Design Hersteller und Designer von G-H

Hersteller und Designer mit G

„Rulli“, „Drizzle“, Luca Nichetto

„Rulli“, „Drizzle“, Luca Nichetto

GALLOTTI & RADICE

Als Pierangelo Gallotti und Luigi Radice sich 1956 entschließen, eine Möbelproduktion zu starten, ist die Idee ziemlich revolutionär: Einrichtungen zu entwerfen, die man oft erst auf den zweiten Blick wahrnimmt. Sie nutzen Glas als maßgeblichen Rohstoff. Die Transparenz des Materials gepaart mit einer minimalistischen Formensprache gibt den Objekten eine äußerst zurückhaltende und dezente, aber gleichzeitig edle Erscheinung. Schon früh investiert das Unternehmen in die Zusammenarbeit mit international etablierten Designern wie Monica Armani, Gabriele und Oscar Buratti, Carlo Colombo und jüngst auch Luca Nichetto, die sich auch auf die Entwicklung von High-Class-Büroausstattungen verstehen, einer der kommerziell tragenden Säulen der Firma. Heute wird sie von den Kindern der Gründer geführt, Silvia und Massimo Gallotti und Pierangelo und Marco Radice leiten das Unternehmen als Quartett. gallottiradice.it

 Martino Gamper

Martino Gamper

„Copy and Paste“, „Sonet Butterfly“ (100 chairs in 100 days)

„Copy and Paste“, „Sonet Butterfly“ (100 chairs in 100 days)

GAMPER, MARTINO

Er gilt als Ausnahmetalent mit sehr eigenem Zugang zu den Dingen und zum Design. Martino Gamper wird 1971 in Meran geboren, lernt Möbelbau und studiert in Wien bei Michelangelo Pistoletto Bildhauerei. Wahrscheinlich ist es dieser künstlerisch handwerkliche Ansatz, der seinen Werken die besondere Aura verleiht. Auf jeden Fall kann der Südtiroler mit Wahlheimat London neben seinen Produkten bei Magis oder Established & Sons und Editionen, die von der Mailänder Galerie Nilufar verlegt werden, auch auf eine Reihe sehr prestigereicher Ausstellungen zurückblicken: Das Victoria & Albert und das Designmuseum in London, der Hamburger Kunstverein und das Genfer Centre d’Art Contemporain sammeln seine Objekte. Gampers Arbeitsweise ist spontan und nicht unbedingt immer klassisch, er fischt gerne auch mal Objekte vom Sperrmüll und gestaltet sie um – wie in seinem ehrgeizigen und bisher bekanntesten (Recycling- und Collage-) Projekt „100 chairs in 100 days“. martinogamper.com

 Stuhl „Gray 09“ und Sessel „Nuvola 09“, Paola Navone

Stuhl „Gray 09“ und Sessel „Nuvola 09“, Paola Navone

GERVASONI

Das Familienunternehmen aus Udine, das heute in dritter Generation von Giovanni und Michele Gervasoni geleitet wird, blickt auf eine lange Tradition zurück. 1882 in Pavia gegründet, hat es immer wieder Trends gesetzt, ohne seine Grundsätze zu verlassen: die Verarbeitung authentischer Materialien in einer handwerklich hochwertigen Qualität. Unter der künstlerischen Leitung der italienischen Designerin Paola Navone öffnet sich das Unternehmen vor allem den Inspirationen ferner Kontinente. Geschickt wird sachlicher westlicher Geschmack mit verspielten orientalisch opulenten Einflüssen kombiniert. So entwickelt sich ein typischer, inzwischen oft kopierter Gervasoni-Stil, der den umfang reichen Kollektionen seine eigene unverwechselbare Note gibt. Mit anhaltendem Erfolg: Heute sind Möbel und Accessoires von Gervasoni weltweit in führenden Einrichtungshäusern vertreten. gervasoni1882.it

„Erasmo“, Massimo Scolari

„Erasmo“, Massimo Scolari

GIORGETTI

Wie zahlreiche Erfolgsfirmen der italienischen Möbelindustrie ist auch Giorgetti aus einem lokalen, 1898 gegründeten, Tischlereibetrieb hervorgegangen. Bis heute sind diese Wurzeln zu erkennen – Holz und die kunstvolle Holzbearbeitung spielen bei den Modellen des Familienunternehmens eine überragende Rolle. Produziert werden nahezu alle Möbelarten, immer mit Blick auf Klasse und ästhetisch lange Haltbarkeit: Sofas, Sessel, Anrichten, Betten, Regale und Schrankmöbel, Stühle, Schreibtische, aber auch Leuchten. Dank feiner Massivhölzer und Bezügen aus edlen Stoffen und Leder bekommt die klassisch modern gehaltene Kollektion ihren besonderen Charakter. Bewusst setzt das Unternehmen auf die Partnerschaft mit nur wenigen Designern und Architekten, die dafür aber eine sehr persönliche, ausgeprägte Handschrift mitbringen – etwa Massimo Scolari, Antonello Mosca und als Vertreter der Gründerfamilie Carlo Giorgetti. giorgetti.eu

Stefano Giovannoni

Stefano Giovannoni

„Lily Bird“, Alessi

„Lily Bird“, Alessi

GIOVANNONI, STEFANO

Eine Karriere in Superlativen. Die Liste seiner Auszeichnungen würde den Rahmen sprengen, die Liste seiner Auftraggeber ebenfalls, berühmt geworden ist er aber vor allem mit mehr oder weniger ironischen Tisch-Accessoires: Für Alessi hat er zum Beispiel Salz- und Pfefferstreuer als Manga-Monster-Gestalten entworfen, die sich als Millionenseller entpuppt haben. Wie auch die meisten seiner Entwürfe, etwa die „Bombo“-Stuhlserie für Magis. Begonnen hat der 1954 in La Spezia geborene Giovannoni seine Laufbahn in den 80er-Jahren als Dozent an der Architektur-Fakultät in Florenz, wo er selbst studiert hatte. In dieser Zeit beteiligt er sich an Architektur-Wettbewerben, bevor er sich ganz auf das Design konzentriert. Dass er sich nicht ausschließlich dem Spaß-Design verschrieben hat, zeigt sich in einer Alessi-Bad-Kollektion, die er komplett gestaltet hat. Giovannoni lebt und arbeitet in einer spektakulär umgebauten Turbinenfabrik in Mailands Zona Tortona. stefanogiovannoni.it

„The dark side of the moon“, Piero Lissoni

„The dark side of the moon“, Piero Lissoni

„Split“, Piero Lissoni

„Split“, Piero Lissoni

GLAS ITALIA

Hart, cool, transparent, mutig, immer ein wenig wie aus einer anderen Welt: Möbel aus Glas sind verlässlich starke Zeichen für ein „Design made in Italy“. Mit dem programmatischen Namen Glas Italia entsteht 1970 im lombardischen Macherio ein Unternehmen, das die überlieferte Kennerschaft für das Material mit der Lust am Avantgarde-Design vereint. Die Entwürfe kommen anfangs von Alessandro Mendini, Ettore Sottsass, Johanna Grawunder, Claudio Silvestrin und Nanda Vigo, von Jasper Morrison, jüngst auch von Tokujin Yoshioka, Nando und Patricia Urquiola. Sie kreieren unter der Art Direction von Piero Lissoni kleine Tische, Konsolen, Vitrinen, Wandborde und Spiegel in meist konstruktiver Strenge und kühler Eleganz; mal klar, oft getönt, bunt und immer mit dem Licht spielend. glasitalia.com

 „Cactus“, Guido Drocco, Franco Mello

„Cactus“, Guido Drocco, Franco Mello

GUFRAM

1966 fällt der Startschuss für eine Möbelmarke, deren Objekte bis heute die Designwelt faszinieren: Gufram. Hervorgegangen aus einer traditionellen Stuhlmanufaktur von 1952, beschäftigen sich die Brüder Gugliermetto mit neuen Formen und Materialien, ganz unter dem kulturellen Einfluss der Turiner Avantgarde und den radikalen Architektur- und Kunst-Experimenten der 60er-Jahre. Die Erfindung kaltgeschäumten Polyurethans ermöglicht die Produktion von Möbeln und Objekten in einer revolutionären Ästhetik. 1968 stellt Gufram anlässlich der XIV. Triennale di Milano seine ersten „Multipli“ aus, in Kleinserie hergestellte Kunstobjekte. Der internationale Durchbruch erfolgt bei der Präsentation der Stücke in der Ausstellung „Italy: The new domestic landscape“ 1972 im New Yorker Museum of Modern Art. Hierfür entstehen die berühmtesten Ikonen italienischen Designs: nämlich
Sitzobjekte, die eine Wiese („Pratone“), einen Felsbrocken („Sassi") oder einen Mund („Bocca“) zitieren – und den „Cactus“ als Garderobe. 2009 übernimmt die Poltrona Frau-Gruppe Gufram, gibt sie aber schon 2011 wieder ab – an die Unternehmerin Sandra Vezza. gufram.it

„Forma“, Denis Santachiara

„Forma“, Denis Santachiara

GUZZINI

Handlich, praktisch, fröhlich: Fratelli Guzzini, die Gebrüder Guzzini also, stellen nicht einfach Gebrauchsgegenstände aus Plastik her, sie wollen mit jedem auch ein Lächeln in den Alltag zaubern. Und das in 85 Länder Welt mittlerweile. 1912 fängt alles an, 1938 startet das Unternehmen in Recanati in der Provinz Marken eine kleine Revolution mit Haushaltsgeräten aus Plexiglas, von den 60ern ab wächst es dank des Siegeszugs der Kunststoffe und des Designs. Guzzini erfreut seine Kunden mit kleinen Helfern und dekorativen Zutaten für Haushalt, Küche, Bad und Tisch, vom Salatbesteck bis zur Leuchte, mit einem Heer von Modellen in diversen Farbvarianten und Fröhlichkeitsstufen, gezeichnet von Designern wie Luigi Massoni, Ross Lovegrove, Karim Rashid, Denis Santachiara, Antonio Citterio und Paola Navone. fratelli-guzzini.de

Hersteller und Designer mit H

„Tubular Light“, Massimo Castagna

„Tubular Light“, Massimo Castagna

„Cage B“, Massimo Castagna

„Cage B“, Massimo Castagna

HENGE

Eine Seidenmühle aus dem späten 19. Jahrhundert inmitten der idyllischen Landschaft des Veneto ist der Ort, an dem das junge, 2007 gegründete Unternehmen seine zeitlos modernen Möbel kreiert. Ob raumteilendes Regal, filigraner Beistelltisch, bequemes Sofa oder archaische Leuchte – schon auf den ersten Blick sticht der Einsatz feiner natürlicher Materialien wie dickes weiches Leder, Messing, massive Edelhölzer und gebürsteter Stahl ins Auge. Paolo Tormena, CEO des Unternehmens, und Art Director Massimo Castagna, legen Wert darauf, ihre Kollektionen umwelt- und ressourcenschonend unter dem Einsatz traditioneller und bewährter Techniken zu produzieren. Die Ergebnisse sind mehr als Möbelstücke, es sind, wie es Massimo Castagna formuliert, „Begleiter auf unserer Reise durchs Leben“. henge07.com

„Sendai“, Toyo Ito

„Sendai“, Toyo Ito

„Hexagon“, Steven Holl

„Hexagon“, Steven Holl

HORM

Als im Frühjahr 2013 der japanische Architekt Toy Ito mit dem begehrten Pritzker-Preis geadelt wird, ist man auch in der kleinen friaulischen Stadt Pordenone stolz. Hier wird schon seit acht Jahren Itos eigenwilliges „Sendai“-Regal mit seinen der Natur abgeschauten unregelmäßigen Baumstamm-Streben gebaut. Individuelle Möbel für Individualisten lautet der Werbeclaim der Holzmanufaktur, und das ist fast bescheiden: Kaum jemand hat dem Holzeinsatz im Möbelbau so viele mutige, ungewöhnliche Varianten hinzugefügt wie Horm. Wellen in Kommoden-Fronten, Lochraster in Tischplatten oder plastische Schrankfassaden spielen mit Sehgewohnheiten, oft an der Grenze der technischen Machbarkeit, aber immer stilsicher. Neben bekannteren Namen wie Mario Bellini oder Steven Holl im Katalog gibt das Unternehmen auch immer wieder neuen Talenten eine Chance auf dem Markt – aktuell der vielversprechenden italienischen Designerin Patrizia Bertolini. horm.it

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