Antiquitäten Fundstücke der Natur

Der Münchner Kunsthändler Georg Laue ist auf Objekte der Kunst- und Wunderkammern spezialisiert: Trophäen, mit denen sich Renaissance-Fürsten die Welt erklärten.

Amazonen-Papagei, Porträt und Wachskopf

Amazonen-Papagei und das Porträt des mexikanischen Kartografen Tomás Ramón del Moral. Auf dem historischen Tresor der Wachskopf eines Indianers aus Präuschers Panoptikum, Wien 1870.

A&W: Heute kauft man sich eine Fußballmannschaft. Laue: Nun ja. Aber die Scientifica und Naturalia, die Artificialia, Mirabilia und Exotica, also die Fundstücke aus der Natur und die kunstvoll daraus hergestellten Skulpturen oder Pokale, die wundersamen Dinge wie das Horn des Einhorns, die Instrumente zur Erfassung und Vermessung der Welt und die Entdeckungen aus fernen Ländern – all diese Objekte dokumentierten eben nicht nur finanziell, sondern auch intellektuell, kulturell und politisch den Rang eines Herrschers. Die Kunstkammern waren ein Spiegelbild der Welt. Die Welt im Kleinen, ein Theatrum Mundi.

A&W: Wir erleben wieder den Aufbruch in eine neue Zeit. Was könnte ihn heute ähnlich überzeugend symbolisieren? Laue: Hmm. Schwierig. Computerchips wohl eher nicht…

A&W: Stattdessen der Bernsteinaltar, die Sternuhr und der Himmelsglobus? Laue: Fest steht, dass die Kunst- und Wunderkammern der Renaissance und des Barock heute Sensationen für das Publikum sind: Denken Sie etwa an das Grüne Gewölbe in Dresden, die Sammlungen in Schloss Ambras bei Innsbruck oder Schloss Rosenborg in Kopenhagen. Im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe wurde Ende August eine Wunderkammer eröffnet, und das Kunsthistorische Museum in Wien präsentiert im Februar seine berühmte Sammlung neu.

A&W: Und die privaten Sammler? Laue: Da herrscht großes und wachsendes Interesse. Mein Ladengeschäft in München ist ein historischer Raum, ein ehemaliges Kaffeehaus mit schönen Säulen und einer bemalten Decke, aber die Vitrinen für die Objekte sind in nüchterne Betonwände eingelassen. Die Besucher sind von dem Arrangement beeindruckt. Auch auf den Kunstmessen in München und Maastricht demonstriere ich, wie Ensembles oder einzelne Objekte in einem modernen Ambiente ihre wunderbare Wirkung entfalten.

A&W: Eine gekonnte Inszenierung gehört dazu. Aber was erklärt die gewachsene Popularität der Stücke selbst? Laue: Die Lust am Staunen. Die Freude, den Fortschritt der Erkenntnis sinnlich fassen zu können. Die Zuversicht gegenüber der Zukunft, die aus diesen Objekten spricht. Das ist Menschen heute ein großes Bedürfnis.

Schlagworte:
Autor:
Martin Tschechne
Fotograf:
Bärbel Miebach