Geschichten der Zeit Die Zeit

Ein paar kurze Geschichten der Zeit: Wie der junge niederländische Designer Maarten Baas mit seinem neuesten Projekt „Real Time“ die Uhr neu erfand und wie ihn Altmeister Bob Dylan auf die Idee gebracht hat.
Die Zeit

Projekt „Real Time“

Neuinterpretation von Großvaters Standuhr: Bei dem Projekt „Real Time“ von Maarten Baas steht jemand im Gehäuse und malt ab und zu die Zeiger an die aktuell richtige Position.

Ein Eindruck, der sowohl in die Irre als auch direkt zum Thema führt. Denn die Zeit steht bei Maarten Baas’ neuestem Projekt, das er erstmals während der Mailänder Möbelmesse im April im Off-Programm vorgestellt hat, alles andere als still. Mit seinem Werk „Real Time“ hat er die Zeit neu erfunden, genauer: die Anzeige der Uhrzeit. Für erhebliches Aufsehen hat hier seine Performance gesorgt, im Verlaufe der er in vier Interpretationen gezeigt hat, wie die Zeit vergeht. In einer alten Standuhr hinter einem milchglasigen Zifferblatt steht ein Mann und zeichnet mit einem dicken Filzstift einen Minutenzeiger an die aktuell korrekte Stelle. Danach langweilt er sich offenkundig in seinem Kasten, guckt abwechselnd auf seine Füße und an die Decke oder duckt sich kurz weg bis er den Minutenzeiger wegwischt und der neuen Zeit anpasst. Dasselbe macht er von Zeit zu Zeit natürlich auch mit dem Stundenzeiger. Die Show wirkt so realistisch, dass viele Besucher in Mailand besorgt um das Wohl des armen Mannes in dem engen Gehäuse sind. Natürlich steht da niemand drin. Es ist nur ein Film. Auch in der Version mit der digitalen Uhr. Da sieht der Betrachter eine menschliche Silhouette hinter einer überdimensionalen vierstelligen Digitalziffernfolge. Die Gestalt malt einzelne Partien aus oder wischt sie weg. So wird aus einer Acht eine Neun. Maarten Baas – T-Shirt, Kapuzenjacke, Zauselfrisur, ein Lächeln in den wachen Augen (ironisch?) – lehnt sich lässig in einem alten Gartenstuhl vor dem noch älteren Bauernhaus zurück. „Die Sache mit der Zeit“, drückt er sich ausnahmsweise etwas hölzern aus, „war schon immer ein Thema meiner Arbeit.“ Ach so? 

Autor:
Jan van Rossem