Möbelkunst bildet Möbel von Charles Topino

Restaurierungswerkstatt von Christian Eduard Franke

Zwei Eckschränke von Charles Topino. Vielleicht nach Stichvorlagen gefertigt, zeigen sie antike Architekturphantasien. Der Künstler hat die Perspektive der Kolonnaden aus dem Zentrum gerückt, um sie der Situation im Raum anzupassen.

A&W: Woran ist dann ein Original von Topino zu erkennen? Christian Eduard Franke: Vieles hat er gestempelt und signiert, aber nicht alles. Es gibt Auftragsbücher, Inventarlisten und auch Verträge, mit deren Hilfe sich Kooperationen rekonstruieren lassen. Nicht immer ganz einfach.

A&W: Zu den Themen: Was war gefragt? Christian Eduard Franke: Bildung! Und immer wieder Bildung, Kunst und Kultur. Das war es, worauf man stolz war. Damit wies man sich aus. Manche Künstler verarbeiteten japanische Lackpaneele in ihren Möbeln oder porträtierten Götter und Heroen. Charles Topino entwickelte seine Bilder in Holz. Sehen Sie die Eckschränke, sogenannte Encoignuren. Sie entstanden um 1780 und sind nicht nur perfekt in Proportion und Oberfläche, sie geben in den Sujets auch die Ideale ihrer Zeit wieder. Etwa das Ideal der Grand Tour: Wer es sich leisten konnte, der fuhr in jungen Jahren nach Florenz, Rom oder Sizilien. Sah sich die großen Kunstwerke der Renaissance an, die Villen der Antike, die Ruinen der Tempel. Wenn man dann nach Hause kam, dokumentierte solch ein Möbel nicht nur eine private Reminiszenz und den eigenen Bildungsanspruch, sondern auch das Privileg, solch eine Reise gemacht zu haben. Es waren Stücke, die man präsentierte, um vor ihnen eine geistreiche Konversation zu führen.

Antiquitätenhändler Christian Eduard Franke

Der Generalist in seinem Universum von Möbeln und Wohnaccessoires, überwiegend aus dem 18. Jahrhundert.

A&W: Was waren die Vorlagen? Und wie nutzte er sie? Christian Eduard Franke: Die Leute reisten ja. Und sammelten. Es gab also Stiche, illustrierte Journale und Souvenirs, das waren oft Überreste antiker Architekturen. Die studierte er gründlich und übertrug sie dann – wohl aus freier Hand – in sein eigenes Medium.

A&W: Intarsien sind sehr empfindlich… Christian Eduard Franke: Nicht, wenn man sie pfleglich behandelt! Trockene Heizungsluft ist natürlich schädlich, ebenso direkte Sonneneinstrahlung. Das sagen wir unseren Kunden. Und natürlich haben 230 oder 250 Jahre alte Stücke ihre Geschichte. Wir restaurieren mit den Materialien von damals, Knochenleim und Naturlack, manchmal mit einer Wachspolitur. Und ergänzen verloren Gegangenes behutsam. Eine Lücke ist oft ehrlicher als nachträglich eingefügte Ergänzungen. Die stören nur die Aura des Originals.

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Schlagworte:
Autor:
Martin Tschechne
Fotograf:
Regina Recht