Kunst als Rahmenprogramm Selbstbewusster Start

Gefragt war ein bisschen Kunst als Rahmenprogramm der Bundesgartenschau. Doch zwei Männer griffen zu: Ihre Schau wurde zur Keimzelle einer Institution.

Zwei Dinge kamen zusammen, um der Schau einen fulminanten Start zu verschaffen: Erstens Bodes Entschlossenheit und das kühne Konzept, das er mit dem Kunsthistoriker Werner Haftmann ausgearbeitet hatte. Der hatte schon im Jahr zuvor, 1954, seine große Bilanz zur „Malerei im 20. Jahrhundert“ vorgelegt. Selbstbewusst und ehrgeizig, als ob da nichts mehr folgen sollte. Zweitens kam dem Duo ein Publikum zu Hilfe, das angereist war, um Blumen zu sehen. Nun standen viele ratlos vor der abstrakten Malerei eines Joan Miró oder Paul Klee, Piet Mondrian oder Willi Baumeister. Schüttelten die Köpfe vor Pablo Picassos scheinbar plumper Ornamentik auf dem Gemälde „Mädchen vor einem Spiegel“. Aber sie setzten sich damit auseinander. Dem gefeierten Spanier auf Augenhöhe gegenüber wurde der damals in Kassel lehrende Maler Fritz Winter präsentiert, der seine Ideen von Abstraktion aus dem Bauhaus über die Zeit der Verfolgung hinaus bis in die Nachkriegs-Gegenwart gerettet hatte. Solche Linien und Verbindungen waren das Thema für Kassel.

130 000 Besucher kamen zum Diskurs mit der Kunst. Wie viele wären es wohl ohne die Gartenschau gewesen?

Arnold Bode erkannte die Einmaligkeit seiner Chance und auch die seiner Verantwortung. Die Deutschen hatten eine Menge nachzuholen. Keine 20 Jahre zuvor, 1937, hatten die Nazis die Wanderschau „Entartete Kunst“ auf Reisen geschickt und beim Publikum von München bis Hamburg, Düsseldorf, Leipzig, auch in Wien und Salzburg johlenden Applaus dafür bekommen, dass sie die komplette Moderne der Lächerlichkeit preisgaben. Doch wäre es zu billig gewesen, nun, nach der Überwindung des Terrors, die Gegenwart einfach als frohgemuten Neustart zu inszenieren. Die Moderne war ja da, eine kunsthistorische Tatsache seit Claude Monet, vielleicht sogar seit William Turner. Jemand musste die Verbindung knüpfen.

Autor:
Martin Tschechne
Fotograf:
Archiv Vroni Heinrich/Fotograf unbekannt, Beate Maltusch, Manfred Handke