Italien Zeitgenössische Kunst in Turin

Wie keine zweite Stadt Italiens hat sich Turin zeitgenössischer Kunst verschrieben.

Institutionen wie die Fondazione Sandretto Re Rebaudengo, die in dem 2002 von dem Minimalisten Claudio Silvestrin entworfenen Gebäude spektakuläre Ausstellungen zeitgenössischer Kunst präsentiert (aktuell Visionen für die Gestaltung von Gefängnissen von bekannten Architekten), sind stellvertretend.

Aber auch private Kunstgalerien von Weltruf wie die Galleria Franco Noero sind in der Stadt ansässig. Die residiert seit Anfang des Jahres in einer der Sehenswürdigkeiten der Stadt, einem Haus, das im Volksmund „La Fetta di Polenta“ heißt. Das tortenstückförmige Gebäude ist in der Spitze nur ganze 57 Zentimeter breit. Es erinnert deshalb die Einheimischen an ein Stück ihres geliebten Maisgrießbreis. Errichtet hat es der Turiner Meisterarchitekt Alessandro Antonelli, der seine konstruktive Begabung auch an der dann nach ihm benannten Mole Antonelliana demonstriert hat, die zum Wahrzeichen Turins wurde. Ursprünglich als Synagoge gedacht, baute Antonelli entgegen der Pläne immer höher, bis die auftraggebende jüdische Gemeinde die Bauherrenschaft niederlegte.

Kunst im Castello di Rivoli
„Houseball“ von Claes Oldenburg und Coosje van Bruggen

„Houseball“ von Claes Oldenburg und Coosje van Bruggen.

Die charmante Gegensätzlichkeit der Stadt ist auch vor den Toren Turins zu erleben – zum Beispiel im Castello di Rivoli, einem der zahlreichen Lustund Jagdschlösser, die die Savoyer während ihrer Regentschaft wie einen Kranz rund um die Stadt auf den Hügeln errichteten. Das Castello di Rivoli ist die älteste Anlage. Im Mittelalter noch eine Burg, die den Eingang des Susatals kontrollierte, beherbergt es heute in seinen mit Fresken übersäten, barocken Sälen das beste, was die zeitgenössische Kunst zu bieten hat: In dem stilvollen Ambiente kommen die Werke von Maurizio Cattelan, Anselm Kiefer, Rebecca Horn und vielen anderen sehr speziell zur Geltung.

Auch Michelangelo Pistoletto, Sohn der Stadt und Mitbegründer der Arte povera, die sich aus Alltagsgütern nährt. Ausgestellt ist sein wandfüllender Spiegel in einem Goldrahmen in vier Teilen. „Spiegel begleiten mich durch mein gesamtes Künstlerleben“, sinniert der Meister, der mit 70 Jahren und weißen Haaren noch ganz kernig aussieht. „Für meine Selbstporträts brauchte ich Spiegel. Der Spiegel sorgt auch für Interaktion beim Betrachter. Der Spiegel repräsentiert die Welt.“

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Autor:
Jan van Rossem
Fotograf:
Angela Bergling