Design Hersteller und Designer von I - L

Hersteller und Designer mit I

Giulio Iacchetti

Giulio Iacchetti

„Fano“, „Ripe“, „Jesi“ (Internoitaliano)

„Fano“, „Ripe“, „Jesi“ (Internoitaliano)

IACCHETTI, GIULIO

1966 in Mailand geboren, absolviert Iacchetti einige Semester Architektur am Polytecnico in Mailand, spezialisiert sich auf Industriedesign und besucht Kurse von Ron Arad, Gaetano Pesce und Ettore Sottsass. Und doch bezeichnet er sich selbst als Autodidakt. Dem Gestaltungskonzept, dass die Form der Funktion folge, setzt Giulio Iacchetti ganz bewusst noch eines oben drauf: Seine Objekte sollen politisch sein. Iacchetti nennt, vielleicht etwas kokett, „Ungehorsam“ als sein Designprinzip, dabei ist das Ergebnis manchmal sogar überraschend nützlich und konstruktiv. Ein gewitztes Partybesteck „Moscardino“ (Pandora Design) bringt ihm 2001 nicht nur die Sympathie der Mailänder Aperitivo-Flaneure ein, sondern sogar einen Compasso d’Oro. Und einen Rekord: Er ist damit der jüngste Preisträger der geschichtsträchtigen Designerehrung. 2009 widmet ihm das Mailänder Triennale Design Museum eine erste Werkschau. Heute gehören Abet Laminati, Alessi, Foscarini, Magis oder Meritalia zu seinen Auftraggebern. giulioiacchetti.com

„Berlino“, Piano Design

„Berlino“, Piano Design

IGUZZINI

Wie setzt man seine kleine Picasso-Keramik ins rechte Licht? Wie inszeniert man nachts wirkungsvoll eine Hotelfassade? Das sind Fragen, für die iGuzzini Lösungen entwickelt und optimiert. Das Unternehmen, eng verwandt mit Fratelli Guzzini, wird 1959 gegründet, Stammsitz ist Recanati. Erdacht und produziert werden hier Lichtsysteme und Leuchten in allen Varianten, um Objekte und Räume, aber auch ganze Häuser, Straßen und Plätze effektiv und attraktiv zu erhellen. Produkte und Großprojekte entstehen in Kooperation mit Architekten, unter ihnen Gio Ponti, Gae Aulenti, Renzo Piano und Norman Foster. Neubauten für iGuzzini-Geschäftssitze in Paris, Barcelona und Schanghai demonstrieren beispielhaft energetische Nachhaltigkeit; das Unternehmen, in Italien längst „Numero Uno“ der Branche, erhält den Compasso d’Oro und den angesehenen Guggenheim Preis. iguzzini.com

Massimo Iosa Ghini

Massimo Iosa Ghini

IOSA GHINI, MASSIMO

Wie weit man mit Comics kommen kann! Der 1959 in dem kleinen Ort Borgo Tossignano (Emilia Romagna) geborene Massimo Iosa Ghini arbeitet neben seinem Architekturstudium in Florenz und Mailand als Comiczeichner für italienische und internationale Zeitschriften. Geblieben davon ist bis heute das Zeichnen als Ursprung seiner Entwurfsarbeiten. In den 80er-Jahren skizziert er für die Fernsehkette RAI futuristisch anmutende Studiokulissen, 1986 schließt er sich der Mailänder Designgruppe Memphis an und gründet daneben in Bologna die Bewegung „Bolidissimo“, deren Prinzip dynamische Kurven, Ellipsen und Stromlinienformen sind. Nach einem langen Japanaufenthalt eröffnet er 1990 eigene Büros in Bologna und Mailand. Zu seinen ersten Förderern und Kunden zählt Patrizia Moroso, die mit ihm studiert hat; umgekehrt hilft er der Firmenerbin auf dem Weg zur avantgardistischen Neuausrichtung des Traditions-Polstermöblers. Iosa-Ghini-Design, wie sein Schöpfer mit den Jahren etwas klassischer geworden, findet sich heute auch in den Kollektionen von Bonaldo, iGuzzini oder Poltrona Frau.

Hersteller und Designer mit K

„Clap“, Patricia Urquiola

„Clap“, Patricia Urquiola

KARTELL

Als der Betriebswirt Claudio Luti 1988 seine Anteile am Modeunternehmen Versace verkauft und zum neuen Eigner von Kartell wird, hat die Firma schon eine lange Geschichte. In Noviglio 1949 gegründet vom Chemieingenieur Giulio Castelli, beginnt sie mit Zulieferungen für die Autoindustrie, ab 1953 entstehen farbige Haushaltswaren. Technisch bedingt, nämlich aus Stabilitätsgründen, können erst zu Beginn der 1960er-Jahre auch Möbel aus Kunststoff produziert werden; dann aber wird Plastik zum wichtigsten Material für den kulturellen Aufbruch ins Design der Pop-Ära – und Kartell zu einem ihrer Protagonisten. Ein Container („Componibili“) der Designerin Anna Castelli-Ferrieri, Ehefrau des Gründers, wird zu einem frühen Designklassiker der Firma, dem viele folgen. Erst recht, als Neu-Eigentümer Luti seine Kenntnisse der Modeindustrie auf Kartell überträgt. Objekte wie Ron Arads flexibles Bücherregal „Bookworm“ oder Philippe Starcks transparenter Stapelstuhl „Ghost“ werden zu Ikonen und zeigen die Bandbreite, um die Kartell von anderen Firmen beneidet wird: Mal wird Traditionelles zitiert, mal entsteht originäres Design des 21. Jahrhunderts. Dabei helfen Stars von Tokujin Yoshioka bis zu Patricia Urquiola. Die Geschichte von über 60 Jahren „Kartell“ erscheint 2013 in einem 400-seitigen deutschen Prachtband im Taschen-Verlag. kartell.it

Hersteller und Designer mit L

„Col-letto“, Nusa Jelenec

„Col-letto“, Nusa Jelenec

„Slide“, Daniele Lago

„Slide“, Daniele Lago

LAGO

Bereits im späten 19. Jahrhundert in einem kleinen Ort bei Padua gegründet, blüht die Familienfirma gerade in jüngster Zeit auf – seit die vierte Generation die Geschicke leitet: die Geschwister Rosanna, Franco und Daniele Lago. Letzterer ist Designer und seine Wohnvisionen werden mit smarten Marketingideen vertrieben. „Appartamentos“ nennt sich das Konzept, das darauf setzt, neue Möbel in realer, häuslicher Umgebung zu zeigen. Kunden können sich zu günstigen Konditionen komplett mit Lago einrichten, um so bei privaten Events zu Botschaftern der Marke zu werden – die Entwürfe sollen dann für sich sprechen. Und das tun sie, stilsicher, optimistisch und mit technischer Raffinesse. Ess- oder Arbeitstische haben nachgebende Kanten und Betten behütende Kragen, Küchenelemente scheinen zu schweben und Tapeten mit Trompel'oeil-Dekor spielen sogar im Schatten mit einfallendem Sonnenlicht. Zu haben in 400 speziellen Lago-Shops – allein in Italien. lago.it

„Lem“, Shin & Tomoko Azumi

„Lem“, Shin & Tomoko Azumi

LAPALMA

Ein Barhocker ist fast zu einer Ikone des Firmenportfolios avanciert: „Lem“, ein Entwurf des japanischen Designer-Duos Shin + Tomoko Azumi, hat dem Unternehmen zahlreiche Aufmerksamkeit und Designpreise eingebracht. Ein zweimal gebogener, abgerundeter Metallrahmen hält im oberen Teil die Sitzfläche und wandelt sich im nahtlosen Übergang zur Fußstütze. Das schlichte, aber augenfällige Design darf in keiner coolen Bar fehlen. Das Unternehmen aus der Nähe von Padua aber allein auf dieses Stück zu reduzieren, wäre ungerecht. Seit mehr als 30 Jahren hat es sich modernem Design und rationaler Ästhetik verschrieben. Stühle, Loungemöbel und Tische werden von Designern wie Piergiorgio Cazzaniga, Alfredo Häberli und Francesco Rota beigesteuert. lapalma.it

Ferruccio Laviani

Ferruccio Laviani

„Bourgie“ (Kartell)

„Bourgie“ (Kartell)

LAVIANI, FERRUCCIO

„Die Stühle, die ich entworfen habe, sind fürchterlich“, meint Ferruccio Laviani, und das ist ziemlich kokett, immerhin sind sie bei Firmen wie Molteni im Programm. Sein Gestalterherz aber, so die Botschaft, gehört vor allem dem Licht. Geboren 1960, haben ihn Vorbilder wie Achille Castiglioni und Michele de Lucchi geprägt. In de Lucchis Büro arbeitet Laviani auch eine Weile nach seinem Mailänder Architektur- und Designstudium, ebenso bei Alessandro Mendini. Bis er den Schritt zum eigenen Studio wagt und Foscarini und Kartell als Kunden gewinnt. 2004 zeichnet er die kleine Leuchte „Bourgie“, nachempfunden einem barocken Leuchter aus dem Haus seiner Eltern; mit ihr will er dem zeitgeistigen Minimalismus Opulenz entgegensetzen. Der Erfolg überrascht auch Kartell und ist so groß, dass seitdem immer mehr Leuchten im Katalog der Kunststofffirma auftauchen. Für Laviani ist Plastik „ein faszinierendes Material, das heute dieselbe Bedeutung hat wie Glas und Holz“. Festgelegt darauf ist er nicht, für Fratelli Boffi hat er gerade einen etwas anderen Schrank entworfen: aus massiver Eiche, aber verzerrt wie eine Bildstörung. laviani.com

 Roberto Lazzeroni

Roberto Lazzeroni

„Astrid“ (Flexform)

„Astrid“ (Flexform)

LAZZERONI, ROBERTO

Schon während des Studiums der Kunst und der Architektur in Florenz zeigt Roberto Lazzeroni ein Faible für Dinge jenseits des Mainstreams, besonders ist er von Konzeptkunst und dem „Radical Design“ fasziniert. Seinen eigenen Entwurfsstil beschreibt er dagegen als „Sentimental Design“ und meint damit: Nicht so sehr industrielle Strategien sind für den 1950 in Pisa Geborenen wichtig, als mehr die visuelle Spannung seiner Objekte zwischen Rationalität und Phantasie, zwischen gesicherter Geschichte und noch zu erzählenden Geschichten. In Lazzeronis Studio in Navacchio bei Pisa entstehen inzwischen Entwürfe für Firmen wie Flexform, Lema, Gallotti & Radice, Poliform und Poltrona Frau – eigenwillig elegante Möbel, modern, aber doch über kurzfristigen Moden stehend. robertolazzeroni.it

"Nine", Alessandro Dubini

"Nine", Alessandro Dubini

LEMA

Das Streben nach Komfort steht im Mittelpunkt der Unternehmensphilosophie von Lema. Das von der Meroni-Familie in der Provinz Como gegründete Unternehmen fühlt sich einem modernen, aber entspannten Lebensstil verpflichtet. Die Produktion startet 1970 in einer von Angelo Mangiarotti entworfenen Fabrik. Anerkennung verdient sich die Firma mit Systemmöbeln, die individuell und maßgerecht aus einem großen Angebot an Oberflächen, Farben und Inneneinteilungen gewählt werden können, technisch ist man durch ein paralleles Firmensegment für Objektausstattungen immer auf allerneuestem Stand. Für Lema zeichnen heute Designer wie Ludovica und Roberto Palomba, Roberto Lazzeroni, Marc Sadler und Nendo, seit 1994 ist Piero Lissoni als Art Director unter Vertrag. lemamobili.com

Piero Lissoni

Piero Lissoni

„Mex“ (Cassina)

„Mex“ (Cassina)

LISSONI, PIERO

Seine Kundenliste liest sich wie ein immer wieder aktualisiertes Lexikon in Sachen Lifestyle: Alessi, Benetton, Boffi, Bonacina, Cappellini, Cassina, Flos, Fritz Hansen, Glas Italia, Kartell, Knoll International, Lema, Living Divani, Poltrona Frau, Porro, Tecno, Thonet. Dabei entwirft Piero Lissoni, der viel Gefragte, Jahrgang 1956, nicht nur Wohnobjekte – am liebsten und häufigsten Sofas –, sondern auch noch Showrooms, Hotels und Yachten. Nach dem Architekturstudium in Mailand arbeitet er als Designer bei Boffi, 1986 gründet er mit Nicoletta Canesi das Studio Lissoni, heute Lissoni Associati Milano. Sein Erfolgsrezept, von skandinavischen Vorbildern beeinflusst, besteht aus klassischen Design-Tugenden: Entwürfe ohne allzu große Eitelkeiten, von Konstruktion und Material ausgehend – aber locker, natürlich und mit unaufdringlichem Charme. lissoniassociati.com

„Familychairs“, Junya Ishigami

„Familychairs“, Junya Ishigami

„Kale“, Mario Ferrarini

„Kale“, Mario Ferrarini

LIVING DIVANI

Carola Bestetti steuert heute in zweiter Generation die Anfang der 1970er-Jahre als Polsterspezialist gegründete Lifestylemarke, die bei aller Weiterentwicklung ihre typische Balance zwischen technischer Innovation und handwerklichem Know-how hochhält. Seit 2012 gehört Living Divani zu „Altagamma“, einem Zusammenschluss engagierter italienischer Luxusmarken. Die gestalterische Linie prägt seit 1988 Art Director Piero Lissoni, der 2007 das größtmögliche Firmenstatement entwirft: Living Divanis kühn elegante neue Zentrale in Anzano del Parco in der Provinz Como. Koordiniert von Lissoni zeichnet die weltweite Designerelite für die stetig wachsenden, inzwischen auch Outdoorobjekte umfassenden Kollektionen: Junya Ishigami, Francesco Rota, Arik Levy, Claesson Koivisto Rune oder Piergiorgio Cazzaniga. livingdivani.it

„Hope“, Paolo Rizzatto, Francisco Gomez Paz

„Hope“, Paolo Rizzatto, Francisco Gomez Paz

LUCEPLAN

Der Leuchtenhersteller Luceplan steht gleich mehrfach für die Symbiose aus Design und Technik. 1978 gründen die Architekten Paolo Rizzatto, Riccardo Sarfatti und Sandra Severi das Unternehmen, wenig später wird auch Alberto Meda Teilhaber. Seit den 80er-Jahren gelingt der Firma vor allem dank ihrer beiden aktiv designenden Gesellschafter Rizzatto und Meda ein bis heute nicht abreißender Strom an stilprägenden neuen Leuchten, immer in raffiniert avantgardistischem Design und fortschrittlichster – was meist heißt: stetig kleiner werdenden – Lichttechnik. „Berenice“ (1985) etwa bringt mit einer kleinen farbigen Leuchtkuppel erstmals Poesie in den Markt der Schreibtischleuchten, „Costanza“ (1986) ist sowohl eine Hommage an den lange verpönten Typus der Schirmleuchte wie mit ihrer Druckknopf-Konstruktion ein Muster an Minimalismus – und die Hängeleuchte „Titania“ (1989) lässt mit wechselnden Farbfiltern innerhalb ihrer futuristischen Aluminium-Rippen Space-Feeling über Schreib- und Esstischen schweben. Angezogen von kurzen Entscheidungswegen geben aber auch externe Designerstars wie Jean Nouvel, Inga Sempé, Alfredo Häberli oder Ross Lovegrove gerne ihre neuesten Lichtideen in den Luceplan-Vertrieb. 2010 zeigt sich noch jemand fasziniert von der kleinen kreativen Company mit ihren 110 Mitarbeitern: der Weltkonzern Philips, der Luceplan komplett übernimmt, was in Zeiten des technischen wie gestalterischen Verschmelzens von (LED-) Leuchtmittel und Leuchte von der ganzen Branche als Win-Win-Idee fasziniert beobachtet wird. Zu den neuen Bestsellern im aktuellen Programm gehört die Micro-Prismen-Leuchte „Hope“. luceplan.com

„Daphine“, Tommaso Cimini

„Daphine“, Tommaso Cimini

LUMINA ITALIA

Eine radikal aufs technisch notwendige reduzierte Tischleuchte namens „Daphine“ – sie besteht nur aus einem Transformator, der auch als Standfuß dient, und einem zweiteiligen Gelenkarm mit Metallschirm – bringt ihrem Erfinder Tommaso Cimini 1975 so viel Lob, dass er eine eigene Leuchtenfirma gründet. Unterstützt von externen Designern wie Riccardo Blumer, Emanuele Ricci und Studio DDL will Lumina Italia in ihren Entwürfen strikt das Wichtigste einer Leuchte betonen: das Licht. Eine Firma im Glück – bis 1997 Gründer Tommaso Cimini bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kommt. Doch Mitgesellschafter Ermanno Prosperi und seit 2008 auch Tommaso Ciminis Sohn Ettore gelingt, was nicht jeder geglaubt hat: mit gut 40 Mitarbeitern die ambitionierte Firmen-Vision fortzusetzen. Norman Foster gehört heute zu den Stammdesignern, und Leuchten von Lumina Italia sind höchstgeschätzt – bis hinauf zum noblen „Jules Verne“-Restaurant im Eiffelturm. lumina.it

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