Luca Distler und Florian Pichler Das "Messer Werk"

Zwei Quereinsteiger – der eine gelernter Kunstschmied, der andere Zahntechniker – erforschen den alten Beruf des Messerschmiedens. 2009 machen sie sich mit ihrer Passion selbstständig und gründen in Aschau das Atelier „Messer Werk“, das unter Kennern schon Kult ist. 

Die Kunst des Messermachens brachten sich die beiden Freunde, die sich seit der Schulzeit kennen, mit unermüdlicher Neugier und gelegentlichen Praktika selbst bei, zunächst als Hobby, später in einer Art semiprofessionellem Wochenendgewerbe. Durch erste Erfolge mutig gemacht, wagten sie Anfang 2009 den großen Schritt. Sie mieteten die alte Aschauer Dorfschmiede und gründeten ihr Label, das sie heute mit Stolz in jede Klinge einätzen: das „Messer Werk“.  Damaszenerstahl ist die Spezialität der Handwerkskünstler. Dabei werden verschiedene Stahlarten übereinandergelegt und im Feuer verschweißt. Der so entstandene Verbundstahl wird wieder und wieder übereinandergelegt und verschweißt. Diese Prozedur wird so oft wiederholt, bis der Damaszenerstahl aus mitunter 300 Lagen entsteht. Die unterschiedlichen Lagen bleiben sichtbar und geben der Klinge ein lebhaftes Muster, das an die Strudel und Wirbel eines Wildbachs erinnert. Zur Faszination der Messerwerk-Messer tragen auch die perfekt konturierten Griffe bei, die zum Teil aus exotischen Materialien gefertigt sind: Grenadill- und Wüsteneisenholz, Kamel- und Giraffenknochen, Mammutzahn und Mooreiche.

Und ständig hat Luca Distler, der kreative Treibauf des Teams, neue Ideen. Die Klingen eines uralten Balkenmähers hat er zu hackbeilartigen Messern verarbeitet und testet so seltsame Stoffe wie Baumschwämme und Computerplatinen: „Man könnte daraus Griffe machen, die mal anders aussehen.“ Alles handgeschmiedet, alles handgemacht und hochwertigst verarbeitet, ist die Maxime des Messerwerk-Duos, ob Küchen-, Jagdmesser oder sogar Schwert. Und das hat seinen Preis: Ab 450 Euro kostet ein mittelgroßes Küchenmesser, und man spürt, warum. „Wir hatten mal ein Messer, das war zwei Jahre lang absolut unverkäuflich“, erzählt Luca Distler. „Und dann kam auf einer Messe ein blinder Mann, hat es in der Hand gewogen und sofort gesagt: ‚Das ist mein Messer.‘ Er hat die Qualität gespürt, ohne sie zu sehen. Das hat uns sehr berührt.“ 

www.messer-werk.de 

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Autor:
Karl Michael Armer
Fotograf:
Bärbel Miebach