Design Hersteller und Designer von M-O

Hersteller und Designer mit M

„Spun“, Thomas Heatherwick

„Spun“, Thomas Heatherwick

MAGIS

Wer von Magis spricht, denkt meist an raffinierte Designobjekte und Kleinmöbel, entworfen von Avantgardisten. Dabei fängt die Firma ganz profan an. 1976 von Eugenio Perazza in Motta di Livenza nahe Venedig gegründet, hat sie ihren ersten großen Erfolg mit einer Trittleiter. Zum Dauer-Bestseller entwickelt sich der Barhocker „Bombo Stool“ von Stefano Giovannoni; mit seiner organisch ausgehöhlten Sitzschale verbindet er schnelle Wiedererkennbarkeit und lang anhaltende Bequemlichkeit. Was beim Gittersitz „Chair one“ von Konstantin Grcic vielleicht nicht jeder so empfinden mag, doch Designer wie Firma loten mit ihm die Grenzen des Aluminiumdruckgusses neu aus und ziehen in viele Designmuseen ein. Auch Ronan und Erwan Bouroullec verändern Sicht- und Produktionsweisen: Ihr „Steelwood Chair“ bringt Stahlblech und massives Buchenholz zusammen, eine bis dahin höchst seltene Kombination zweier Materialkulturen. Und „Spun“ schließlich, der wellige Kreiselhocker des Briten Thomas Heatherwick, zeigt uns seit 2010 das Abbild seiner Produktionsmethode: Polyethylen im Rotationsspritzverfahren. Langweilig wird es mit Magis-Objekten nicht. magisdesign.com

„Soho“, Marazzi Werksdesign

„Soho“, Marazzi Werksdesign

„Progetto Triennale“, Gio Ponti

„Progetto Triennale“, Gio Ponti

MARAZZI

Als Stützelemente seiner ersten Produktionsanlage nutzt Firmengründer Filippo Marazzi 1935 noch schlichte Pappelstämme – doch schnell kann sich das Unternehmen modernste Technologien leisten und gewinnt große Namen der Architektenszene für seine Fliesen. Der bekannteste ist Gio Ponti, der u. a. die berühmte „viermal gebogene Fliese“ entwirft. Unter dem Namen „Progetto Triennale“ ist sie bis heute im Marazzi-Katalog zu finden und gilt als eines der originellsten Keramikdesigns des 20. Jahrhunderts: Ponti hat dafür einfach zwei Halbkreise herausgeschnitten, sie an die danebenliegenden Seiten angesetzt und so das Fliesenquadrat in ein ungewöhnliches Puzzleteil verwandelt. Auch aktuelle Modemacher wie Paco Rabanne steuern heute Fliesendesigns bei und mehren den Ruhm von Marazzi Cheramiche, das 2005 den russischen Welor-Kerama Konzern übernahm. marazzi.it

Enzo Mari - „Sedia 1“ (Artek)

Enzo Mari auf „Sedia 1“ (Artek)

MARI, ENZO

„Design ist dafür da, dauerhafte Objekte zu schaffen, nicht um modische Dinge zu produzieren“, sagt Enzo Mari. Mit rund 60 aktiven Jahren und weit über 2000 Projekten ist er heute einer der erfahrensten italienischen Designer. 1932 in Novara geboren, studiert Mari zu Beginn der 1950er-Jahre an der Kunstakademie Brera in Mailand. Erste Aktivitäten liegen in der kinetischen Kunst, 1968 nimmt er an der documenta in Kassel teil. „Projekt“ ist ein zentraler Begriff bei Mari und ein Projekt entsteht fast immer in Zusammenarbeit mit anderen. Am Ende kann eine Ausstellung, ein Vortrag, ein Buch oder auch ein Produkt stehen, das wichtigste übergeordnete Projekt für Mari ist aber, die Menschen von ihrer Fixierung auf den „Gott der Märkte“ abzubringen. Anders als seine komplexen theoretischen Gedanken wirken seine Werke unmittelbar und emotional. Dazu gehören Spiele für Kinder wie das Puzzle „Seidieci Animali“ aus 16 ineinanderpassenden Tieren aus Holz für Danese, aber auch Möbel wie der elegante „Tonietta“-Stuhl für Zanotta oder das Porzellanservice „Berlin“ für KPM. Die edelsten Mari-Stücke finden sich seit 2012 in der Hermès-Kollektion und werden von B&B Italia hergestellt. Mari, der an verschiedenen italienischen Hochschulen lehrt, ist auch Ehrenprofessor der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Im Rahmen der Ausstellung „The Future of the Making“ wurde seine „kritische Designübung“ von 1973 gerade noch einmal in Mailand präsentiert.

„Loom“, Franco Poli

„Loom“, Franco Poli

„MM“, Jean Nouvel

„MM“, Jean Nouvel

MATTEOGRASSI

1880 eröffnet Matteo Grassi im lombardischen Örtchen Mariano Comense eine Sattlerei. Seine Sättel und Zügel sind aufgrund der hochwertigen Lederverarbeitung sehr begehrt. Nach dem Zweiten Weltkrieg verändert sich der Schwerpunkt des Betriebs: Die Erfahrungen der Sattlerei nutzen die Erben zunächst als Lederzulieferer auch für andere Betriebe, darunter viele Firmen aus der Möbelbranche; 1978 beschließt man, selbst eine Möbellinie auf den Markt zu bringen. Dem Material Leder und seiner anspruchsvollen Verarbeitung bleiben die Grassis treu, unterstützt von namhaften Designern wie Rodolfo Dordoni, Alessandro Mendini, Jean Nouvel und Piero Lissoni, der 2010 auch den neuen Firmensitz baut. 1994 kauft Matteograssi den Mailänder Traditionshersteller Pizzitutti, 2009 kommt die Edel-Outdoormarke Pierantonio Bonacina dazu. 2011 präsentieren die fünf Urenkel des Firmengründers, die heute das Unternehmen leiten, zusammen mit der Modefirma Borbonese erstmals eine Home Collection – die einst kleine Sattlerei ist zu einem umfassenden Lifestylekonzern gewachsen. matteograssi.it

„Osso“, Ronan & Erwan Bouroullec

„Osso“, Ronan & Erwan Bouroullec

MATTIAZZI

Mattiazzi hat sich seit 1978 einen Namen als Hightech-Holzverarbeiterœ gemacht. Mutiger als viele Kollegen setzen die Brüder Nevio und Fabiano Mattiazzi auf neueste Technik, ohne allerdings die handwerkliche Dimension zu vergessen. Experimentierlust trifft so auf gewachsenes Materialwissen, was sich besonders bei der Holzauswahl für das Endbild eines Möbels als existenziell erweist. Dank einer achtachsigen CNC-Fräse werden dann komplexe Formen möglich, die man sich bisher zwar in Kunststoff-Spritzguss, nicht aber in Holz hat vorstellen können. Das zieht avantgardistische Designer wie Konstantin Grcic, Ronan & Erwan Bouroullec, Jasper Morrison und Sam Hecht magisch an, die mit ihren gewagtesten Entwürfen gerne zu Mattiazzi ins friaulische Udine kommen. mattiazzi.eu

„Stub“

„Stub“

„Passe Partout“

„Passe Partout“

MCZ

Kaminfeuer strahlt eine besondere Aura aus – direkt, emotional und vereinnahmend. Wie schön, wenn sich ein solch archaisches Erlebnis nicht nur technisch, sondern auch optisch auf der Höhe der Zeit erleben lässt. MCZ baut seit den 90er-Jahren offene Heizkamine und Kaminverkleidungen, die ästhetisch auch in modernen Wohnungen gut aufgehoben sind – dank eines klaren Designprinzips: Die zurückhaltende Gestaltung lässt den Flammen visuell den Vortritt. MCZ, groß geworden mit Zement-Erzeugnissen, ist seit der Gründung 1975 vollständig im Besitz der Familie Zanette. Zunächst stehen Gartenkamine und Feuerstellen im Fokus, seit 2000 kommen Holzöfen dazu, auch in Pellet-Technik; als zukunftstauglich erhält das Raumluft- System „Comfort Air“ 2011 ein eigenes Patent. mcz.it

„Aluminium Bed“, Bruno Fattorini

„Aluminium Bed“, Bruno Fattorini

MDF ITALIA

1992 gründet Bruno Fattorini MDF Italia und prägt als Designer und Art Director lange den Stil der Familienfirma und gewinnt für sie viele Auszeichnungen, darunter 1998 auch den Ehren-„Compasso d’Oro“. Der Wachstumschancen wegen übernimmt 2007 eine Holding das Unternehmen, an deren Spitze die Familien Fratus, Maggini und der ehemalige Cassina-Eigner stehen. Unter ihrer Leitung baut MDF Italia seine Kollektionen aus, erweitert die ursprünglich vor allem weiße Produktpalette um viele farbige Objekte, die Möbel werden poetischer und etwas softer. Das kommt besonders im Ausland gut an, wo 75 Prozent des Umsatzes erzielt werden – was die neue Leitung ermutigt, auch viele nicht-italienische Designer zur Mitarbeit einzuladen, darunter Jean Marie Massaud, Neuland-Design oder Xavier Lust. „Wir verstehen uns als großes Team“, erklärt Teilhaber Umberto Cassina das Erfolgskonzept, „jeder spricht mit jedem, und dann macht jeder das, was er am besten kann.“ mdfitalia.it

Alberto Meda

Alberto Meda

"Otto Watt“, Luceplan

"Otto Watt“, Luceplan

MEDA, ALBERTO

Er gehört zu den erfolgreichsten Protagonisten des italienischen Designs, auch wenn er nie Design studiert hat. 1945 in Tremezzina (Como) geboren, arbeitet Alberto Meda nach Abschluss seines Maschinenbaustudiums zunächst bei Kartell in der technischen Entwicklung und ist dort verantwortlich für Möbel. Mit dieser Erfahrung und einem seltenen Auge für gestalterisch technische Zusammenhänge zeichnet Meda ab 1979 dann eigene Entwürfe für Firmen wie Alfa Romeo, Alias, Alessi, Gaggia, Philips und Olivetti, immer geleitet von seinem Faible für technische Herausforderungen. Seine größten Erfolge feiert er mit Leuchten für Luceplan, hier meist im Zusammenspiel mit Paolo Rizzatto, mit dem er auch mehrmals den „Compasso d’Oro“ gewinnt; Vitra ehrt ihn, indem eine ganze Bürostuhlserie („Meda Chair“) nach ihm benannt wird. „Gegenstände brauchen nicht nur eine Form, sondern einen Sinn“, erklärt Meda sein Gestaltungsprinzip, „ich glaube, der Mensch hat ein biologisches Bedürfnis nach Einfachheit, gerade weil er selbst so komplex ist.“ albertomeda.com

Alessandro Mendini auf "Proust“ (Magis)

Alessandro Mendini auf "Proust“ (Magis)

"Anna G“ (Alessi)

"Anna G“ (Alessi)

MENDINI, ALESSANDRO

Alessandro Mendini ist alles: Kreativer, Experimentator, Anstifter, Theoretiker, Publizist. Der Mailänder, Jahrgang 1931, studiert Architektur und steigt in den 70er-Jahren zu einer der Leitfiguren des „Banal Design“ auf, das frech und spielerisch gegen das feine „Bella Design“ rebelliert. Das will auch die Bewegung Alchimia, der er sich 1978 anschließt. Mit seinem „Re-Design“ belebt und ironisiert er hier vertraute Stil-Objekte – ein Barock-Sessel etwa wird, mit farbigen Pixeln bemalt, zu seinem berühmten „Poltrona di Proust“. Im Laufe der Jahre arbeitet Mendini für Alessi, Cassina, Driade, Artemide und Zanotta, er ist Chefredakteur von Casabella und Modo, Herausgeber von Domus und Mitbegründer der Domus Academy. Zu seinen Architektur-Projekten gehören das postmodern bunte Groninger Museum und Showrooms für Alessi und Bisazza. ateliermendini.it

„Scott“, Andrea Parisio

„Scott“, Andrea Parisio

MERIDIANI

Laura Ferraro Crosti hat klare Vorstellungen, als sie 1996 ihr Unternehmen gründet: Sie will eine Kollektion auf den Markt bringen, die es schafft, klassische Themen mit zeitgenössischem Flair zu interpretieren, zeitlose Möbel, die eine entspannte Eleganz vermitteln. Seitdem setzen die Firmenchefin und Andrea Parisio als Designer und Art Director diese Vorgaben so präzise um, dass sich das Unternehmen binnen weniger Jahre zu einem international renommierten Möbelproduzenten entwickelt. meridiani.it

„Montanara“, Gaetano Pesce

„Montanara“, Gaetano Pesce

MERITALIA

Nur der Vollständigkeit wegen sei erwähnt, dass das 1987 von Giulio Moroni gegründete Unternehmen durchaus auch klassische Möbel im Programm hat. Zu eigentümlich aber sind Meritalias pittoreske Kreationen, die in jedem Showroom, auf jeder Messe sofort ins Auge stechen und die ihre Betrachter entweder mit Entzücken oder Bestürzung zurücklassen, immer aber mit Eindrücken, die man nicht mehr so schnell vergisst. Maßgeblich verantwortlich dafür ist Gaetano Pesce, der mit seiner Polsterserie „Gli Amici“ – Sofas und Sessel in Gestalt von kindlich-naiven Tierköpfen – seit 2009 bei der Firma für Aufsehen sorgt. Und das mit der Polsterkreation „Montanara“ noch steigert, eine kitschige Sofalandschaft mit Wasserfällen als Sitzfläche und alpinen Gebirgen als Rückenlehne. Kaum dahinter verstecken muss und kann sich die bunt leuchtende Couch „La Lattea“ von Mario Bellini. Auch wenn die Publikumsreaktionen sehr unterschiedlich sind: Meritalia hat sich mit solchen Inszenierungen einen Namen gemacht, von dem auch Giulio Iacchetti, Karim Rashid und sogar Reeditionen von Afra und Tobia Scarpa profitieren. meritalia.it

„York Lounge“, Rodolfo Dordoni

„York Lounge“, Rodolfo Dordoni

„Cesar“, Rodolfo Dordoni

„Cesar“, Rodolfo Dordoni

MINOTTI

Was das Erfolgsgeheimnis von Möbeln „Made in Italy“ ist? Minotti aus Meda bei Mailand konzentriert sich auf zwei Schlüsselbegriffe: „Tradition und Technologie“. Die Firma, die Alberto Minotti in den 50er-Jahren ins Leben ruft, wächst schnell vom Handwerks- zum Industriebetrieb, in den 70ern und 80ern machen die Brüder Renato und Roberto das Label im Ausland bekannt. Aber alle halten am Handwerk fest: „Die Intelligenz der Hände ergänzt die industrielle Genauigkeit mit Sensibilität und Emotion“, heißt das Glaubensbekenntnis. Minotti legt bei seinen Polstermöbeln, Stühlen, Tischen, Sideboards, Betten und Teppichen großen Wert auf edles Finish und nimmt sich dabei den selbstverständlichen Luxus einer Haute Couture zum Vorbild. Nach Materialforschungen im firmeneigenen Technologie-Labor entstehen neue Produktlinien unter der externen Art Direction des Designers Rodolfo Dordoni. minotti.com

„Light Klass“

„Light Klass“

MOBILEFFE

Mit handgearbeiteten Möbeln starten die Gebrüder Frigerio 1968 ihre Firma in Cesano Maderno, einer jener zahllosen und sich oft ähnelnden Gemeinden im Norden von Mailand, die einen Großteil der italienischen Möbelhersteller beheimaten. Der gute Ruf und der Erfolg ihrer Kleiderschränke ermutigt die Gründer, erste kleine Serien aufzulegen und schließlich auch namhafte Gestalter wie Alessandro Mendini, Matteo Thun und Claudio Silvestrin mit Entwürfen zu beauftragen. Nach und nach entstehen so elegante, über das rein Funktionale hinausgehende Designerkollektionen von Wand-zu- Wand-Schränken bis zu Regalsystemen für private Bibliotheken. Geblieben ist auch in der Serienfertigung, was Mobileffe-Schränke und Garderoben von Beginn an auszeichnet: ihre zentimetergenaue Anpassungsfähigkeit an die persönlichen Bedürfnisse. Mittlerweile finden sich auch, sehr erfolgreich, Komfortbetten im Programm. mobileffe.com

„Chest of drawers“, Gio Ponti

„Chest of drawers“, Gio Ponti

„Sol“, Constance Guisset

„Sol“, Constance Guisset

MOLENTI

„Natürlich ist die Technik extrem wichtig“, sagt Carlo Molteni, „sie darf sich aber nicht aufdrängen. Am besten, man sieht sie gar nicht.“ Diesem Anspruch an Ästhetik und Funktion folgt die Firma schon seit ihrer Gründung Anfang der 1950er-Jahre. Die Geschichte dahinter jedoch ist noch älter. 1923 lässt sich Joseph Molteni in Saint-Uze nieder, einer Kleinstadt an der Grenze zur Provence. Hier produziert er „fourneaux bouilleurs“, technisch sehr ambitionierte Holz- und Kohleherde. Noch heute findet sich das Erbe dieses Geschäftszweiges in der immer größer gewordenen Molteni-Gruppe: Die Muttermarke fertigt Möbel, die Töchter „Dada“ Küchen und „Unifor“ Büroobjekte. Seit jeher arbeitet die Firma mit großen Gestaltern zusammen, wie Michele De Lucchi, Rodolfo Dordoni, Ferruccio Laviani, Luca Meda, Aldo Rossi, Afra und Tobia Scarpa, Patricia Urquiola und Paola Navone. Ein Coup ist 2012 die Erschließung des Gio-Ponti-Archives; von der Geschichte her wäre dafür Cassina prädestiniert gewesen, aber Carlo Molteni erweist sich als mutiger. Die Überraschung: Obwohl Ponti zu Lebzeiten nie für die Firma arbeitete, passen seine wiederaufgelegten Möbel kongenial in die klassisch elegante Molteni-Welt. molteni.it

„M.a.s.s.a.s.“, Patricia Urquiola

„M.a.s.s.a.s.“, Patricia Urquiola

MOROSO

Seit über 60 Jahren produziert Moroso anspruchsvolle Polstergarnituren. Viele davon finden sich auf Kreuzfahrtschiffen, an Flughäfen oder in Hotels, überall dort also, wo es auf Design ankommt, noch mehr aber auf absolut verlässlichen, dauerhaft funktionalen Komfort. 1952 gründet Agostini Moroso das Familienunternehmen in Udine, seit 1981 bestimmen Sohn Roberto und Tochter Patrizia den innovativen Kurs. Die zweite Unternehmergeneration forciert schnell und beherzt die Zusammenarbeit mit Architekten und Gestaltern aus aller Welt und entdeckt die Entwicklungschancen von Autorenentwürfen und Designerkollektionen. Der skulpturale Sessel „Soft big easy“ zum Beispiel, von Ron Arad nach eignen metallenen Vorläufern in eine Polsterfassung übersetzt, fehlt heute in keinem bedeutenden Designmuseum mehr. Mit dem Unternehmen arbeiten Designer von Massimo Iosa Ghini, Carlo Colombo und Patricia Urquiola bis zu Marc Newson oder Toshiyuki Kita. Das Londoner Designerpaar Nipa Doshi und Jonathan Levien begründet mit Moroso-Projekten seine Karriere. Zu den technologisch aufregendsten Möbeln gehört der stapelbare „Hemp Chair“ von Werner Aisslinger, „A&W-Designer des Jahres 2014“: Der besteht aus einem leicht federnden Verbundstoff aus Hanf und Kenaf-Malve. moroso.it

Massimo Morozzi

Massimo Morozzi

„Lineari“ (Edra)

„Lineari“ (Edra)

MOROZZI, MASSIMO

In Praxis und Theorie gleichermaßen zu Hause ist der 1941 in Florenz geborene Massimo Morozzi. Dies zeigt sich bereits Mitte der 60er-Jahre, als er Teil der italienischen „Anti-Design“-Bewegung und Mitgründer der legendären „Archizoom“-Gruppe wird. In den 70er-Jahren widmet er sich im Centro Design Montefibre der Designforschung und verdient sich hier mit seinen Studien einen eigenen „Compasso d’Oro“. In der Mitte der 80er-Jahre wird Massimo Morozzi Art Director bei Edra, arbeitet aber darüber hinaus auch für Cassina, Driade, Fiam und Alessi. Seine Entwürfe zeichnen sich durch neue funktionale Ideen aus, mehr noch aber durch die expressive Lust an Humor und Provokation, dank der er vor allem Edra ein eigenwilliges Image aufbaut. So tanzen Morozzi-Schranksysteme z. B. fast buchstäblich aus der Reihe, legen sich in Kurven oder stapeln sich zu Skulpturen. Seine Arbeiten finden sich heute auch im Museum of Modern Art in New York oder im Musée des Arts décoratifs in Paris.

„Azulei“, Patricia Urquiola


„Azulei“, Patricia Urquiola

MUTINA

Nach 30 Jahren in der Keramikproduktion richtet Mutina im Jahr 2006 sein Business noch einmal völlig neu aus. Unter der Führung von Massimo Orsini setzt das Unternehmen aus Sassuolo auf Gestaltungsleitlinien von Dieter Rams, Mies van der Rohe oder Bruno Munari. In der Produktentwicklung rücken Innovation und Ästhetik in den Vordergrund, Fliesen sollen nicht länger nur robust pragmatischer Boden- oder Wandbelag sein, sondern zum integralen Bestandteil der häuslichen Umgebung werden. Mutina sieht sich verstärkt als Verleger und setzt auf individuelle Kollektionen, die neue Technologien mit handwerklichen Details verbinden wollen. Ideale Bedingungen also für Designer wie Ronan und Erwan Bouroullec, Raw Edges, Tokujin Yoshioka und Patricia Urquiola, die vorher nicht mit Keramik gearbeitet haben und nun für und mit Mutina die Möglichkeiten von aufwendigen, dekorativen Oberflächenstrukturen ausloten. mutina.it

Hersteller und Designer mit N

„Cambré“

„Cambré“

NATUZZI

Die Natuzzi-Gruppe ist einer der Big Player der italienischen Möbelbranche, mit seinen Umsätzen (486,4 Millionen in 2011) setzt das Unternehmen immer wieder betriebswirtschaftliche Rekordmarken, fast 90 Prozent der Produktion wird in 123 Länder exportiert. Überwiegend sind es Leder-Polstermöbel. Die Geschäfte der 1959 in der Nähe von Bari gegründeten Gruppe, seit 1993 auch an der New Yorker Börse notiert, liegen in den Händen ihres Namensgebers Pasquale Natuzzi. Und der legere Look der Produkte auch. Im „Centro Stile Natuzzi“ arbeiten ihm rund 120 Designer und Materialexperten zu, koordiniert von einem riesigen Zentral-Desk, an dem die Entwürfe auf die Kollektionslinien „Natuzzi“, „Italsofa“ oder „Leather Editions“ verteilt werden. Rund 100 Produktneuheiten im entspannt zeitlosen Stil entstehen so pro Jahr. Vor allem die konkurrenzlos günstige Verarbeitung von Leder aller Qualitäten und Preisklassen gehört zu den Stärken von Natuzzi. natuzzi.de

Paola Navone

Paola Navone

„Gray“ (Gervasoni)

„Gray“ (Gervasoni)

NAVONE, PAOLA

Sie ist eine Sammlerin und Sucherin, eine moderne Nomadin: Paola Navone gebührt der Verdienst, in ihrem Werk handwerkliche Traditionen zu wahren und auf moderne Weise immer wieder neu zu interpretieren, wofür sie bereits im Jahr 2000 als „A&W-Designer des Jahres“ geehrt wird. Durch ihre gefühlvolle Verknüpfung von asiatischen Einflüssen mit westlicher Ästhetik ist sie maßgeblich daran beteiligt, den Ethno-Look im Möbeldesign populär zu machen. Sofas mit Hussen, Beistelltischchen, ganz rustikal aus kleinen Baumstämmen oder elegant in Hochglanzlack, Objekte aus Drahtgeflecht und gehämmertem Silber – all dies sind direkte Ergebnisse ihrer weltweiten Forschungs- und Recherchereisen. Solche Entwürfe produziert sie seit 1988 in der gemeinsam mit Giulio Cappellini gegründeten Firma Mondo. Paola Navone entwirft für viele große Namen der italienischen Möbelszene wie Alessi, Driade und Zanotta. Seit 1998 ist sie Art Directorin bei Gervasoni und prägt den Stil der Firma, die für unkonventionelles, mediterranes, legeres Wohnen steht. paolanavone.it

„Paffuta“ (Discipline)

„Paffuta“ (Discipline)

Luca Nichetto

Luca Nichetto

NICHETTO, LUCA

Eine Klassifizierung wie „Nachwuchsdesigner“ lehnt Luca Nichetto, Jahrgang 1976, strikt ab. Unbestreitbar gehört er jedoch zur Generation junger Designer, die neben und nach den Altmeistern der Blütezeit ihren eigenen Platz suchen mussten. Und auch gefunden haben. Luca Nichetto, geboren in Venedig, wo er auch italienisches Design studiert, wird für einheimische Firmen wie Salviati und Foscarini tätig. Heute betreibt er ein Zweit-Büro in Stockholm und fühlt sich international zu Hause. Produkte entwirft Nichetto für große Marken wie Moroso, Cassina oder Venini ebenso wie für junge Labels wie Discipline oder One Nordic. Die Kölner Möbelmesse beauftragt ihn für die IMM Cologne 2013 mit der konzeptionellen Rauminstallation „Das Haus“. Wie viele Designer seiner Generation, ist er auf der Suche nach einer Formensprache, die sich mehr dem Lebensgefühl als der reinen Funktion verpflichtet. Aus diesem Geist entsteht ebenfalls 2013 eine aufsehenerregende Fern-Zusammenarbeit Nichettos mit dem japanischen Designerstar Nendo. lucanichetto.com

„Her“ (Casamania)

„Her“ (Casamania)

„Org“ (Cappellini)

„Org“ (Cappellini)

NOVEMBRE, FABIO

„Seit 1966 höre ich auf alle, die mich Fabio rufen, seit 1992 antworte ich auch denen, die mich ‚Architetto’ nennen“ – so reduziert stellt sich Novembre auf seiner Website vor. Im wirklichen Leben ist er eine Art Enfant terrible der italienischen Designszene. 1965 wird er im süditalienischen Lecce geboren, studiert am Mailänder Politecnico Architektur und nimmt 1993 an einem Kinokurs der New Yorker Universität teil, weil er Regisseur werden will. In New York lernt er die Modemacherin Anna Molinari kennen und bekommt den Auftrag, ihren Showroom in Hongkong zu gestalten, weitere Shops in Europa und Asien folgen. 1994 kehrt er nach Mailand zurück, eröffnet sein eigenes Designstudio. Er gestaltet Clubs, Hotels und Showrooms und arbeitet in den Jahren 2000 bis 2003 als Art Director von Bisazza. Erste Möbelentwürfe für Cappellini zeigen einen starken Bezug zum Raum, wenn er etwa ein Sofa als übergroße Endlossitzschleife inszeniert. Auch die gestalterische Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper spielt für Novembre eine wichtige, mitunter obsessive Rolle. Liebe, erklärt er dies, sei „der einzige Treibstoff in meiner Maschine“. Seine Kunststoffstühle „Her“ and „Him“ für Casamania interpretieren die berühmten Panton-Stühle als Abdrücke nackter Pos; für Driade gestaltet Novembre „Nemo“ 2010, einen Sessel in Form einer überdimensionalen Maske und für Gufram variiert er das Thema 2013 und entwirft mit „Jolly Roger“ einen Sitz, dessen Rückseite einem Totenschädel gleicht. Ein klassischer „Architetto“ scheint Fabio in diesem Leben nicht mehr werden zu wollen. novembre.it

HERSTELLER UND DESIGNER MIT O

„Kin“, Francesco Rota

„Kin“, Francesco Rota

„Spider“, Joe Colombo

„Spider“, Joe Colombo

OLUCE

Oluce ist Synonym für Rekorde: 1945 von Giuseppe Ostuni gegründet, gilt die Firma als eine der kreativsten Leuchtenmanufakturen Italiens. Kaum eine andere bringt so viele bahnbrechende Entwürfe auf den Markt. 1951 nimmt Franco Buzzi mit einer Leuchte an der IX. Triennale teil und erregt großes Aufsehen. Anfang der 1960er-Jahre stoßen die Brüder Joe und Gianni Colombo dazu und entwerfen eine Ikone nach der anderen. Legendär wird ihre „Spider“, die nicht nur den „Compasso d’Oro“ gewinnt, sondern auch in der prestigereichen Ausstellung „Italy: the New Domestic Landscape“ 1972 im New Yorker MoMA vertreten ist. 1970 kreiert Joe Colombo die erste Halogenleuchte überhaupt, sie geht 1972 in Produktion. Vico Magistretti übernimmt in jener Zeit als Art Director die Leitung der Kreativabteilung. Er selbst zeichnet verantwortlich für einen weiteren langlebigen Klassiker: „Atollo“, eine Licht gewordene geometrische Skulptur. Die Reihe der Designer erweitert sich in den folgenden Jahrzehnten immer wieder um spannende, internationale Namen, unter ihnen die Brasilianer Fernando und Humberto Campana, der Finne Harri Koskinen, der Amerikaner Tim Power oder der Japaner Nendo. oluce.com

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