Design Hersteller und Designer von E-F

Hersteller und Designer mit E

„Boa“, Fernando und Humberto Campana

„Boa“, Fernando und Humberto Campana

EDRA

Das Unternehmen stammt aus der Toskana; dort wird es 1987 gegründet – der Firmenname kommt allerdings aus dem Griechischen: „Exedra“ heißt dort ein Raum der philosophischen Auseinandersetzung. Und Diskussionen über die extravaganten Möbel von Edra werden mit Sicherheit innerhalb und außerhalb der Firma geführt. Geleitet wird das Unternehmen von den Geschwistern Valerio und Monica Mazzei, die mit Art Director Massimo Morozzi schon früh die Positionierung von Edra deutlich machen. Auf abgedunkelten Messeständen werden die Entwürfe von Masanori Umeda, Francesco Binfaré, den Brüdern Campana und Inga Sempé wie auf einem Catwalk inszeniert; jedem soll klar sein: Hier steht die Haute Couture der Möbelindustrie im Scheinwerferspot. Extravagante Formen, luxuriöser Materialeinsatz und aufwendigste Verarbeitung – ein Wunder ist es nicht, dass es Edras Entwürfe in Style-Magazine und Design-Sammlungen schaffen. Und auch in viele schicke Modeboutiquen. edra.com

 „Re-Trouvé“, Patricia Urquiola

„Re-Trouvé“, Patricia Urquiola

EMU

So romantisch die filigranen Drahtmöbel auch aussehen – ihre technische Basis ist militärisch. Die Brüder Aldo und Angelo Biscarini beschließen 1951 ihre Kenntnisse, die sie als Ingenieure in der Armee erworben haben, gewinnbringend einzusetzen und gründen mit Partner Dante Menconi eine Firma für militärische Ausrüstungen. Dafür entwickeln sie ein Patent, Metall mit Kunststoff zu beschichten und witterungsbeständig zu machen. In den späten 50er-Jahren wandelt sich das Unternehmen zum zivilen Möbel-Produzenten und spezialisiert sich als einer der ersten zielstrebig auf Garten und Terrasse. Das erste Emu-Modell, den „Cattolica“-Stuhl gestaltet Gründer Aldo Biscarini noch eigenhändig. Heute entwerfen für das Unternehmen, das mittlerweile zur Opera Investmentgruppe gehört, zahlreiche namhafte internationale und italienische Designer wie Arik Levy, Jean-Marie Massaud und Christophe Pillet oder Paola Navone, Patricia Urquiola, Rodolfo Dordoni und Carlo Colombo. emu.it

„Home-Collcetion“, Sommer 2013

„Home-Collcetion“, Sommer 2013

ETRO

Kaum eine Marke wird heute so mit einem einzigen Dekor verbunden wie das Familienunternehmen Etro mit dem Paisley-Muster. Das Motiv hat einen langen Weg hinter sich. In Mesopotamien sah man darin den Trieb einer Dattelpalme – des Lebensbaumes –, die Inder übernahmen das Symbol auf ihre Saris und nach Europa bringen es englische Importeure – auch bis Mailand. Der Textilfabrikant Gerolamo Gimmo Etro gründet hier 1968 sein Modeunternehmen mit dem Konzept: hochwertige Stoffe aus edlen Naturmaterialien mit Mustern in innovativen Farbstellungen. 1981 kommt die erste Home Collection auf den Markt, ebenfalls mit dem Paisley-Muster. Nach und nach wird das Firmenportfolio durch Produkte wie Leder und Reisetaschen und ab 1986 sehr erfolgreich durch Wohnaccessoires ergänzt. Heute zeichnen die vier Kinder des Firmengründers für die unterschiedlichen Zweige des Unternehmens verantwortlich: Der älteste Sohn, Kean Etro, kreiert die Herren-Kollektion, Veronica die Damenmode, Jacopo die Stoffe und Ippolito leitet die Firma als Generaldirektor. Verkauft wird über Boutiquen weltweit. etro.com

Hersteller und Designer mit F

„Macramé“, Paolo Lucidi und Luca Pevere

„Macramé“, Paolo Lucidi und Luca Pevere

FIAM

Was man nicht alles aus Glas machen kann! Fiam überrascht damit immer wieder. Vittorio Livi, der das Unternehmen in Tavullia nahe der Adria Anfang der 70er-Jahre gründet, hat eine Vision: Glas soll der neue Star im Möbeldesign werden. Dafür erlernen Spezialisten die Kunst, Glas nicht nur zu schneiden, sondern auch zu wölben, zu biegen und gezielt zu brechen, mal mit handwerklichen, mal mit industriellen Verfahren, aber am Ende steht immer ein ungewöhnliches Unikat. Ein Ansatz, der schnell auch auf Designer einen besonderen Reiz ausübt und so wetteifern u. a. Ron Arad, Rodolfo Dordoni, Danny Lane, Vico Magistretti, Massimo Morozzi oder Philippe Starck um die originellsten Ideen, aus denen Fiam Regale, Vitrinen, Spiegel, Tische und Stühle baut. Oder Sessel wie „Ghost“ von Cini Boeri, die heute in vielen Designmuseen stehen. fiamitalia.it

„Guscio Alto“, Antonio Citterio

„Guscio Alto“, Antonio Citterio

FLEXFORM

Erfolg dank relaxter Eleganz: Flexform aus Meda nördlich von Mailand steht für großzügige und dabei lässige Sofasysteme und Betten, die heute überwiegend von der gestalterischen Handschrift Antonio Citterios geprägt sind. Zu Beginn der 50er-Jahre gründen die Brüder Romeo, Pietro und Agostino Galimberti ihre Firma zur Produktion von Lack- und Polstermöbeln, seit 1959 heißt das Familienunternehmen Flexform. International erfolgreich wird es mit Beginn der 70er-Jahre durch fröhliche Pop-Objekte wie den endlos reihbaren „Boomerang“-Sessel von Rodolfo Bonetto oder den röhrenhaften „Tube Chair“ von Joe Colombo, die beide in die Sammlung des New Yorker Museum of Modern Art aufgenommen werden. Weniger experimentell, dafür aber als Every-Day-Objekte unübertroffen entspannt und elegant sind die Möbel, mit denen Antonio Citterio den aktuellen Flexform-Look prägt, etwa das schlanke „Evergreen“-Sofa oder der Ledersessel „Guscio Alto“ mit seinem hohen Rücken, der sich nach oben verjüngt. flexform.it

„OK“, Konstantin Grcic

„OK“, Konstantin Grcic

FLOS

Die Sehnsucht nach Neuem liefert 1962 die gedankliche Basis bei der Gründung von Flos durch Dino Gavina, Arturo Eisenkeil und Cesare Cassina in Meran. Achille und Pier Giacomo Castiglioni liefern mit einer raumgreifenden Bodenleuchte auch gleich den ersten Bestseller, ihre markante „Arco“ ist der leuchtend strahlende Auftakt für eine sich steigernde Erfolgsgeschichte von Flos und den Designerbrüdern. Innovation treibt das Unternehmen, das heute seinen Sitz in Brescia hat, immer wieder an; Konstante ist die Zusammenarbeit mit den besten Designern der Zeit. So arbeiten aktuell Antonio Citterio, Philippe Starck, Jasper Morrison, Patricia Urquiola oder die Bouroullecs für die Firma. Und die Ergebnisse sind ausgezeichnet: Konstantin Grcic etwa erhält mit und für Flos den „Compasso d’Oro“ fast ebenso selbstverständlich wie schon 50 Jahre zuvor die Castiglionis. Und er darf ins Allerheiligste – ins Firmenarchiv – und mit „OK“ das drahtgespannte Vorbild „Parentesi“ von Castiglioni ins LED-Zeitalter übersetzen. flos.com

„Guia“, Carlo Colombo

„Guia“, Carlo Colombo

„Nuvola“, Thesia Progetti

„Nuvola“, Thesia Progetti

FLOU

Der Kaufmann Rosario Messina gründet 1978 in Meda in der Brianza sein Unternehmen und nennt es „Flou“. Die einzige, aber konsequente Idee: mehr Aufmerksamkeit dem Schlafzimmer zu widmen. Dafür überträgt er Hotel-Know-how in den privaten Bereich. Ein erster Erfolg wird Vico Magistrettis Bett „Nathalie“, eine Art Urmodell des funktionalen Textilbetts mit einem Rahmen, dessen weich gepolsterte Bespannung abziehbar und waschbar ist. Im Laufe der Jahre bringt Flou namhafte Designer dazu, sich mit dem Thema Bett auseinanderzusetzen. Die Interpretationen reichen dabei von romantischen Ideen, etwa von Enzo Mari oder Massimo Iosa Ghini, bis zu pflegeleichter und funktionaler Hightech-Eleganz, wie sie Mario Bellini, Rodolfo Dordoni oder Carlo Colombo gestalten. Dank der breiten Designerpalette und technischen Innovationskraft finden sich heute über 50 Bett-Typen im Flou-Katalog, und die Vision des Gründers hat sich fast ins Gegenteil gewandelt: Dank des Erfolges entwickelt sich die Firma aus dem Schlafzimmer immer mehr Richtung Wohnbereich weiter. Poufs, Lampen und Garderoben sind erste Beispiele; festgehalten wird aber an der „textilen Seele“ der Marke. 2013 hat Flou in Mailand eine neue Linie präsentiert: Unter dem Namen „Natevo“ werden Möbel und Objekte gestaltet, die nebenbei auch als Lichtquelle dienen. flou.it

„Tour“, Gae Aulenti

„Tour“, Gae Aulenti

FONTANA ARTE

Einige Jahre war es etwas ruhig geworden um Fontana Arte – bis das Traditionsunternehmen 2010 unter das Dach der Nice Group geschlüpft ist. Unter neuer Geschäftsführung meldet es sich nun zurück, mit dem Rückenwind einer ruhmreichen Vergangenheit, um die es von vielen Konkurrenten beneidet wird. Es ist Architekt Gio Ponti, der 1932 Fontana Arte als einen künstlerischen Ableger der Glasfabrik von Luigi Fontana gründet, und es sind Namen wie der der Architektin Gae Aulenti, lange Jahre Art Directorin des Hauses, die die Innovationskraft der Firma immer wieder herausfordern. Limitierte Editionen früher Entwürfe, darunter auch einige bisher unbekannte Archiventdeckungen, erzählen davon. Neue nachhaltige Erfolge aber werden mit neuer Technik und jungen Designern gesucht. Neben großen Namen wie Norman Foster, Shigeru Ban oder David Chipperfield setzt der 2013er-Katalog auf neun erstmals gelistete Designer, z. B. Andreas Engesvik oder Mika Tolvanen. Sie sehen Leuchten erfreulich unbeschwert. fontanaarte.com

FOSCARINI

Auf der Insel Murano beginnt 1981 die Erfolgsgeschichte von Foscarini; die erste Leuchten-Kollektion gestalten Carlo Urbinati und Alessandro Vecchiato, die 1988 auch Eigentümer und Manager werden. Der Verzicht auf feste Produktionsstätten und die Öffnung zum privaten Wohnmarkt beeinflusst wesentlich die Entwicklung der Firma, die im Zweifel lieber innovativ als zu traditionell sein will. Dafür experimentiert sie ständig mit neuen Herstellungstechniken und den unterschiedlichsten Designern. Neben Rodolfo Dordoni, Ferruccio Laviani, Luca Nichetto, Patricia Urquiola oder Ionna Vautrin ist es vor allem Marc Sadler, der aus seiner Vergangenheit als Sportartikel-Designer ganz neues Material-Know-how beisteuert und Bestseller wie „Twiggy“ kreiert – die Neuinterpretation von Castiglionis Bodenleuchte „Arco“. 2009 kommt es zu einer viel beachteten Kooperation Foscarinis mit dem Modelabel Diesel – und zu „Successful living“, einer gemeinsam gelabelten Kollektion von Leuchten. foscarini.com

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