Nachruf Richard Sapper (1932-2015)

Richard Sapper

Er hat es wie kein anderer geschafft, Produkte für den Alltag zu entwerfen, die Bestseller und Designikonen gleichzeitig waren – und sind. Dabei ist er als Urheber stets bescheiden im Hintergrund geblieben. So sehr, dass viele ihn für einen Amerikaner hielten und auch seinen Namen dementsprechend aussprachen. Aber der gebürtige Münchner hat nach ersten Probejahren bei Mercedes in Mailand sein gestalterisches Glück gefunden. Meist in Zusammenarbeit mit seinem Partner Marco Zanuso hat er Klassiker erschaffen, die bis heute unerreicht und jedem ein Begriff sind: die Halogenleuchte „Tizio“ für Artemide, im Entwurfsjahr 1972 ihrer Zeit noch um Lichtjahre voraus, aber zehn Jahre später ein Verkaufsschlager, den Szene-Fernseher „Algol“ für Brionvega, dessen Monitor sich keck dem Betrachter entgegenstreckt, den „Wasserkessel mit melodischer Flöte“ für Alessi, der für den guten Ton in der Küche sorgt. Die Aufzählung erwähnt nur einen Bruchteil seines Schaffens. So akribisch und ernsthaft er an neuen Formen und Funktionen für seine Objekte arbeitete, Design, fand er, „sollte auch Spaß machen.“ Und Emotionen wecken. Selten blumig für seine Verhältnisse äußerte er sich dazu im Interview anlässlich seiner Ehrung zum A&W-Designer des Jahres 2005: „Design macht Poesie aus Prosa.“ Richard Sapper starb am Silvesterabend 2015 in Mailand.

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