Porträts
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Jean Prouvé

Datum20.01.2020

Jean Prouvé

geboren am 8. April 1901 in Paris, Frankreich

verstorben 1984 in Nancy

Tätigkeitsbereiche

Möbeldesign, Architektur

Hersteller/Bezugsquellen

Vitra

Kurzbiografie

Jean Prouvé wurde 1901 als zweites Kind des berühmten Malers und Bildhauers Victor Prouvé (er war Mitbegründer der Schule von Nancy) und der Pianistin Marie Duhamel geboren. Obwohl er eigentlich Ingenieur werden wollte, zwangen die finanziellen Umstände die Familie dazu ihn mit 15 Jahren bis 1919 in die Lehre bei dem Kunstschmied Émile Robert in Enghien zu schicken. 1921 lernte er als Kunstschmied bei Adalbert Szabo in Paris. Danach stellte er, zunächst noch vom Jugendstil beeinflusst, gusseiserne Objekte wie Balkone, Tore und ähnliches her, bis er 1926 die erste elektronische Schweißmaschine in Nancy besaß und nun mit der modernen Möbelkonstruktion begann. So sehr die Designer des Bauhauses an das Stahlrohr glaubten, so fasziniert war Prouvé von den gestalterischen Möglichkeiten des flächigen Stahlblechs.

Schon ab 1924 entwirft Jean Prouvé Möbel aus Stahlblech, die er 1925 auf der Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes in Paris ausstellt. Die kühle und funktionale Ästhetik der Möbel erregt die Aufmerksamkeit von Le Corbusier. Darauf folgt 1927 der erste bedeutende Auftrag mit der Gestaltung des Eingangstores der Villa Reifenberg von Robert Mallet-Stevens. Später lernte er auch Charlotte Perriand kennen, mit der er in den 1950er Jahren mehrere Möbel entwirft, darunter Bücherregale aus Holz und Blech.

Die Tische und Stühle Prouvés gehören heute zu den Designklassikern der Moderne. Auf Auktionen erlangen seine Meisterwerke höchste Summen, der Stuhl Kangaroo z.B. wurde im März 2001 für ca. 150.000 € versteigert. Architekten von heute verehren Prouvé als Pionier der Leichtbauweise.

Ausbildung/Werdegang

  • 1916 1919 machte er eine Lehre als Kunstschmied bei Émile Robert in Enghien-les-Bains bei Paris
  • 1921 lernte er als Kunstschmied bei Adalbert Szabo in Paris
  • 1924 eröffnete er seine eigene Werkstatt in Nancy und heiratete Madleine Schott
  • 1929 wurde Jean Prouvé sein erstes Patent für Türen aus Stahlblech erteilt
  • 1930 wurde er Gründungsmitglied der Künstlervereinigung Union des Artistes Moderne (U.A.M.)
  • 1931 wandelte er seine Firma in eine Aktiengesellschaft (Les Ateliers Jean Prouvé S.A.) um
  • 1940 - 1944 beteiligte er sich an der Résistance und amtierte 1944/45 für wenige Monate als Bürgermeister von Nancy
  • 1947 zog er mit seiner Firma von Nancy nach Maxéville und beschäftigte rund 200 Mitarbeiter
  • 1949 beteiligte sich Aluminium Française an seinen Werkstätten in Maxéville
  • 1952 wurde ihm der Zugang zu seinen Werkstätten durch den Mehrheitsaktionär Aluminium Française untersagt. Daraufhin verlässt er 1953 das Unternehmen
  • 1956 gründete er gemeinsam mit Michel Bataille Les constructions Jean Prouvé
  • Von 1957-68 leitet er das Baukonstruktionsbüros der Compagnie Industrielle de Matériel de Transport (CIMT) in Paris und von 1968-84 betreibt er ein Büro in Paris als selbständiger Architekt
  • 1971 war er als Nichtarchitekt Vorsitzender der Jury für den Wettbewerb des Centre Pompidou in Paris, was für internationale Diskussionen sorgte
  • Von 1957 bis 1970 besetzte er den Lehrstuhl für Angewandte Kunst am Conservatoire National des Arts et Métiers in Paris
  • 1984 starb Jean Prouvé in Nancy

Bekannteste Werke (Auswahl)

Architektur

  • 1927 Eingangstor Villa Reifenberg, Paris, Frankreich
  • 1935 Fliegerclub Roland Garros, Buc, Frankreich
  • 193539 Volkshaus, Clichy, Frankreich
  • 1948 Entwicklung des System Coque
  • 194851 Meridiansaal für das Pariser Observatorium
  • 1950 Sheddächer für die Druckerei Mame, Tours, Frankreich
  • 1951 Fassade Messepalast, Lille, Frankreich
  • 1953-54 Fassade am Wohnhaus Square Mozart, Paris, Frankreich
  • 1954 Haus Prouvé, Nancy, Frankreich
  • 1954 Pavillon zur Hundertjahrfeier für Aluminium Française, Paris, Frankreich
  • 1956 Trinkhalle, Evian, Frankreich
  • 1956-58 Centre National des Industries Techniques, Puteaux, Frankreich
  • 1967 Fassade Tour Nobel, La Défense, Paris, Frankreich
  • 1968 Tankstelle für die Firma Total, Lörrach, Österreich
  • 1968 Messehalle, Grenoble, Frankreich
  • 1975 Glockenstuhl der Notre Dame du Haut, Frankreich
  • 1980/81 Radarturm, Insel Quessant, Frankreich
  • 1979-84 Palais Omnisports de Paris-Bercy, Paris, Frankreich

Design

  • 1931 Möbel für die Cité Universitaire de Nancy (u.a. Armlehnstuhl Cité)
  • 1934 Standard No 4 (Stuhl)
  • 1936 Schultisch mit zwei Stühlen
  • 1948 Standard (Stuhl)
  • 1949 Compass (Tisch)
  • 1950 Gueridon (Tisch)
  • 1950 Granito (Tisch)
  • 1950 Potence (Lampe)
  • 1951 Kangaroo Chair
  • 1952 Trapez (Tisch)
  • 1953 Bahut (Anrichte)
  • 1953 Bibliotheque (Regal)
  • 1954 Bestuhlung für die Cité Universitaire in Antony

Auszeichnungen

  • 1950 Ritter der Ehrenlegion
  • 1981 Erasmus-Preis
  • 1982 Großer Architekturpreis der Stadt Paris