Vielfältige Werke

Dringend möchte er darauf hinweisen, dass er nicht nur Leuchten entwirft. Auch nicht nur Installationen. Es gibt einen Beistelltisch in Form eines vergrößerten Außenspiegels, so wie er in Londons Straßen am häufigsten angetroffen wird: mit zersplitterter Spiegelfläche. Auch ein Sideboard hat er gestaltet. „Barnacle“ ist aus schwarz gefärbten Abformungen seltsamer Strandfundstücke zusammengesetzt, inspiriert von Schiffswracks auf dem Meeresgrund. Unter Marketing-Gesichtspunkten ein fragwürdiger Name. Ein „barnacle“ ist eine Gemeine Seepocke.

Auf der Kunst-Biennale in Venedig wird Haygarth dieses Jahr ein Werk zeigen, das entfernt mit dem Beistelltisch verwandt ist. Ein verspiegeltes Gewächshaus, das das alte Sprichwort „Wer im Glashaus sitzt ...“ visualisiert. Die Spiegel sind zerborsten.

Albert begleitet ihn heute nicht mehr. Am Strand ist Stuart Haygarth aber immer noch unterwegs. Mehr denn je. Für eine Installation im Macmillan Krebs-Center hat er die gesamte Südküste Englands abgewandert und abgesammelt. 500 Meilen. Vier Monate lang. Von Gravesend an der Themse-Mündung bis Land’s End, dem westlichsten Punkt. Die farblich sortierten Fundstücke hat er an zig Kilometer Faden gehängt. Wie eine Explosion bersten die Einzelteile der Installation auseinander. „Strand“ heißt sie. Ein Name mit multipler Bedeutung: Das englische Wort „strand“ bedeutet Faden (an dem alles hängt), aber auch so etwas wie Fasern und Späne (aus dem Leben der Menschen, die die Sachen zurückgelassen haben). „Und“, schmunzelt er voller Vorfreude, seinen Hamburger Gesprächspartner gleich ganz schön zu überraschen: „Strand ist ja auch das deutsche Wort für beach.“

Autor:
Jan van Rossem
Fotograf:
Manuel Krug, Stuart Haygarth