Spanien Valencia in Feierlaune

In gewissem Sinne der Gegenpol zu den zarten Porzellanerzeugnissen ist die größte Show, die Valencia jährlich bietet. Ende März herrscht akustischer Ausnahmezustand. Las Fallas (die Feuer) heißt das Fest, das die Stadt und zigtausende von Besuchern begeistert. Über 30 Meter hohe, das ganze Jahr über kunstvoll aufgetürmte Figuren werden an zahlreichen Plätzen der Stadt unter dem Johlen der Schaulustigen verbrannt. An den letzten beiden Tagen wird das Spektakel begleitet von ohrenbetäubenden, nicht enden wollenden Feuerwerken. Zu den nächsten Fallas wird dann wohl auch endlich die jüngste Sehenswürdigkeit der Stadt fertig gestellt sein: Calatravas Meisterwerk für Valencia – das Opernhaus, das aussieht wie ein antiker Helm, wird die Kunst- und Wissenschaftsstadt gen Westen begrenzen.

Bis dahin feiert die Stadt im wieder entdeckten Altstadtviertel El Carmen – meist bis in den frühen Morgen. Vor wenigen Jahren hat die kreative Szene die (billige) Gegend okkupiert und langsam wieder aufgepäppelt. Immer häufiger blitzen restaurierte architektonische Juwelen in den engen Gassen von El Carmen auf, das geprägt ist von den zahlreichen Mode- und Designshops, bunten Bars und Restaurants. Das ist das Revier von Juanico. Der 32-jährige Designer entwirft Objekte wie Nachttische, unter deren Glasplatte ein Riesenwecker tickt, und Espressotassen mit einem Ohr als Henkel. Sachen, die auch gut in seinen Lieblingsladen „Shop Suey“ hier im Viertel passen würden.

El Carmen ist die Keimzelle Valencias. Am Rand stehen noch zwei mächtige Stadttore, vor denen früher der Río Turia als natürlicher Wassergraben gedient hat. Dass er heute als Naherholungsanlage genutzt wird, ist ein Beispiel gelungener Stadtentwicklung. Nur die Natur scheint auf solche Eingriffe übellaunig zu reagieren und hat in diesem Fall einen besonders perfiden Racheplan entworfen. Der wegen der Überschwemmungen umgelenkte Fluss ist in den letzten Jahren nahezu ausgetrocknet.

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Autor:
Jan van Rossem
Fotograf:
Robert Fischer