Kunst Lehre aus der Kindheit

Der Hamburger Florian Borkenhagen sammelt banale Alltagsdinge – und gibt ihnen überraschend neuen Glanz.

 

Kronleuchter Pollux Herstellung

Blick ins Atelier: Der Kronleuchter wurde aus mehr als 700 Glasschalen, Tortenböden, Salzstreuern und Brillen montiert.

Florian Borkenhagen erinnert an seine Mutter. Sie war streng: eine überzeugte Anhängerin der Bauhaus-Ästhetik, der auch in ihrem Hause alles Überflüssige zuwider war. Schnörkel, Tand, Kitsch, sogar überzählige Bestecke, Geschirrteile oder Lampen – alles wurde rigoros aussortiert.

Aber Versuchung findet ihre eigenen Wege. Zehn Jahre alt wird der Junge gewesen sein, als eine Nachbarin ihm nach einem sonntäglichen Mittagessen ein Schälchen Apfelkompott servierte. Eine köstliche Nachspeise, doch der Genuss war wenig gegen die Muster, die sich an die Wand werfen ließen, wenn man das geschliffene Glas unter die Lampe hielt! Florian Borkenhagen war fasziniert. Wie das Schälchen dann den Weg in die Sammlung von Schätzen unter seinem Bett fand, hat der erwachsene Künstler vergessen. Es spielt auch keine Rolle. Woran er sich erinnert, ist die Taschenlampe, mit der er die Kostbarkeit nachts zum Funkeln brachte und tanzende Schatten unter die Decke seines Zimmers malte. Und an den Tag, an dem die Familie umzog, wieder einmal. Der Vater war Geschäftsmann, alle paar Jahre wurde der Besitz in Kisten verpackt und auf den Möbelwagen verfrachtet. „Wir Kinder“, erinnert sich Borkenhagen, „mussten uns jedes Mal schmerzhaft von vielen gesammelten Schätzen trennen.“

 

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Autor:
Sabine Howe
Fotograf:
Jan Kopetzky, PR