Handwerk Stilvoll wärmen

Kachelöfen, made in Italy – kein ungewöhnlicher Gedanke. Sergio Leoni pflegt seit über 50 Jahren die alte Handwerkstradition. Seine Unikate machen eine vollendete Bella Figura.

Die erste Regel des Ofenbauers: Die Erde darf nicht zum Stillstand kommen. Die zweite: Sprich nicht über ihre Zusammensetzung. Und so dreht sich in einem brunnenartigen Gefäß auf dem Boden der Werkstatt von Sergio Leoni ein warmer Teig aus Ton und Porzellanerde und noch dieser oder jener Zutat – ohne Unterlass, sieben Tage die Woche. Selbst an katholischen Feiertagen bleibt die Erde in Bewegung. Für den 82 Jahre alten Ofenbauer aus San Polo d’Enza nahe Parma am südlichen Rand der Poebene ist die geschmeidige Glätte des Materials eines der Geheimnisse für den Erfolg. Ein zweites ist die wohlige und recht schnell erzeugte Wärme, die seine Öfen verbreiten, weil sie Strahlungsund Konvektionswärme kombinieren. Und ein drittes, natürlich, ist der stolze Auftritt der keramischen  Kunstwerke: In ihrer üppigen Pracht aus sanft schimmernder Oberfläche, dezentem Ornament und harmonischen Proportionen machen sie eine Bella Figura sogar in
modernen Räumen. Vielleicht gerade da: Sie passen sich ein, doch nie würden sie sich einfach unterordnen.


Jedes einzelne Teil wird von Hand gefertigt; die Techniken dafür haben sich seit Jahrhunderten bewährt. Die breiig flüssige Erde wird in Gipsformen gegossen – natürlich auch sie handgemacht – und gebrannt. Vorher von Meisterhand geglättet und in ihren Linien und Ornamenten konturiert; erst nach dem ersten Brand  gefärbt, glasiert und erstmals probeweise zusammengefügt. Dann nochmals gebrannt, diesmal nicht mehr bei 1050, sondern nur noch bei 950 Grad, und schließlich, wenn gewünscht, von erfahrenen Dekormalern mit Ranken und Borten geschmückt. Schließlich? Ein dritter Brand ist nötig, um die Farben zu fixieren. Er gibt der Oberfläche ein feines, elegantes Craquelé. 2800 bis 10 000 Euro kosten die Unikate von Sergio Leoni, dessen Firma seit Kurzem zur MCZ Group gehört, die Kamine und Öfen herstellt.


„Wir haben unsere Arbeit durch Technik beschleunigt“, gesteht Matteo Leoni, der Sohn des Firmengründers. „Wir haben eine Trockenmaschine angeschafft. Jetzt dauert das Trocknen nicht mehr bis zu 15 Tage, sondern höchstens zwei.“ Alles andere bleibt Handarbeit wie in ganz alten Zeiten: Kunst, Erfahrung und, wie Leoni senior immer wieder betont, Leidenschaft. Sein Maßstab ist Perfektion: Ein Kachelofen von Sergio Leoni wiegt gut und gern eine halbe Tonne. „Das sieht man nicht unbedingt von außen“, sagt er. „Ein Ofen ist langlebig und wärmt gut, wenn er robust ist, wenn das Material eine gewisse Dicke und Konsistenz hat. Dabei werden meine Öfen nicht gemauert, sondern nur aufgebaut.“ Der Feuerraum aus Stahl wird mit einer maßgeschneiderten Kermikschürze verkleidet, die je nach Modell aus zwölf bis maximal 25 Teilen besteht – einem Bausatz, der auseinandergenommen, transportiert und wieder präzise zusammengesetzt werden kann. Schließlich möchten selbst die Besitzer eines gemütlichen Kachelofens vielleicht einmal umziehen.

sergioleoni.com

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Autor:
Cecilia Fabiani
Fotograf:
PR