Spanien Traditionelles Essen und Porzellan

In den zahlreichen Strandrestaurants bietet es sich an, eine Paella valenciana zu probieren. Die Reispfanne mit Kaninchen, Huhn und Erbsen, das Nationalgericht Spaniens, wurde hier erfunden. In Valencia schmeckt sie überall gut. „Am besten aber zu Hause bei Freunden“, verrät Alberto Martínez eine alte valencianische Küchenweisheit. Alberto ist Mitglied der Designergruppe Cul de Sac, deren Studio ein Zwei-Zimmer-Küche-Bad-Appartement für durchreisende Designer angeschlossen ist. Die vier von Cul de Sac, außer Alberto gehören noch Pepe García, Francisco Pons und Pilar Roger dazu, entwickeln in ihrem „Freistil-Labor“ gemeinsam mit den Gastdesignern ungewöhnliche Projekte. Neben konventionellen Auftragsarbeiten wie Serviettenboxen im Graniniflaschen-Look entwerfen sie Produkte, die Handwerkern und Mitmenschen in ihrer Umgebung neue Möglichkeiten erschließen. Lokalen Schmieden gestalteten sie schon mal Zäune mit Zusatzfunktionen: Die Zaunspitzen sind in Büroklammerform geknickt, dienen als Zeitungshalter oder enden als Türglocke. Die Designer kümmerten sich auch um eine alte Frau, die Velázquez-Figuren bemalt hat, bis niemand mehr eine dieser spanischen Ikonen kaufen wollte. Cul de Sac interpretierte für sie eine andere Ikone neu: die Kuckucksuhr, in Pappmaschee. Die bemalt die alte Frau jetzt. Die Designer planen unterdessen eine Installation aus Weihnachtskugeln und -glocken, die ihnen die Firma Lladró kistenweise zur Verfügung stellt.

Das ist eine sinnvolle Verbindung. Die mit ersten Lorbeeren bedachten Designer arbeiten erstmals mit Valencias Vorzeigefirma zusammen. Die Porzellanmanufaktur Lladró ist mit 2000 Angestellten der drittgrößte Arbeitgeber der Stadt und, schon von außen erkennbar, ein höchst ungewöhnliches Unternehmen. Hinter dem Eingang ersteckt sich auf einer riesigen Freifläche ein verführerischer Pool in olympiareifen Ausmaßen. Dahinter ein Fußball- und ein Basketballfeld, der Rest des Platzes wird von den zahlreichen Open-Air-Sitzen der Cafeteria eingenommen.

Im Hintergrund sind nüchterne Zweckbauten für die Produktion auszumachen. Erstaunlich, dass die Mitarbeiter freiwillig an ihre Arbeitsplätze zurückkehren, an denen sie in akribischer Handarbeit romantische Porzellanfiguren produzieren, die sich in aller Welt, vor allem in Japan und den USA, größter Beliebtheit erfreuen. Und so fördert das Unternehmen sogar den Tourismus. Die Fans dieser Figuren gehören zu den treuesten Besuchern der Stadt. Auch andere Spanienurlauber kommen für einen Ausflug aus Barcelona und Mallorca, um den Arbeiterinnen zuzusehen.

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Autor:
Jan van Rossem
Fotograf:
Robert Fischer