Kunst als Rahmenprogramm Die Autonomie der Kunst

Gefragt war ein bisschen Kunst als Rahmenprogramm der Bundesgartenschau. Doch zwei Männer griffen zu: Ihre Schau wurde zur Keimzelle einer Institution.

Was Bode und Haftmann also leisteten, war im ersten Schritt die umfassende Dokumentation einer Erkenntnis, deren frühe Thesen und Erwiderungen längst formuliert waren. Nur knapp die Hälfte der ausgestellten Kunstwerke kam aus Ateliers der Nachkriegszeit. Was sie mit ihrer Präsentation im zweiten Schritt belegten, war nichts Geringeres als die Autonomie der Kunst, ihre Freiheit von dienender Funktion. Viele haben bedauert, dass etwa die große Käthe Kollwitz in Kassel nicht vertreten war – aber da waren die Ausstellungsmacher streng: Jede unterstützende Nähe zu einer politischen Idee, und sei es einer guten, blieb ihrem Verständnis von Kunst suspekt.

Das Fridericianum war eine Ruine, und alles, was die Ausstellung unterstützen konnte, war provisorisch: geschlämmte Wände, nackter Zementboden, das Licht gefiltert durch milchig weiße Plastikfolien vor den Fenstern. Doch genau diese Kargheit kam Arnold Bodes Verständnis von Kunst und ihrem Verhältnis zur Umgebung entgegen. Einige Jahre zuvor hatte er in Mailand ein Gemälde von Picasso vor einer unverputzten Wand gesehen und die Geste bewundert: Mut sprach daraus, der Anspruch einer Kunst, die nicht mehr Dekoration sein oder zur Propaganda dienen will, sondern sich selbstbewusst auf eine eigene Geschichte beruft und daraus Aussagen zur Gegenwart entwickelt. So sollte es bleiben, von nun an auf jeder Documenta: Die Kraft der Kunst, auch der jeweils jüngsten, liegt in ihrer Unabhängigkeit.

Wenn andere daraus Folgerungen ziehen, und sei es für die Gestaltung von Wohnräumen oder den Entwurf von Nierentischen oder Küchengardinen – schön für die Kunst: Sie wird wahrgenommen. Sie prägt das Erleben.

Autor:
Martin Tschechne
Fotograf:
Archiv Vroni Heinrich/Fotograf unbekannt, Beate Maltusch, Manfred Handke