Überraschend Kostbares Porzellan

Die Zeiten sind vorbei, als mit Vasen Weltpolitik gemacht wurde. Trotzdem ist Porzellan auch heute ein nobler Luxus – und mitunter überraschend günstig. Der Berliner Kunsthändler Ulrich Gronert verrät, warum das so ist.

Dekor von KPM

Ein spezielles Eisenrot ist charakteristisch für Dekore von KPM. Die Blumen schmücken ein Service mit Ozier-Relief aus der Zeit um 1775.

A&W: Warum tut sich Porzellan trotzdem auf dem Markt so schwer? Gronert: Handbemaltes Porzellan war immer einer kleinen Gruppe vorbehalten. August der Starke hat seine Soldaten gegen chinesische Vasen eingetauscht, die berühmten Dragonervasen. Könige und Zaren haben einander mit kostbar bemaltem Porzellan beschenkt und damit ihre Allianzen besiegelt. Auch heute ist ein festlich gedeckter Tisch mit feinem Porzellan der Ort, an dem Sie beispielsweise Ihrem Chef zeigen können, dass eine Beförderung überfällig ist.

A&W: Das Problem dabei ist: Wer kann sich schon vor der Beförderung eine so königliche Ausstattung leisten? Gronert: Sie würden staunen, wie günstig Tafelgeschirr zu haben ist. Ich habe oft gemerkt, dass die Leute stutzen und es hinter ihrer Stirn arbeitet: Wo ist der Haken? Ich bringe es zu einem Viertel oder Drittel dessen in den Handel, was in der aktuellen Preisliste steht – und verdiene sogar noch daran.

A&W: Also ist neues Tafelgeschirr eine schlechte Geldanlage. Gronert: Warum muss jeder im Kunsthandel auf den Wertzuwachs schielen? Die Menschen interessieren sich doch für Kunst und Kunsthandwerk, um sich an der Gegenwart schöner Dinge zu erfreuen. Kaufen Sie mal ein Luxusauto, das hat sich in ein paar Jahren in seine Einzelteile zerlegt.Ein gutes Geschirr bereichert Sie Ihr Leben lang, Tag für Tag.

 

Autor:
Martin Tschechne
Fotograf:
Albrecht Fuchs