Markus Eisenbeis, Chef des Auktionshauses Van Ham, erklärt Interview Teil 2

Möbel aus Barock und Biedermeier haben eine eigene Aura und galten lange als kostbare Antiquitäten. Doch heute sind sie kaum gefragt und günstig zu haben. Markus Eisenbeis, Chef des Kölner Auktionshauses Van Ham, erklärt, warum das so ist. Und dass die Zeiten für Entdecker und Schatzsucher nie besser waren.

Möbel

Möbel, in denen das Leben steckt: Eckvitrine im Stil Louis XVI. (2200 Euro), Konsoltisch im Rokoko-Stil (3500 Euro), Louis-Quinze-Kommode (2880 Euro). Alle Preise sind Schätzpreise. 

Oder einen guten Innenarchitekten.

Diese Erkenntnis hat sich in Deutschland noch nicht sehr weit durchgesetzt. In England sagt man eher: Ich verdiene mein Geld mit meinen Kenntnissen und Fähigkeiten, und jemand anderes verdient es damit, dass er gut einrichtet.

Früher wurden die kostbaren Möbel von Generation zu Generation weitergegeben. Heute landen sie in Auktionen. Wie erklärt sich der Bruch mit der Vergangenheit?

Die Generationen entkoppeln sich. Das ist ein neues Phänomen: Während die Jüngeren früher als ihre Eltern viel Geld verdienen und sich auf eigene Füße stellen, haben Ältere oft die Neigung, noch einmal neu zu beginnen. Sie sind 60, die Kinder sind erwachsen, und das Haus ist zu groß – da sagen sich viele: Wir ziehen in den Süden. Für die kurzen Aufenthalte in der Heimat tut es auch ein Penthouse in der Innenstadt. Und plötzlich passen die alten Möbel nicht mehr zum Leben dieser Menschen. Sie trennen sich von ihren Schätzen und leisten sich, was in ihren jungen Jahren die Zeit prägte, wie die Kunst der 60er- und 70er-Jahre. Gerhard Richter, Sigmar Polke oder die Künstler der Gruppe „Zero“ – das sind Leute, an denen der Markt zurzeit seine Freude hat.

Und der Barockschrank bleibt zurück. Ein Jammer.

Das finde ich auch! Ich selber habe einen holländischen Dielenschrank und ein paar Kommoden aus dieser Epoche in meiner Wohnung. Der Rest ist mehr oder weniger modern. Gerade diese Möbel haben eine Aura, die auf das Ganze abstrahlt: Sie sind Einzelstücke, es ist Leben in ihnen. Sie sind von Hand gemacht und geben Zeugnis von den Menschen, die daran gearbeitet haben, und von ihrer Epoche. Sie sind Kunstwerke.

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Autor:
Martin Tschechne
Fotograf:
Albrecht Fuchs