti. danesemilano.com

„Copernico“ (Artemide)

„Copernico“ (Artemide)

DE BEVILACQUA, CARLOTTA

Ein Multitalent: Sie ist Architektin, Designerin, Unternehmerin, Designdozentin in einer Person. 1983 beendet sie ihr Architektur-Studium am Politecnico in Mailand und gründet ihr eigenes Studio. Von 1989 bis 1993 bestimmt Carlotta de Bevilacqua, die ihr Geburtsjahr nicht preisgeben mag, als Art Directorin die Kollektionen von Alias, bevor sie Lichtkonzepte für Artemide, der Firma ihres Ehemannes Ernesto Gismondi, entwickelt. 1999 erwirbt sie Danese, eine kleine Firma, die sich seit den 60er-Jahren mit großer Designkompetenz profiliert hat. Hier fungiert de Bevilacqua heute (neben ihrer Vorstandstätigkeit bei Artemide) als Präsidentin, was sie aber nicht davon abhält, ständig Neuheiten für die Danese-Kollektionen zu entwerfen. Seit 2001 bildet sie außerdem engagiert den Nachwuchs aus, zuerst am Politecnico in Mailand, dann auch an der Domus Academy. debevilacqua.com

„About Flowers“

„About Flowers“

DEDAR

Der norditalienische Ort Como ist außer für George Clooneys Nebenwohnsitz vor allem als Zentrum der italienischen Stoffproduktion bekannt. So ist es wenig erstaunlich, dass auch eine Firma in dieser Gegend ansässig ist, die sich auf die Gestaltung und Produktion von Tapeten, Wohntextilien und Posamenten spezialisiert hat. Der Name des 1976 von Nicola Fabrizio und seiner Frau Elda gegründeten Familienunternehmens ist die Abkürzung des Begriffs Design d'Arredamento – etwa: Design der Ausstaffierung. Seit einigen Jahren forciert es Kooperationen mit Designern wie dem New Yorker Stephen Burks, der aus gewöhnlichen Tauen und feinen Posamenten Hocker und Liegen entworfen hat. Außerdem entwickelt das Unternehmen seit 2011 Stoffe und Tapeten in Kooperation mit Hermès. dedar.com

 Vase „Maroggia“ (Produzione Privata)

Vase „Maroggia“ (Produzione Privata)

DE LUCCHI, MICHELE

„Wir müssen das Rad nicht neu erfinden. Wir müssen es nur neu entdecken“, lautet der Wahlspruch des 1951 in Ferrara geborenen Designers; immer geht es ihm um neue Sichtweisen und um das Ablegen von Scheuklappen. De Lucchi studiert Architektur in Florenz, lehrt Industriedesign und wird Mitte der 70er-Jahre Mitstreiter und Freund von Ettore Sottsass. De Lucchi ist Mitglied in vielen Designgruppen und -bewegungen, darunter der Radical-Design-Gruppe Cavart, Alchimia und Memphis. Ende der 70er-Jahre kooperiert De Lucchi mit Olivetti und wird 1992 deren Chefberater in Designfragen. 1988 gründet er ein eigenes Studio, zehn Jahre später seine eigene Firma „amdl“ mit Sitz in Mailand und Rom. Neben seinen legendären Entwürfen u. a. für Artemide, Kartell und Arflex ist De Lucchi auch international als Architekt tätig. Der charismatische Florentiner mit dem Rauschebart – den er trägt, um sich von seinem Zwillingsbruder Ottorino, einem Maler, zu unterscheiden – folgt aber noch einer anderen Passion: dem Handwerk. Seine 1990 gegründete Firma „Produzione Privata“ entwickelt Kleinobjekte in Rückbesinnung auf fast vergessene Traditionen und Materialien. micheledelucchi.com

„Fly“, Gianfranco Gualtierotti

„Fly“, Gianfranco Gualtierotti

DEMA

Die toskanische Firma Dema konzentriert sich seit 50 Jahren auf Sitzmöbel – und beweist fühl- und sichtbare Kompetenz für Komfort, Qualität und Ausstrahlung. Sesshaft ist das Unternehmen in Martignana Montespertoli bei Florenz, seine Bestseller sind Sofas, die linear und flächig über leichten Metallfüßen zu schweben scheinen –, aber auch schwungvolle Sofalandschaften mit markant-einladenden Lehnen. Eine zweite Produktlinie sind skulpturale Stühle und Sessel mit Sitzschalen in Schlaufen-, Muschel- oder Tütenform. Für den typischen unaufgeregten Look der Dema-Objekte – prinzipiell werden sie in der Werbung und bei Präsentationen fast immer in Weiß-Grau-Tönen vorgestellt – stehen ausschließlich italienische Designer, unter ihnen Marco Agnoli, Carlo Bimbi, Gianfranco Gualtierotti, Paolo Pininfarina, Maurizio Mazoni und Roberto Tapinassi. dema.it

„Silver“ (Vico Magistretti)

„Silver“ (Vico Magistretti)
 

DE PADOVA

In den 1960er-Jahren wird die Mailänder Möbelfirma De Padova zur Vertretung für skandinavisches und amerikanisches Design in Italien. 1958 von Fernando und Maddalena De Padova gegründet, macht das Unternehmen Möbel aus Dänemark und Finnland populär und stellt in Lizenz Herman Miller-Produkte der Eames’ und von George Nelson her. Als zu Beginn der 1980er die Lizenz von Herman Miller ausläuft, wagt sich Maddalena De Padova erstmals an eigene Kollektionen – nach Entwürfen von Achille Castiglioni, Dieter Rams und vor allem Vico Magistretti, dazu kommen Kleinserien der damals in Europa unbekannten schlicht-schönen Möbel der Shaker, einer Glaubensgemeinschaft aus dem amerikanischen Maine. Wieder gelingt es De Padova damit, eine eigene Handschrift jenseits des Mainstreams zu entwicklen. Manche von Vico Magistrettis markanten Entwürfen werden zu Longsellern, etwa das zeitlose Sofa „Raffles“, der Sessel „Louisiana“ und die Stuhlfamilie „Silver“ (1989) mit ihrem gelochten und leicht federnden Sitz- und Rückenteil. Mittlerweile wird De Padova von Valeria und Luca in der zweiten Generation geführt und es zeichnen zunehmend jüngere internationale Designer wie Monica Förster, Nendo, Luca Nichetto oder Philippe Nigro für das Familienunternehmen. depadova.it

„25“, Bruno Fattorini

„25“, Bruno Fattorini

DESALTO

Leicht, freitragend, stabil, elegant; der „25“ genannte Tisch von Bruno Fattorini – weil nämlich aus nur 25 mm starkem Aluminium-Karbon-Mix gebaut – ist ein typisches Produkt der Firma Desalto. Niemand hat bisher mit so minimalistischem Materialeinsatz 3,50 Meter überbrückt. Und das auch noch so attraktiv. In den 50er-Jahren in Cantù im Brianza-Distrikt gegründet, konzentriert sich Desalto vor allem auf Tische, Stühle und Regalsysteme; Möbelobjekte, die ganz ihrer Funktion dienen und dabei spektakulär leicht, technoid und minimalistisch wirken. Mit Laser-Schneidern, Schweiß-Robotern, dem Know-how des Unternehmens in Material-Mix und Sandwichtechnik und dazu den Ideen von Designern wie Marco Acerbis, Arik Levy, Shin Azumi, Denis Santachiara, Caronni-Bonanomi oder Piergiorgio Cazzaniga entstehen Produkte, die oft ausgezeichnet und zu Longsellern werden. desalto.it

 „President“

„President“

DEVON&DEVON

Aus einem 1945 in Florenz gegründeten Baumaterialienhandel, der sich in den 60ern auf Fußböden, Keramikverkleidungen und Badezimmereinrichtungen verlagert, entsteht 1989 Devon&Devon. Inzwischen umfasst das Angebot riesige, fein abgestimmte Kollektionen von Waschbecken und Wannen, Konsolen, Armaturen, Bad-Leuchten und Spiegel – alles mit dem Ziel, Bäder als private Orte der Wellness zu inszenieren. Gestalterische Firmenphilosophie ist die Versöhnung von Klassik und Moderne durch elegantes Design; zu gefälligen Formen, die funktional und emotional zugleich sind, lässt man sich von der europäischen Stilgeschichte inspirieren. In der Produktion arbeitet Devon&Devon bewusst mit kleinen Betrieben mit langjährigem, spezifischem Know-how zusammen. Über Showrooms werden die Kollektionen in mehr als 70 Länder exportiert. devon-devon.com

Rodolfo Dordoni

Rodolfo Dordoni

„Prince“ (Minotti)

„Prince“ (Minotti)

DORDONI, RODOLFO

Starkult ist dem Designer Rodolfo Dordoni, Jahrgang 1954, fremd; er entwickelt seine Projekte auch nicht in einer besonderen, wiedererkennbaren Formensprache, sondern stellt die Frage nach Nutzer und Nutzen. Damit hat er großen Erfolg, der Mailänder arbeitet heute für viele der wichtigsten italienischen Firmen, darunter Artemide, Cassina, Driade, Flos, Molteni oder Moroso. Mit seinem Eigensinn fasziniert er schon im Designstudium seinen Kommilitonen Giulio Cappellini, und beide erkennen die Chance, dem Familienunternehmen Cappellini neue Impulse zu geben. Die 80er-Jahre über ist Dordoni Cappellinis Art Director und entwirft gemeinsam mit dem Firmenerben unter anderem das Bücherregal „Passepartout“; in den 90ern beschert er mit „Lumiere“, einer kleinen, dreibeinigen Leuchte, die schnell populär wird, Foscarini neue Umsatzdimensionen. Seit 1997 prägt er auch die Auftritte des Polstermöbelproduzenten Minotti, für den er jede neue Kollektion unter ein neues Motto stellt. Als wäre dies nicht genug, gründet er 2005 mit Alessandro Acerbi und Luca Zaniboni auch noch das Studio Dordoni Architetti, das Messestände, Ladeneinrichtungen und Privat villen konzipiert. dordoniarchitetti.it

„Modesty Veiled“, Italo Rota

„Modesty Veiled“, Italo Rota

DRIADE

Was als Abenteuer eines kreativen Familienclans beginnt, entwickelt sich binnen weniger Jahre zu einem äußerst erfolgreichen Unternehmen mit vier verschiedenen Produktlinien. 1968 gründen Enrico und Antonia Astori zusammen mit Adelaide Acerbi in einem Örtchen in der norditalienischen Provinz Piacenza ihre Firma Driade. Der Name entstammt der griechischen Mythologie und bezeichnet Waldnymphen. Die Architektin Antonia Astori schafft mit einem reduzierten Möbelsystem („Oikos“) den ersten Erfolg der Firma und holt Gestalter wie Achille Castiglioni Enzo Mari und Alessandro Mendini dazu. Ihr Bruder Enrico Astori engagiert internationale Größen wie Philippe Starck, Toyo Ito oder Ron Arad. Sie alle kreieren den „Kosmos Driade“, eine vielfältige, bunte Welt zwischen Minimalismus und Neobarock. Die Enkelkinder der Gründer führen heute die Firmentradition fort – weiter auf der Suche nach besonderem Design unter anderem von Fabio Novembre. driade.com

 „Joe“ (Poltronova)

„Joe“ (Poltronova)

Donato D'Urbino und Paolo Lomazzi

Donato D'Urbino und Paolo Lomazzi

D’URBINO, DONATO + LOMAZZI, PAOLO

Sie waren zu dritt, bis sie 1997 beim Tod von Jonathan De Pas auch ihren Anfangsbuchstaben aus dem griffigen Firmenkürzel DDL verloren. Im Rückblick wirkt das ursprüngliche Architektur- und Designstudio De Pas/D’Urbino/Lomazzi wie eine Art Garantie-Fabrik für Ikonen der Pop-Art-Zeit. Dabei sind die populären Möbel des Mailänder Trios nur die Eisbergspitzen ihrer vielfältigen Aktivitäten, die Stadtplanung, Ausstellungen und Lehre umfassen. 1970 entsteht als Hommage an den italienischstämmigen US-Baseball-Starspieler Joe DiMaggio der Zweisitzer „Joe“ in Form eines überdimensionalen Baseballhandschuhs, den Poltronova herstellt und der lange die Lobbys von Werbeagenturen und Kreativbüros in aller Welt ziert. Im Gegensatz dazu ist der von Zanotta produzierte aufblasbare transparente Plastiksessel „Blow“ von 1967 ein wahres Leichtgewicht, der für eine Show in der Mailänder Triennale produziert wird. Die minimalistische Garderobe „Sciangai“ (1973) besteht nur aus acht einfachen Holzstäben, die in der Mitte verbunden sind – ausgeklappt ähnelt sie einem Mikadospiel. So schön kann „Radical Design“ sein, zu dessen bedeutendsten Vertretern Jonathan De Pas (1932–1991), Donato D’Urbino (Jahrgang 1935) und Paolo Lomazzi (Jahrgang 1936) zählen. Mittlerweile in ihren Mitt-Siebzigerjahren, halten D’Urbino und Lomazzi das Studio unter ihrer beider Namen lebendig. durbinolomazzi.it

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