Gestaltung Möbel als Bühne für´s Leben

Stühle mit heissen Kurven und Wespentaille, hochglänzende Kindermöbel und Sofas mit Schleifenapplikationen. Mit ihren betont femininen Entwürfen schrammt die Slowenin Nika Zupanc haarscharf am Kitsch vorbei - aber mit kühler Berechnung.

Beim Up-Hill-Jogging („So eine slowenische Spezialität“) an ihrem Lieblingshügel vor den Toren der Stadt und im Sommer beim Windsurfen („Total süchtig“) an der kroatischen Küste bekommt sie genug Sauerstoff, wie ihre schon nach wenigen Jahren umfangreiche Produktpalette belegt. Sie hat für Moroso den „Tailored Chair“ entworfen, einen Stuhl mit schwarzem Leder bezogen, roten dünnen Beinen und schlanker Taille zwischen Sitz und Rücken, auch Sofas mit Schleifen an der Seite. Allerdings sind die nicht sehr gemütlich. Weil: „Wenn es zu komfortabel ist, hört man auf zu denken“, glaubt Nika. Sie hat 2006 – quasi zur Geburtsstunde ihres Berufweges – die Babywiegen „Boris“, „Vladimir“ und „Alexander“ präsentiert, mal mit roten Herzchen, mal mit angedeuteten Spitzen an den Rändern. Herkömmliche Babymöbel, fand sie, reduzierten die jungen Mütter auf deren neue Funktion. Dass sie sich mit Babymöbeln beschäftigte, hatte nach eigener Aussage nichts damit zu tun, dass sie gerade ein besonderes Eigeninteresse an dem Thema hatte. In diesem Jahr kam ihr Sohn zur Welt.

Design versteht sie nicht als Herausforderung, Form und Funktion zu verbessern. „Neue Möbel brauchen wir nicht mehr. Es gibt doch alles“, sinniert sie. „Heute sucht man die Bühne für sein Leben. Und die Möbel sind die Elemente der Kulisse.“ Wie ihre neueste Serie „Self Discipline“: Die begann mit einem Bürostuhl. Einem ausgesprochen femininen natürlich. „Büromöbel sind technisch, funktional und maskulin. Ich wollte Emotion in diese Welt bringen.“

Ihr Stuhl in schwarzem Leder lässt sich wie eine Ziehharmonika in der Höhe verstellen, der Schreibtisch, schwarz lackiert mit grüner Platte, bietet ein Fächersystem wie ein Dokumentenordner, den man mit goldener Kurbel auf- und zufächert. Ihre Möbel sind geheimnisvoll, obsessiv. „Eine Autorensprache zu finden ist mein Ziel.“ Sieht aus, als sei ihr das bereits gelungen.

 

Autor:
Jan van Rossem
Fotograf:
Manuel Krug