Italien Turins Wege in die Zukunft

Designer-Trio UAU

Seit einigen Jahren sucht Turin Wege in eine Zukunft, die die Stadt unabhängig vom Auto macht. Ein Meilenstein in diese Richtung bedeutete die erfolgreiche Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2006. Neben der Fußgängerbrücke, die sich an einem markanten roten Trägerbogen über die Schienen zwischen Lingotto und olympischem Dorf spannt, hat Turin diesem Event vor allem eine elegante Sporthalle des japanischen Stararchitekten Arata Isozaki zu verdanken, in der seit den Spielen große Rock- und Pop-Konzerte und Opern wie „Romeo und Julia“ stattfinden. Vor der vollflächig verspiegelten Rückwand der Haupttribüne fühlen sich vereinzelte Besucher wie Ameisen in der Unendlichkeit. Auch die drei Mitglieder der Designgruppe UAU, die sich fürs Foto in Positur stellen. „Uau“ ist die italienische Lautsprache für „wow“ und solche Anerkennung ernteten sie, als sie 2004 für das nahe Turin ansässige Unternehmen Gufram einen Sitz entwarfen (A&W 4/06), der wie ein Golfball auf dem Abschlag-Tee aussieht, den „Siedi-tee“, was phonetisch übersetzt auch „setz dich“ heißt. „Wir finden es befremdlich, dass dies unser erstes Interview in diesem Jahr ist“, bemerkt Gianlucca Macchi, einer der drei Teilhaber des Designbüros. Und das, obwohl Turin für 2008 als erste Stadt weltweit den Titel „World Design Capital“ erhalten hat.

Im Zuge der Vorbereitungen auf die Olympischen Winterspiele erhielt Turin moderne Infrastrukturen, eine U-Bahn, die ohne Fahrer fährt, es wurden und werden ganze Stadtviertel, meist ehemalige Industriegebiete, niedergerissen und in moderne Siedlungen und Parks umgewandelt. Highlight dieser neuen Viertel im Westen und Norden der Stadt ist die Kirche Santo Volto (Heiliges Gesicht) des renommierten Tessiner Architekten Mario Botta. Der Bau ist äußerlich eine kantige Architekturskulptur, innen beeindruckt die sakrale Lichtführung und das in Stein verewigte Antlitz Jesu, das dem Abdruck auf der „Sidone“, dem weltberühmten Turiner Grabtuch, nachempfunden ist. Aber neben Fiat und Grabtuch hat die Stadt vieles mehr zu bieten, vom leckeren Nougat „Gianduia“ und den Weinen der nahen Langhe einmal abgesehen.

 

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Autor:
Jan van Rossem
Fotograf:
Angela Bergling